Erst Frust, dann Vorfreude: Weinmann-Brüder reisen optimistisch zur Nationen-WM
Joshua und Noah Weinmann blicken auf eine erfolgreiche Saison im Seitenwagen-Motocross zurück. Am Wochenende starten die Brüder zum Jahresabschluss für Deutschland bei der Nationen-WM.

Der Ärger ist inzwischen der Vorfreude gewichen, Joshua (22) und Noah Weinmann (19) blicken längst wieder nach vorne. Zu groß, zu wichtig ist dieses Wochenende, als dass die beiden Brüder aus dem Weißbacher Ortsteil Crispenhofen noch viele Gedanken an die zurückliegenden Tage im Crossodromo La Colla im ligurischen Pieve di Teco verschwenden könnten – und wollten. Das chaotische WM-Wochenende in Italien wird den beiden Seitenwagen-Motocross-Fahrern aber trotzdem in Erinnerung bleiben.
Chaotischer Abschluss der WM-Saison in Italien
Weniger aufgrund ihrer Plätze 14 und 15, die nach Kupplungsproblemen beinahe das Maximum des Möglichen gewesen waren, sondern vielmehr wegen der Randerscheinungen, die den letzten regulären Lauf der Saison überschatteten. „Es war einfach schlecht organisiert. So etwas haben wir nicht einmal ansatzweise bei einem WM-Lauf erlebt“, bilanziert Joshua Weinmann mit Blick auf ein viel zu kleines Fahrerlager und einen Rennarzt mit fehlender Lizenz.
In der Nacht auf Sonntag kam es zudem zu handgreiflichen Auseinandersetzungen mit rund zehn alkoholgeschwängerten Fans von Harry Walker, die neben dem Camper der Weinmann-Brüder den Quad-Europameistertitel des Briten feierten und zu fortgeschrittener Stunde an das Wohnmobil der Weißbacher hämmerten. Eine vernünftige Vorbereitung auf den WM-Abschluss war so nicht mehr möglich.
Brüder hadern mit drittem Platz in der Deutschen Meisterschaft
Doch so ärgerlich das Italien-Wochenende für die Fahrer des MSC Wieslauftal war, so konnte es doch nicht die erfolgreiche Saison des KTM-Duos überschatten. Neben dem 14. Gesamtrang in der Weltmeisterschaft ragt Platz drei in der Deutschen Meisterschaft heraus. „Mich ärgert der dritte Platz aber immer noch ein bisschen“, gibt Joshua Weinmann zu. Nur sechs Punkte fehlten am Ende zum Gewinn des Titels.
Kleinigkeiten machen letztlich den Unterschied
Schlüsselmomente waren die aus einer kaputten Zündkerze resultierende magere Punktausbeute im zweiten Lauf in Schwedt, die die Freude über den zuvor errungenen ersten Laufsieg merklich dämpfte, sowie das zweite DM-Wochenende in Wriezen. Beifahrer Noah Weinmann hatte dort aufgrund einer Gehirnerschütterung pausieren müssen, so dass Fahrer Joshua Weinmann kurzfristig mit Raphael Markert als Ersatzbeifahrer antrat. Die 23 Punkte waren besser als nichts, doch die fehlende Abstimmung mit Markert war nicht wegzudiskutieren.

„Ohne eines von beidem hätte es für den Titel gereicht“, hadert Joshua Weinmann noch immer ein wenig mit dem verpassten DM-Erfolg, auf den die Brüder vor dem Saisonstart geschielt hatten – berechtigterweise, wie sie mit ihren Leistungen unterstrichen. „Alles in allem sind wir in diesem Jahr aber schneller geworden und haben auch in Sachen Konstanz einen Schritt nach vorne gemacht“, sagt Joshua Weinmann. „Jetzt müssen wir noch die Technik besser in den Griff bekommen und die Fehler ausmerzen.“
„Sidecarcross of Nations“ hat erstmals WM-Status
Auf funktionierende Technik und wenige Fehler setzt das Brüderpaar auch an diesem Wochenende in Loket im Westen Tschechiens. Gemeinsam mit Adrian Peter/Joel Hoffmann und Tim Prümmer/Jens Vincent sowie drei deutschen Quad-Fahrern sind die Weißbacher vom Deutschen Motor Sport Bund (DMSB) für das „Sidecarcross of Nations“ nominiert worden.
Der Mannschaftswettbewerb für Nationen hat in diesem Jahr erstmals Weltmeisterschaftsstatus und „ist für uns schon etwas ganz Besonderes – nicht nur, weil es die Veranstaltung ja nur einmal im Jahr gibt“, betont Joshua Weinmann.
Starkes Seitenwagen-Trio schielt auf Podestplatz
36 Teams aus zwölf Nationen treten auf der 1586 Meter langen Hartboden-Strecke über drei Läufe gegeneinander an. Auch weil Gespanne und Quads separat gewertet werden, sagt Joshua Weinmann: „Wenn es ganz gut läuft, stehen unsere Chancen gar nicht so schlecht.“
Ein Platz auf dem Podium wäre gegen die starke Konkurrenz aus Frankreich, den BeNeLux-Staaten, dem Baltikum und Großbritannien für die deutsche Mannschaft ein großer Erfolg. Spätestens dann wäre das vermaledeite Italien-Wochenende wohl endgültig verdrängt.
Kommentare öffnen


Stimme.de
Kommentare