Von Höhepunkten und Enttäuschungen: Der motorsportliche Jahresrückblick der Region
Titelfreuden, knapp verpasste Meisterschaften, Wetterkapriolen und Verletzungen: Die Motorsportler in und aus der Region haben eine ereignisreiche Saison hinter sich. Ein disziplinübergreifender Rückblick auf das Motorsport-Jahr 2024.

Neue (alte) Veranstaltungen, bittere Ausfälle, schmerzhafte Verletzungen, aber auch champagnerreiche Siegesfeiern. Hinter den Motorsportlern in und aus der Region liegt ein ereignisreiches Jahr 2024. Ein Überblick im Schnelldurchlauf.
Motocross
Erfolgreiche Rückkehr des Frankenbacher Winter-Motocross
Viel triumphaler hätte im März die Rückkehr des Internationalen Winter-Motocross in den regionalen Sport-Veranstaltungskalender nicht werden können. Der ausrichtende MCC Frankenbach war in Person von Wolfgang Blatt selbst (positiv) überrascht gewesen, wie gut die 49. Auflage nach fünf Jahren (Zwangs-) Pause angenommen worden war.
"Volles Risiko" sei der MCC mit der Ausrichtung gegangen, verriet der Vereinsvorsitzende. Doch die Motocrosser wurden für ihren Mut belohnt. Das Wetter spielte mit, der neue Austragungsmodus sorgte für Spannung, Fahrer der wichtigsten Masters-Teams waren zu Gast und über 4500 Zuschauer sorgten für beste Stimmung rund um die Strecke.
Weinmann-Brüder verpassten DM-Titel denkbar knapp
Nicht auf zwei, sondern auf drei Rädern unterwegs waren hingegen Joshua (22) und Noah Weinmann (19) aus dem hohenlohischen Weißbach. Im Seitenwagen-Motocross wurden die Brüder in der Deutschen Meisterschaft mit sechs Punkten Rückstand Dritter und etablierten sich mit Rang 14 im Endklassement der Weltmeisterschaft auch auf der internationalen Bühne.
Die Belohnung für die stetige Entwicklung folgte im September mit der Nominierung für die Nationen-WM in Tschechien durch den Deutschen Motor Sport Bund (DMSB). Im nächsten Jahr soll der Traum vom Deutschen Meistertitel Realität werden.
Motorrad
Unfall, Operation, 1,5 Punkte: Seidlers turbulentes Motorrad-Jahr
Für Motorrad-Pilot Sven Seidler wurde 2024 zu einem komplizierten Jahr. Der 28-Jährige aus Zaberfeld wollte mit seinen Teamkollegen von ViVa Endurance eigentlich um den Gesamtsieg im Deutschen Langstrecken-Cup mitfahren. Doch erst legte im April der tödliche Unfall eines Konkurrenten auf dem Hockenheimring einen Schatten über die Serie, dann stürzte Seidler im Training von seiner Aprilia RSV4 1000 und musste sich einer Schulter-Operation unterziehen.
Am Ende fehlten der ViVa-Equipe 1,5 Punkte zum Titel. 2025 startet das Team in der Sportbike-Klasse der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) auf der Sprint-Distanz.
Rallye
Regionaler Rallye-Kalender erhält Zuwachs
Der Regionale Rallye-Kalender ist seit August wieder um eine Veranstaltung reicher. Den 1. Rallyesprint des HWRT Wohlmuthausen hatten nicht nur die Premierensieger Rainer Noller/Tanja Schlicht als Erfolg gewertet, sondern auch aus dem Starterfeld gab es viel Lob für die 15 anspruchsvollen WP-Kilometer.
Bereits Anfang März hatte der HWRT gemeinsam mit dem HMC Öhringen die 34. Unterland-Hohenlohe-Wertungsfahrt rund um Pfedelbach ausgerichtet. Auch hier hatten die Organisatoren mit den Wertungsprüfungen viel richtig gemacht - ebenso wie Jörg Dörre und Robin Zaiß, die sich erstmals zu UHW-Gesamtsiegern krönten. Einziger Wehrmutstropfen blieb der schwere Unfall von Daniel Habicht und Michael Keller in der Sall.
Einen Klassensieg feierte bei der UHW Alexander Ickert vom ausrichtenden HWRT Wohlmuthausen. Der 25-Jährige wurde in der Württembergischen ADAC Rallye-Meisterschaft am Jahresende zudem Vizemeister.
Gemischte Bilanz der international startenden Rallye-Fahrer
An der Seite von Dennis Rostek erlebte Beifahrer Stefan Kopczyk (Bad Friedrichshall) ein beinahe perfektes Jahr. In der Deutschen Rallye-Meisterschaft (DRM) bedeutete der dritte Platz das für sie bestmögliche Ergebnis, dazu gewannen Rostek/Kopczyk die Masters-Wertung der DRM. In der Niederländischen Meisterschaft gewann das Duo mit maximaler Punkteausbeute die Gesamtwertung in einem Herzschlagfinale.

