Strahlende Siegerinnen bei der Rad-DM in Auenstein

Radsport  Zwei deutsche Meistertitel wurden am Sonntagmittag in Ilsfeld-Auenstein vergeben. Bei den alljährlichen Radsporttagen wurden die Bergmeister-Titel der Frauen und Juniorinnen ausgefahren.

Von Andreas Öhlschläger
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Hannah Ludwig und eine Doping-Kontrolleurin. Es soll sauber zugehen.

Ein breites Lachen, die Goldmedaille baumelt auf der Brust, die Nationalhymne dröhnt aus den Lautsprechern. Hannah Ludwig ist gerade Deutsche Meisterin im Bergfahren geworden. Eine Woche vor diesem Triumph in Ilsfeld-Auenstein hatte sich die Rad-Juniorin aus Rheinland-Pfalz schon den DM-Titel im Straßenrennen gesichert. Es läuft prächtig bei ihr. 

Die 18-Jährige  setzte sich am Sonntagmittag nach 64 schweren Kilometern um wenige Zentimeter gegen Franziska Koch (Unna) durch. Ein packendes Sprint-Finish. Solche Ankünfte sind eigentlich nicht die ganz große Stärke von Hannah Ludwig. "Aber mein kleiner Bruder war heute Morgen sehr unmotiviert und hat gemotzt. Da musste ich was tun, dass es sich für ihn lohnt", grinst die Blondine.

Hannah Ludwig gab von Beginn an Vollgas

Sie gehört bei den Juniorinnen zur Weltspitze. Vor einem Jahr bei der WM im norwegischen Bergen wurde Hannah Ludwig Vierte im Einzelzeitfahren. Ganz knapp verpasste sie damals Bronze. Drei Sekunden fehlten.

In Auenstein gab die 18-Jährige von Beginn an Vollgas. Immer einsamer wurde es an der Spitze des U19-Rennens. Nur Franziska Koch, ebenfalls eine deutsche Nationalfahrerin, konnte bis zum Schluss mithalten. Aber Hannah Ludwig war nicht zu schlagen.

Im Rennen der Frauen, das über 82 Kilometer ging, gab es eine Solo-Ankunft. Jacqueline Dietrich vom Team Stuttgart sicherte sich in Ilsfeld-Auenstein die Deutsche Berg-Meisterschaft. Die Entscheidung fiel am letzten schweren Anstieg hinauf zur Burgruine Helfenberg. Durch die Weinberge geht es empor, eine Quälerei ist das. Aber auch die Basis für eine Titelvergabe, die nicht auf Zufall beruht. Jacqueline Dietrich zeigte viel Stärke auf der letzten Runde und konnte sich auf den letzten Metern vor der Ziellinie entspannt beklatschen lassen.

Hannah Ludwig im Trikot der Deutschen Meisterin am Berg. Sie war in Ilsfeld-Auenstein die Beste bei den Juniorinnen.

Der Frauen-Radsport hat es in Deutschland schwer

Beifall gab es auch von Hannah Ludwig, die am Streckenrand stand, eine Dopingkontrolleurin im Schlepptau. Die Nada, Deutschlands Anti-Doping-Agentur,  hatte zahlreiche Kontrolleure zur DM geschickt. "Das ist der richtige Weg", sagt Johann Jäger, der Macher der alljährlichen Auensteiner Radrennen. In der Schreinerei am Fuß des Anstiegs zur Ruine Helfenberg wurden die Dopingtests durchgeführt. "Da gibt es ein Klo und Getränke, dass auch wirklich alle Pipi können." 

Lange dauerte es, bis Hannah Ludwig ihren Dopingtest absolvieren konnte. Aber nicht wegen übermäßiger innerer Trockenheit. Erst musste das teure Rad verstaut sein, dann mussten die verschwitzten Klamotten runter, dann ging es zur Siegerehrung. Immer dabei auf den Spaziergängen durch den Auensteiner Ortskern: die Kontrolleurin der Nada. Nie ließ sie die 18-Jährige aus den Augen. 

Hannah Ludwig ist eine Klassefahrerin. Aber der Frauen-Radsport in Deutschland hat es sehr schwer. Die Preisgelder sind minimal, Rennen gibt es nur ganz wenige.  "Wir machen das mit Herzblut", sagt die 18-Jährige. "Man macht es, weil man gerne Rad fährt. Wenn es ums Geld gehen würde, müsste man etwas anderes machen." 

Ohne die Unterstützung der Eltern würde es nicht gehen

So sieht es auch Franziska Koch, die Zweitplatzierte bei den Juniorinnen. Gerade hat sie Hannah Ludwig noch erzählt, wie sie sich kürzlich über 150 Schweizer Franken Preisgeld gefreut hat, nun sagt sie: "Ohne die Unterstützung der Eltern, ohne die Vereine und Sponsoren würde es nicht gehen, man steckt mehr Geld rein als man rausholt." 

Profiteams gibt es auch bei den Frauen, doch es ist eine ganz andere Welt als bei den Männern, die sehr gut verdienen können, wenn sie es in eine Top-Equipe schaffen und bei der Tour de France oder dem Giro d'Italia an den Start gehen. 

Rund 20 Stunden pro Woche trainiert Hannah Ludwig. Eine Ausbildung als Zahntechnikerin absolviert sie zudem. Der Lohn am Sonntagmittag in Auenstein:  Gold um den Hals. Und ein warmes Gefühl im Bauch bei der Nationalhymne. Ein kleines bisschen Prämiengeld, ja, das gab es auch


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