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Von Flaggen-Ignorierern und Rückwärtsfahrern: Formel-1-Fahrer und ihre Fahrverbote

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Von Riccardo Patrese über Michael Schumacher bis nun hin zu Kevin Magnussen. Insgesamt neun Fahrer wurden in der Geschichte der Formel 1 bisher gesperrt. Ein Rückblick mit prominenten F1-Rowdys.

Benetton-Teamchef Flavio Briatore (links) und Michael Schumacher setzten sich 1994 in Silverstone über mehrere FIA-Regularien hinweg. Das sorgte für viel Tohuwabohu und blieb nicht unbestraft.
Benetton-Teamchef Flavio Briatore (links) und Michael Schumacher setzten sich 1994 in Silverstone über mehrere FIA-Regularien hinweg. Das sorgte für viel Tohuwabohu und blieb nicht unbestraft.  Foto: imago sportfotodienst

Am Ende war es keine Frage mehr des Ob, sondern des Wann. Eine Frage, die Kevin Magnussen vor zwei Wochen in Monza zu beantworten vermochte. Nicht ganz freiwillig, doch der Däne in Diensten des US-Rennstalls Haas wird am Wochenende beim Grand Prix von Aserbaidschan (13 Uhr/Sky) nur Zuschauer sein. Statt des 31-Jährigen nimmt der Brite Ollie Bearman (19) im Haas Platz, denn Magnussen bekam nach einer Kollision mit Pierre Gasly beim Rennen in Italien zwei Strafpunkte, die sein Punktekonto auf insgesamt zwölf anwachsen ließen - gleichbedeutend mit einer Sperre für einen Grand Prix.

Magnussen ist der erste Fahrer seit 2012, der wegen Fehlverhaltens auf der Strecke vom Motorsport-Weltverband FIA zum Zusehen gezwungen wird. Der Blick zurück verrät: Er ist in prominenter Gesellschaft.

Romain Grosjean (2012)

In der ersten Runde des Großen Preises von Belgien ist Grosjeans Verteidigungsmanöver gegen McLaren-Pilot Lewis Hamilton der Auslöser für eine Kettenreaktion, an deren Ende das Ausscheiden von gleich fünf Fahrern steht. Grosjean muss einmal aussetzen und wird eine Woche später in Italien von Jérôme D"Ambrosio ersetzt.

Yuji Ide (2006)

Die kuriose Formel-1-Karriere von Yuji Ide endet bereits nach vier Starts. Der Japaner ist 2006 nicht nur mit der englischen Sprache, sondern auch mit seinem Super Aguri überfordert. Er wird in Australien zweimal überrundet, blockiert Rubens Barrichello auf dessen Qualifying-Runde und kollidiert in Imola heftig mit Christijan Albers. Anschließend zieht sein Team die Reißleine und befördert Testfahrer Franck Montagny. Noch härter greift die FIA durch und entzieht Ide seine Superlizenz für den Rest der Saison. In der Formel 1 fährt der heute 49-Jährige nie wieder.

Jacques Villeneuve (1997)

Kurioses trägt sich auch in Jacques Villeneuves Weltmeister-Saison 1997 zu. Bei einer Trainingssession in Japan ignoriert Villeneuve - wie fünf andere Fahrer - geschwenkte Gelbe Flaggen. Während die anderen Fahrer eine Sperre für ein Rennen auf Bewährung erhalten, wird Villeneuve aufgrund vorangegangener Vergehen umgehend für das Rennen am Folgetag gesperrt. Villeneuves Williams-Team legt gegen diese Entscheidung Einspruch ein. Weil die Zeit für eine Anhörung allerdings nicht mehr ausreicht, darf der Kanadier kurzfristig doch starten und wird Fünfter. Neun Tage später lehnt die FIA den Williams-Einspruch ab und Villeneuve verliert seine zwei WM-Zähler aus Japan nachträglich am Grünen Tisch.


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Eddie Irvine (1994)

Besonders hoch her geht es in der turbulenten Saison 1994. Den Anfang macht der Nordire Eddie Irvine, der in Brasilien in seinem erst vierten Rennen eine Massenkarambolage verursacht und deswegen ein Rennen zuschauen soll. Sein Jordan-Team sieht das anders und legt Berufung gegen die Sperre ein. Die FIA lehnt daraufhin jedoch nicht nur die Berufung ab, sondern erhöht ihre Strafe sogar noch um zwei Rennen, so dass Irvine letztlich dreimal außen vor ist.

