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Und es bewegt sich doch: Transferkarussell nimmt in Neckarsulm neue Fahrt auf

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Die gewachsene Verletztenmisere zwingt die Verantwortlichen von Handball-Bundesligist Sport-Union Neckarsulm zum Umdenken bei ihren Personalplanungen. Für die Playoffs und die nächste Saison wird der Kader kurzfristig noch einmal vergrößert.

Winkt ein neuer Vertrag: Angunn Gudmestad (links) darf ungeachtet ihrer schweren Verletzung bei der Sport-Union bleiben – sofern sie es denn möchte.
Winkt ein neuer Vertrag: Angunn Gudmestad (links) darf ungeachtet ihrer schweren Verletzung bei der Sport-Union bleiben – sofern sie es denn möchte.  Foto: Mario Berger

Jammern ist nicht Thomas Zeitz’ Art. Vielmehr hat sich der Trainer der Sport-Union Neckarsulm mit der für ihn und die Mannschaft derzeit unbefriedigenden Personallage abgefunden. „Wir müssen uns jetzt einfach ein bisschen in den neuen Konstellationen einspielen“, sieht der 52-Jährige die Verletztensituation mit Blick auf die am 18./19. April beginnenden Bundesliga-Playoffs pragmatisch. Im Hintergrund laufen zeitgleich längst die (Personal-)Planungen für die Zukunft.

Kurzfristig geht es dabei um die im Sommer zum HC Rödertal wechselnde Lilli Holste sowie Rebecca Schäfer und Finia Siegle aus der Neckarsulmer Regionalliga-Zweiten. Holste könnte nach ihrem Knöchelbruch Mitte Februar im Verlaufe der Playoffs aus dem derzeitigen Rückraum-Quartett wieder ein Quintett machen. „Wir hoffen, dass Lillis Wiedereinstieg in drei Wochen ohne Komplikationen klappt“, nennt Zeitz einen ungefähren Zeithorizont für die Rückkehr der 24-Jährigen.

Rückraum-Spielerinnen aus der Regionalliga-Mannschaft sollen aushelfen

Das Rückraum-Duo aus der zweiten Mannschaft, das bereits seit Monaten mit dem Bundesliga-Team trainiert, soll in den Playoffs eine gewisse Kadertiefe garantieren. Dafür werden im Hintergrund derzeit administrative Hürden rund um Spielberechtigungen und Anti-Doping-Regularien genommen. 

Bei der 2007 geborenen Siegle, die im vergangenen Sommer aus Göppingen, wo sie für die zweite Mannschaft und in der A-Jugend-Bundesliga für die Frisch-Auf-Frauen aufgelaufen war, zur Sport-Union stieß, dürften Kaderplatz und möglicher Bundesliga-Einsatz kein Problem sein. Bei der 22-jährigen Schäfer, die mit 159 Treffern derzeit Top-Torschützin der Regionalliga Baden-Württemberg ist und 2023 bereits dreimal in der ersten Liga auf der Bank gesessen hatte und auch einmal eingesetzt worden war, könnten jedoch Regeln von Liga und Verband über den Einsatz von Ü21-Spielerinnen zum Tragen kommen. Eine mögliche Spielberechtigung befindet sich daher derzeit noch im Klärungsprozess.

Winkt eine Beförderung: Rebecca Schäfer aus der zweiten Mannschaft der Sport-Union soll in den Playoffs den Bundesliga-Kader verbreitern.
Winkt eine Beförderung: Rebecca Schäfer aus der zweiten Mannschaft der Sport-Union soll in den Playoffs den Bundesliga-Kader verbreitern.  Foto: Kunz, Christiana

Kein Kordovská-Comeback in der Saisonvorbereitung

Anders liegt der Fall bei den Neckarsulmer Langzeitpatientinnen. Spielführerin Munia Smits wird nach ihrem Kreuzband- und Meniskusriss vor den Playoffs der nächsten Saison keine Option mehr sein und Kamila Kordovská mit ihren konservativ behandelten Schulterbeschwerden wohl auch erst im September oder Oktober zurückkehren. Bei der 28-jährigen Tschechin steht dabei ebenso wie bei Alessia Riner, die nach ihrem Kreuzbandriss zu Saisonbeginn wieder ins Mannschaftstraining einsteigen soll, die Frage im Raum, wie schnell und in welchem Maße überhaupt ihr Körper wieder belastbar sein wird.

