Sven Seidlers 24-Stunden-Traum ist nur aufgeschoben
Motorrad-Pilot Sven Seidler blickt ambitioniert auf die bevorstehende Langstrecken-Meisterschaft. Der Zaberfelder fährt für das Rennsport-Team ViVa Endurance und hofft auf einem Start beim 24-Stunden-Rennen.

Sven Seidlers großer Traum ist vor einigen Wochen geplatzt - vorerst. Doch für immer vergessen ist er nicht, der Wunsch, einmal bei einem 24-Stunden-Rennen zu starten. "Das ist eine Herausforderung ohne Ende für Mensch und Material und ich glaube, der Traum eines jeden Hobby-Fahrers", sagt der 27-Jährige. Sven Seidler fährt Motorrad. Meist sehr schnell, relativ lange und immer häufiger auch recht erfolgreich. Der Zaberfelder ist seit 2018 Teil des Rennsport-Teams ViVa Endurance, das vorwiegend im Langstreckensport für Zweiräder antritt, und ist seit seinem Einstieg immer mehr in den Fokus gerückt.
Aus der Boxengasse auf die Rennstrecke
Vom Tellerwäscher zum Millionär hat er es dort (noch) nicht gebracht, wohl aber aus der Boxengasse auf die Rennstrecke. "Ich habe im Team als Mechaniker angefangen, war bei den Rennen dabei und habe zur richtigen Zeit die richtigen Menschen kennengelernt", erinnert sich Seidler.
2021, als das Team einen dritten Fahrer suchte, stieg Seidler selbst auf die Maschine - und fuhr prompt schnelle Rundenzeiten. "Ich habe mit 16 mit dem Motorradfahren angefangen und gemerkt, dass zügig fahren viel Spaß macht. Ich wusste aber auch, dass das auf der Straße nichts zu suchen hat und bin daher zum Motorsport gekommen."
Motorrad-Langstreckensport hat eine lange Tradition
Der Motorrad-Langstreckensport hat Tradition. Seit der fortschreitenden Verbreitung des Verbrennungsmotors Ende des 19. Jahrhunderts gibt es einzelne Langstreckenrennen, 1960 wurde mit dem FIM Endurance Cup die erste internationale Rennserie gegründet. Trotzdem steckt der Sport noch immer in einer Nische, 2023 beschränkte sich die Deutsche Langstrecken-Meisterschaft (DLM) aufgrund zu weniger Teilnehmer auf nur einen Lauf in Oschersleben. "Es geht im Team und in der Szene sehr familiär zu. Man kennt sich, sieht oft die gleichen Menschen an den Strecken und tauscht sich auch viel miteinander aus", sagt Sven Seidler.
In diesem Jahr werden er und seine beiden Teamkollegen drei Mal in der DLM gefordert sein: Über 1000 Kilometer am Hockenheimring (30. März), beim Vier-Stunden-Rennen am Nürburgring (11. Mai) und sechs Stunden lang am Tag der Deutschen Einheit in Oschersleben. "Auf dem Nürburgring macht es natürlich am meisten Spaß, aber Hockenheim ist als unser Heimrennen immer besonders mit den vielen Zuschauern, darunter Freunde und Bekannte. Das ist seit Jahrzehnten am Ostersamstag Tradition", sagt Seidler.
2022 verpasste Sven Seidler den Endurance-Titel nur knapp
Das ViVa-Team startet in der Endurance-Wertung des Langstrecken-Cups, in der sich - anders als in kleineren Hubraum-Klassen - drei Fahrer nach einem klassischen Le-Mans-Start ein Motorrad, das im Rennverlauf betankt, gewartet und neu bereift werden muss, teilen. Individuelle Einstellungen des Gefährts sind daher nur bedingt möglich. Verschiedene Körpergrößen, unterschiedliches Gewicht, variierende Fahrstile - alles wirkt sich auf die Aprilia RSV4 des Trios aus.

"Fahrerisch sind wir alle drei auf Augenhöhe, aber mit seinem Fahrstil kann man den Motor- und Reifenverschleiß schon sehr beeinflussen", erklärt Seidler. Nicht weniger wichtig ist das Set-Up, bei dem oft der Mittelweg zum Ziel führt: "Es geht darum, die beste Balance zwischen Leistung und Langlebigkeit zu finden. Das machen wir jetzt vor der Saison, denn zwischen den Rennen ändern wir daran nichts mehr."
Spa-Veranstalter machen Seidler einen Strich durch die Rechnung
"Wir", das waren im Vorjahr Seidler, Mario Peuker und der Langstrecken-WM-erfahrene Ralph Uhlig. Peuker wird wieder dabei sein, Uhligs Entscheidung steht noch aus. 2022 verpasste die ViVa-Mannschaft den Endurance-Titel als Zweiter nur knapp. "Dieses Jahr wollen wir endlich den Titel holen, nachdem wir zuletzt einige Fehler zu viel gemacht haben", sagt Sven Seidler ebenso selbstbewusst wie selbstkritisch.
Und dann wäre da noch der Traum vom 24-Stunden-Rennen. In Stavelot hatte sich das Trio 2023 beim Sechs-Stunden-Rennen vorbereitet und gewann auf dem Circuit de Spa-Francorchamps die Endurance-Wertung. Mit dieser Erfahrung wollte das Team 2024 über die Tagesdistanz voll angreifen. "Leider haben die Veranstalter das Rennen in Spa nun nur als Acht- und nicht als 24-Stunden-Rennen ausgeschrieben. Das hat es für uns nicht mehr so interessant gemacht", sagt Seidler, der als Mechanik-Konstrukteur beschäftigt ist. Doch die Hoffnung auf einen 24-Stunden-Start haben sie noch nicht aufgegeben. "Wenn nicht in Spa, dann vielleicht auf einer anderen Strecke", sagt Seidler.
Start in der German Twin Trophy
Neben seiner Teilnahme im Deutschen Langstrecken-Cup wird Sven Seidler 2024 auch bei den fünf Veranstaltungen der German Twin Trophy starten. Bei der Sprint-Serie mit Rennen in Deutschland, Tschechien und den Niederlanden tritt er mit einer etwas leistungsschwächeren Aprilia RS 660 an. „Die Serie steckt noch in ihren Kinderschuhen, ist aber eine gute Gelegenheit, sich fahrerisch weiterzuentwickeln“, sagt Seidler.
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