Mika Häkkinen (1994)

Der Finne in Diensten von McLaren wird aufgrund zweier von ihm verursachter Kollisionen für ein Rennen ausgeschlossen. Beim Lauf in Großbritannien kollidiert Häkkinen auf der letzten Runde mit Rubens Barrichello und fährt danach in den nächsten drei Rennen auf Bewährung. Weil er aber nur zwei Wochen später in Hockenheim mit seinem späteren Teamkollegen David Coulthard (Williams) aneinandergerät und noch weitere Fahrzeuge dadurch ausscheiden, ist Häkkinen in Ungarn nur Zuschauer.

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Michael Schumacher (1994)

Trotz zweier Disqualifikationen und zwei aufgrund von Startverboten verpassten Rennen, wird Michael Schumacher 1994 erstmals Fahrer-Weltmeister. Doch bis dahin ist es ein steiniger Weg, den seine Benetton-Mannschaft mit allen Mitteln freizuräumen versucht. Zweimal muss Schumacher aussetzen, weil er in Silverstone auf Anraten seines Teams zunächst eine Stop-&-Go-Strafe verstreichen lässt, nachdem er zuvor Damon Hill unerlaubterweise während der Formationsrunde überholt hatte. Anschließend ignoriert er auch die daraufhin folgenden Schwarze Flaggen mehrfach, die ihm seine Pflicht zur Rückkehr an die Box signalisieren.

Benetton-Teamchef Flavio Briatore verhandelt während des Rennens mit den Stewards und weist Schumacher an, als Zeichen des guten Willens seine fünfsekündige Stop-&-Go-Strafe in der Box nun doch abzusitzen. Anschließend fährt Schumacher aber trotz der zuvor gezeigten Schwarzen Flaggen wieder zurück auf die Strecke. Nach dem Rennen wird er disqualifiziert. Es folgt eine wochenlange Auseinandersetzung mit der FIA, an deren Ende Schumacher für zwei Rennen gesperrt wird. Dass er die Strafe nicht sofort beim nächsten Rennen am Hockenheimring antreten muss, freut die deutschen Fans - führt aber (hinter vorgehaltener Hand) auch zu Spekulationen über eine Absprache zwischen Benetton und den Formel-1-Organisatoren.


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Nigel Mansell (1989)

Legendär ist Nigel Mansells Sonntag 1989 beim Rennen im portugiesischen Estoril. Beim Einfahren an seine Box verpasst der Ferrari-Pilot den Haltepunkt inmitten seiner Boxencrew und rollt etwa eine Fahrzeuglänge darüber hinaus. Kurzerhand legt der Brite den Rückwärtsgang ein und parkt wie gewünscht ein. Weil das nicht erlaubt ist, sieht Mansell bei der Rückkehr auf die Strecke die Schwarze Flagge. Diese ignoriert er allerdings und kollidiert später sogar noch mit McLaren-Konkurrent Ayrton Senna, wodurch beide ausscheiden. Er wird nachträglich disqualifiziert und muss in Jerez de la Frontera zuschauen.

Riccardo Patrese (1978)

Das allererste Startverbot trifft 1978 den Italiener Riccardo Patrese. Bei seinem Heim-Grand-Prix wird der Arrows-Fahrer für einen Unfall in der ersten Runde mit zehn involvierten Fahrzeugen verantwortlich gemacht. In einem engen Dreikampf mit James Hunt und Ronnie Peterson berühren sich die Fahrzeuge Patreses und Hunts und schieben Petersons Lotus dabei in die Streckenbegrenzung. Dieser fängt dort durch einen geplatzten Tank Feuer. Peterson wird zwar geborgen, verstirbt aber später im Krankenhaus.

Die Grand Prix Drivers' Association, die damals von Jackie Stewart angeführte Vereinigung der Formel-1-Fahrer, droht anschließend mit einem Boykott, sollte Patrese vom Veranstalter des folgenden Rennens in Watkins Glen nicht ausgeschlossen werden. Patrese versucht sich zwar gerichtlich dagegen zu wehren, startet beim Großen Preis der USA Ost aber letztlich nicht.


Strafpunkte

Abhängig von der Schwere eines Vergehen während eines Rennwochenendes, belegt der Motorsport-Weltverband FIA die Fahrer beziehungsweise ihre für einen Start nötige Superlizenz seit 2014 mit Strafpunkten. Sind deren zwölf erreicht, folgt automatisch eine Sperre für den nächsten Grand Prix. Erhaltene Strafpunkte verfallen jedoch nach zwölf Monaten wieder.

Kevin Magnussen darf nach seiner abgesessenen Strafe beim übernächsten Rennen in Singapur wieder starten. Sein Punktekonto steht dann wieder bei null Punkten. Hinter Magnussen haben derzeit Sergio Pérez (Red Bull) und Aston-Martin-Pilot Fernando Alonso (je acht) sowie Lance Stroll (Aston Martin, fünf) die meisten Strafpunkte.

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