Als sich in der vergangenen Woche dann auch noch Angunn Gudmestad mit einem Wadenbeinbruch in die Liste der Dauer-Patientinnen einreihte, bestand für Thomas Zeitz Handlungsbedarf. Schließlich sollte die Norwegerin, deren am Saisonende auslaufender Vertrag eigentlich nicht verlängert worden war, nun doch bleiben, um die Smits-Lücke im Kader zu füllen. Das soll sie auch weiterhin, auch wenn sie die Saisonvorbereitung verpassen wird.

Angunn Gudmestad wird am Donnerstag am Wadenbein operiert

Der Verein werde der 24-Jährigen ein neues Vertragsangebot vorlegen, sagt Thomas Zeitz, „schließlich haben wir in einer solchen Situation der Spielerin gegenüber auch eine gewisse Sorgfaltspflicht“. Eine Entscheidung, ob sie dieses Angebot auch annehmen werde, habe Gudmestad jedoch noch nicht getroffen, sagt ihr Trainer. Die erste ihrer beiden notwendigen Operationen ist hingegen für diesen Donnerstag fest eingeplant. „Nach der OP wissen wir dann auch, ob neben dem Knochenbruch noch Weichteile in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Danach wird sich dann auch ihre Ausfallzeit richten“, sagt Thomas Zeitz.

Angesichts all dieser Unwägbarkeiten hat sich die Sport-Union außerdem dazu entschieden noch einmal personell nachzurüsten. Mit einer Rückraum-Spielerin aus dem Ausland befinde man sich bereits in guten Gesprächen, bestätigt Zeitz einen sich anbahnenden Transfer von Sommer-Neuzugang Nummer sechs. Das Neckarsulmer Transferkarussell, es bewegt sich nun also doch wieder. Dabei sollten bereits im Vorjahr mehr personelle Konstanz und weniger Fluktuation im Kader Einzug halten, bevor unverhoffte Karriereplanungen, Verletzungen und ein missglückter Vertragspoker die Sport-Union-Verantwortlichen zum Handeln zwangen.

Sport-Union Neckarsulm begrüßt im Sommer erneut sechs Neuzugänge

Erst hatte sich Vasiliki Gkatziou bei ihren Vertragsverhandlungen verzockt, dann hatten Sinah Hagen und Stefanie Kaiser unerwartet ihre Karrieren beendet und schließlich wollte auch noch Rabea Pollakowski, die nach ihrer Hochzeit unter ihrem angenommenen Familiennamen Loehnig in der nächsten Saison die zweite Mannschaft der Sport-Union verstärken wird, in der 3. Liga bei der SG Schozach-Bottwartal kürzer treten. Danach war schnell klar, dass es erneut ein munteres Kommen und Gehen geben würde. Riners Kreuzbandriss brachte schließlich mitten in der Vorbereitung auch noch Antje Döll nach Neckarsulm. Sechs Spielerinnen kamen, sechs Spielerinnen gingen.

In diesem Sommer werden nun erneut sechs Neuzugänge in Neckarsulm aufschlagen – Sina Ehmann, Barbara Györi, Annie Linder, Amber Verbraeken und Lisa Vlug –, während ein Quintett neue sportliche Wege einschlägt. Oder einschlagen muss. Geplant war das nicht, jammern wird Thomas Zeitz deswegen allerdings auch nicht.

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