Zwei Brüder auf einem Motorrad
Klaus und Thomas Weinmann waren Vizeweltmeister im Seitenwagen-Motocross. In diesem Teil der Serie "Was macht eigentlich...?" erinnern sie sich an die spannende Zeit als professionelle Sportler und ihre Reisen in fremde Länder.

Die Maschine steht noch in der Garage. Fein säuberlich restauriert. "Gefahren wird mit ihr nicht mehr", sagt Thomas Weinmann. Der Weißbacher war zusammen mit seinem Bruder Klaus fünf Mal deutscher Meister (1992, 94, 99, 2000 und 2002) im Seitenwagen-Motocross. 1995 wurden die Weinmann-Brüder zudem Vizeweltmeister. "Leider hat es nicht ganz zum Weltmeister-Titel gereicht", sagt Thomas Weinmann. "Es haben nur wenige Punkte gefehlt. Das war damals schon hart. Im Nachgang bin ich aber zufrieden mit dem, was wir geschafft haben." Der heute 50-Jährige saß im Beiwagen, sein sieben Jahre älterer Bruder fuhr das Gespann.
Thomas Weinmann ist stellvertretender Bürgermeister von Weißbach
Heute ist Thomas Weinmann Finanzberater und Versicherungsmakler. Der Sport ist in den Hintergrund getreten. Mit Krafttraining und Mountainbiken hält er sich aber fit. Die Fitness Anderer überwacht er als Sportabzeichen-Prüfer beim TSV Weißbach.
Vergangenes Jahr wurde er in den Weißbacher Gemeinderat gewählt und ist auch stellvertretender Bürgermeister. "Das ist aber nur ein repräsentatives Amt", sagt Thomas Weinmann. "Aber es macht Spaß, das gefällt mir." Und trotzdem lässt ihn das Gespannfahren nicht los.
Die Söhne von Thomas Weinmann treten in die Fußstapfen von Vater und Onkel
Seine beiden 14- und 18-jährigen Söhne treten mit einer neuen Maschine in die Fußstapfen von Vater und Onkel, die sie nach Kräften unterstützen. So ist auch Klaus Weinmann - der bei Bürkert in Ingelfingen als Elektrotechniker in der Versuchsabteilung arbeitet und als Sicherheitsbeauftragter fungiert - mit Herzblut dabei. "Aber nur weil sie Weinmann heißen, ist es nicht gesagt, dass sie ebenso erfolgreich sein werden wie wir", dämpft Thomas Weinmann die Erwartungen an den Nachwuchs bewusst.
Er erinnert sich jedoch gerne zurück. "Das war schon eine tolle Zeit. Aber wir haben erst im Nachgang realisiert, was wir geleistet haben", sagt Thomas Weinmann.
Großer Empfang nach der ersten deutschen Meisterschaft
Die Weinmann-Brüder begeisterten die gesamte Region. Nach dem Gewinn ihrer ersten deutschen Meisterschaft 1992 wurden sie in ihrer Heimat empfangen. "Die Straßen in Weißbach wurden beinahe gesperrt für uns vor lauter Fans. Die haben ein Banner über die Straße gespannt", erinnert sich Weinmann.
Die Adolf-Brüder aus Hohenlohe widmeten den Motorsportlern sogar ein Lied. Noch heute ist es im Internet auf Youtube samt Video zu finden. "Das war schon eine große Wertschätzung", sagt Weinmann. "Man ist so fokussiert auf den Sport gewesen, da hat man gar nicht so mitbekommen, was da so abging. Man kann erst im Nachgang so richtig einschätzen, wie toll es gewesen ist und wie gut es ankam, was wir gemacht haben."

Titelgewinn mit angebrochenem Bein
Den ersten DM-Titel haben die beiden "mit Hängen und Würgen in Reutlingen geholt", erzählt Weinmann. "Eine Woche vorher in der Ukraine hat sich Klaus erst das Bein angebrochen. Er brauchte einen Spezialstiefel. Wir mussten aber nicht mehr so auf Sieg fahren, da wir ein Punktepolster hatten. Das sind so Erinnerungen, die bleiben."
In Erinnerung hat er aber auch die Reisen. Teils in unbekannte Länder "zu fremden Menschen, fremden Kulturen", sagt Weinmann. "Es war die Zeit, als der Eiserne Vorhang gefallen ist. Estland, Lettland und Litauen waren mit die ersten Länder, die sich abgespalten haben. Dort sind wir damals gefahren. Es war für uns Neuland", sagt Weinmann. Es waren kleine Abenteuer.
Mit dem Wohnmobil ins Baltikum
Mit dem eigenen Wohnmobil zogen die Brüder los. "Es war schon etwas Besonderes, in so ein Land zu reisen. Da wir mit dem Wohnmobil unterwegs waren, hatten wir einen engen Kontakt zur Bevölkerung. Das war schon toll, als wir mit deutschen Fahnen und in deutscher Sprache im Baltikum begrüßt wurden", erzählt Weinmann. "Die Fans haben uns sogar angeboten, die Wäsche zu waschen. Es war schön, als wir die Unterwäsche gebügelt zurückbekommen haben." Auch die verschiedenen Mentalitäten blieben ihm in Erinnerung. "Wenn man sieht, wie wir in Griechenland in einem Riesenknäuel und mit viel Gehupe auf die Fähre gefahren sind", erzählt Weinmann und richtet dann den Blick nach Finnland: "Dort sind wir ganz geordnet auf die Fähre gefahren. Und auch dort sind am Ende alle auf der Fähre gestanden. Es funktioniert eben auf verschiedene Arten."
Die alte Maschine ist ab und zu bei Messen zu sehen
2003 beendeten die Weinmänner ihre Karriere. Thomas fuhr noch eine Saison mit Marko Happich weiter. Später gab er sein Comeback als Nachbarschaftshilfe für Tobias Grund, dessen Beifahrer Rafael Markert sich verletzt hatte.
Mittlerweile holt er höchstens seine BMW-Enduro-Maschine oder sein Veteranen-Motorrad von Honda zu einer Spritztour aus der Garage. Und wenn es angefragt wird, gehen Klaus und Thomas Weinmann mit ihrem alten Wettkampf-Maschine noch auf Ausstellungen oder Messen. Ganz wird sie der Sport wohl nie loslassen, auch wenn er in den Hintergrund getreten ist.
Die Serie
In dieser Serie blicken wir auf Sport-Persönlichkeiten aus der Region. Das können ehemalige Sportler, Trainer oder Funktionäre sein. Was machen sie heute? Wie verfolgen sie das Geschehen in ihrer Sportart?

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