„Für sie und uns ist der Worst Case eingetreten“: Munia Smits fehlt der Sport-Union Neckarsulm monatelang
Der Neckarsulmer Handball-Bundesligist wird bis auf weiteres ohne sein sportliches Aushängeschild auskommen müssen: Munia Smits hat sich im Spiel gegen die die TuS Metzingen schwer verletzt. Ein Ersatz für die Spielführerin könnte jedoch bereits gefunden sein.

Mit- und Gegenspielerinnen, Fans und neutrale Zuschauer, Bundesliga-Konkurrenten und sogar Neckarsulms Oberbürgermeister Steffen Hertwig hofften, bangten und sendeten beste Genesungswünsche. Doch alles Daumendrücken stellte sich am Dienstagvormittag endgültig als vergebens heraus: Munia Smits, Spielführerin und Aushängeschild der Sport-Union Neckarsulm, hat sich beim 38:28-Erfolg gegen die TuS Metzingen am vergangenen Samstagabend einen Riss des vorderen Kreuzbandes sowie eine Schädigung des Meniskus im linken Knie zugezogen.
Zu diesem Befund kamen am Dienstag Mannschaftsarzt Boris Brand und ein weiterer Kniespezialist nach dem Studium des Arztberichtes und der MRT-Bilder, die eine Untersuchung des betroffenen Knies tags zuvor in Neckarsulm geliefert hatten. „Damit ist für sie und uns der Worst Case eingetreten, aber es hilft niemandem, wenn wir uns jetzt gemeinsam die Augen ausheulen“, sagt Thomas Zeitz. „Stattdessen schauen wir gemeinsam nach vorne.“
Fahrplan für die nächsten Wochen dient als mentale Stütze
Der Trainer hat seine Spielführerin nach der Diagnose sehr gefasst erlebt. „Sie hat es einigermaßen okay aufgenommen, weil seit Samstag genug Zeit vergangen ist, um sich darauf vorzubereiten. Sie hatte es ja auch ein wenig gespürt und das Thema war daher schon in ihrem Kopf drin.“
Smits helfe außerdem, dass es bereits einen Fahrplan für die nächsten Wochen gebe: Nach dem Rückgang der Schwellung und des Blutergusses ist für den 23. April die notwendige Operation terminiert. Dann wird sich auch entscheiden, ob das nach bisherigen Erkenntnissen weitgehend unversehrt gebliebene Innenband tatsächlich vollständig stabil ist. „Wir werden Munia in den nächsten Monaten auf jeden Fall so gut es geht auffangen“, versichert Zeitz. Eine Rückkehr auf die Platte dürfte für die Neu-Nationalspielerin Belgiens, die mit einer ähnlichen Verletzung bereits vor fast genau drei Jahren schon einmal 336 Tage ausgefallen war, aber wohl erst zu Beginn der Bundesliga-Playoffs 2026/2027 realistisch sein.
Schließt Angunn Gudmestad die entstandene Lücke?
Was 2006 Michael Ballacks „Wade der Nation“ war, schien in den vergangenen vier Tagen in Neckarsulm das „Knie der Stadt“ zu sein: Smits’ Gesundheitszustand beschäftigte beinahe alle im und um den Verein. Selbstredend auch die sportlich und planerisch Verantwortlichen der Sport-Union. Denn Trainer und Kaderplaner Zeitz hatte noch am Samstagabend betont: „Falls Munia länger ausfällt, brauche ich jemanden.“ So verwunderte es nicht, dass sich noch am Sonntag Spielerberater und Agenturen bei dem 52-Jährigen meldeten und Ersatz anboten. Zwei bis drei Alternativen (aus dem Ausland) habe er seitdem als Plan B oder C in die engere Auswahl genommen, verrät Zeitz.
Plan A trägt jedoch den Namen Angunn Gudmestad. Bereits am Wochenende hat Zeitz bei der Norwegerin vorgefühlt, die der Verein nach der Saison eigentlich verabschieden wollte. Da die 24-Jährige bisher jedoch noch keinen neuen Arbeitgeber gefunden hat, wäre eine Weiterbeschäftigung im Unterland die naheliegendste und mit Blick auf eine nicht benötigte Eingewöhnungszeit wohl auch beste Option für den Verein. Der einen Pech könnte somit der anderen Glück werden.
Berufsgenossenschaft sorgt für finanziellen Spielraum
Als zentrale Frage bleibt jedoch, ob Gudmestad, die gerne regulär einen neuen Vertrag angeboten bekommen hätte, sich einen Abschied vom Abschied überhaupt vorstellen könnte. Sie sei über ihr ursprüngliches Aus aus sportlicher Sicht zwar enttäuscht gewesen, habe die aus wirtschaftlicher Sicht notwendige Reduzierung der Kadergröße aber verstanden, versichert Zeitz. „Und wir sind ja auch regelmäßig miteinander im Austausch. Ich habe kein schlechtes Verhältnis zu ihr, auch wenn das von außen immer mal so dargestellt wird.“ Weitere Gespräche sind bereits für diesen Dienstag anberaumt.
Finanziell sollte sich der Verein nun wieder eine zusätzliche, 16. Spielerin im Kader leisten können, weil Smits’ Gehalt über die Dauer ihrer Ausfallzeit von der Berufsgenossenschaft übernommen wird. Mit Alessia Riner (ebenfalls Kreuzbandriss) und Kamila Kordovská (Schulter) fehlen der Sport-Union zwei weitere Nationalspielerinnen im Saisonendspurt.
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