Auf internationalen Wegen war erneut auch René Noller (22) unterwegs. Der Abstatter wurde im Mitropa Rally Cup Zweiter in der 2WD-Wertung sowie in der Junior-Klasse. Der Opel-Pilot fuhr im Herbst im Rahmenprogramm der Rallye Zentraleuropa erstmals ein E-Fahrzeug und gewann eine Woche später für Deutschland bei den FIA Motorsport Games die Bronzemedaille.
Ebenfalls im Ausland, aber mit vielen technischen Problemen hatte Johannes Kessel (Haßmersheim) zu kämpfen. Hardyscheibe, Kühler, zweimal die Antriebswelle und ein verlorenes Rad sorgten für Ausfälle des 37-Jährigen und seines BMW M3 E46 Compact. Immerhin: Klassensiege bei der Rallye Lëtzebuerg, der Rallye Hessisches Bergland und dem Nibelungen-Rallye-Sprint sorgten für Erfolgserlebnisse. Im Jahr 2025 möchte Kessel zur Freude seiner Familie motorsportlich kürzer treten.
Rundstrecke
Markus Pommer verteidigt Prototype-Cup-Titel
An der Spitze der zahlreichen Rundstrecken-Piloten aus der Region standen in diesem Jahr Markus Pommer und seine Titelverteidigung im ADAC Prototype Cup Germany. Fahrer- und Team-Titel gewann der Untereisesheimer mit dem Sinsheimer Team Gebhardt Motorsport und Teamkollege Valentino Catalano.

"Man sagt ja, einen Titel zu verteidigen, ist schwerer, als den ersten Titel zu gewinnen. Und das war in meinem Fall tatsächlich so. Für mich ist es besonders schön, weil ich es mit verschiedenen Teams geschafft habe und es in diesem Jahr unter dem anspruchsvolleren Regelwerk geklappt hat", sagte der 33-Jährige nach dem Erfolg.
Pablo Schumm überrascht auf dem Circuit de Spa-Francorchamps
Sportlich noch höherklassiger, aber nicht so erfolgreich war der Heilbronner Pablo Schumm im ADAC GT Masters. In seinem Debütjahr präsentierte sich der 24-Jährige als zuverlässiger und lernfähiger Pilot, der mit dem Audi R8 LMS GT3 Evo II des Team Engstler aber nicht vorne mitfahren konnte. Mit einer Ausnahme: Der dritte Platz auf dem Circuit de Spa-Francorchamps wird dem Fahrer des MC Heilbronn noch lange in Erinnerung bleiben.
Konkurrenzfähig aber am letzten Rennwochenende im Pech war der Neckarsulmer Jürgen Bender in der Spezial Tourenwagen Trophy. Den Titel in Sichtweite, versagte bei der Corvette des 65-Jährigen auf dem Nürburgring die Getriebeaufhängung.
Klassensiege und Enttäuschungen auf der Rundstrecke
Für Patrick Assenheimer lief es im Jahr 2024 sportlich nicht sehr gut. Sein spanisches Team Madpanda Motorsport zog sich in der GT World Challenge vorzeitig aus dem Endurance Cup zurück und beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring hatte sich der 32-Jährige Heilbronner ebenfalls etwas mehr als Rang 19 erhofft. Unternehmerisch überraschte die "Assenheimer Gruppe" im Mai allerdings mit ihrem Millionen-Investment am Hockenheimring.
Fabio Sacchi (Weinsberg) und Heiko Hammel (Forchtenberg) waren mit ihrem jeweiligen Abschneiden beim 24-Stunden-Rennen in der Eifel hingegen zufrieden: Jeweils als Klassensieger kehrten die beiden in die Region zurück. Sacchi wurde zudem Klassensieger in der Nürburgring Langstrecken-Serie (NLS). Der überschaubare sportliche Wert in seiner chronisch dünn besetzten SP7-Konkurrenz kann dem 26-Jährigen nicht zum Vorwurf gemacht werden.
Hammel (36) war vor dem Beginn der Saison in der DMV NES 500 von Opel auf einen Audi RS3 LMS umgestiegen. Nach drei souveränen Klassensiegen zum Saisonstart konnten es sich er und Teamkollege Reinhard Nehls im TC-Cup leisten die restlichen Läufe auszulassen, um ihren Titel zu verteidigen.
Slalom
Licht und Schatten bei den Slalom-Veranstaltungen in der Region
Als Gewinner in der Slalom-Szene konnte sich Ende September definitiv der MSC Weinsberg fühlen. Die Rückkehr des Sulmtal-Slaloms in den Kalender des Württembergischen ADAC Slalom-Pokals (WASP) war im Neckarsulmer Gewerbegebiet Stiftsberg mit beinahe 100 Startern ein Volltreffer. Der HMC Öhringen hatte - zurück auf der Öhringer Westallee - dagegen sehr viel Pech mit dem Wetter. Dauerregen brachte den Club Anfang Juni um Zuschauer und Einnahmen.

Mehr Glück hatte der MC Heilbronn mit seinem Slalom-Doppel-Wochenende am Wartberg im April. Der DMSB-Slalom bleibt ein Glanzlicht, auch wenn die Kosten immer schwieriger zu stemmen sind. Dass das Club-Leben jedoch lebendig ist, beweisen 108 Starts von MCH-Fahrern im WASP - mit Abstand Bestwert in Württemberg. Zu diesen Startern zählte Rick Kübler, der sich in der Einsteiger-Gruppe den Titel sicherte.
Ausblick auf 2025
Einige Motorsport-Termine für das nächste Jahr sind bereits bestätigt. Traditionell weit vorne im Kalender steht das Winter-Motocross des MCC Frankenbach. Die 50. (Jubiläums-)Auflage wird 2025 am 16. März stattfinden.
Sein Motorsport-Programm bereits festgezurrt hat für das nächste Jahr auch der MC Heilbronn. DMSB- und Clubsport-Slalom finden am 26./27. April am Wartberg statt, die CST-Trophy wird am 29. Juni ausgefahren. Der 36. ADAC/UHO Jugend-Kartslalom ist für den 29. Mai angesetzt und erstmals stattfinden soll außerdem ein „MCH/ADAC Porsche Happening“ am 29. Juni.
Mit reichlich Beteiligung aus der Region ist auch 2025 wieder beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring zu rechnen. Terminiert ist der Eifel-Klassiker vom 19. bis 22. Juni.



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