Munia Smits bleibt Gesicht und Seele der Sport-Union Neckarsulm
Die Spielführerin der Neckarsulmer Bundesliga-Handballerinnen hat erst ein wenig gezögert, ihren auslaufenden Vertrag dann aber doch um zwei Jahre verlängert. Die Gründe sind gleichfalls sportlicher wie persönlicher Natur.

„Ich bin restlos davon überzeugt: Das ist jetzt ein Vertrag auf Lebenszeit“, scherzt Rolf Härdtner am Mittwochabend, als er im Rahmen eines „Netzwerktreffens“ im Beisein von Sponsoren und Partnern die Vertragsverlängerung mit Spielführerin Munia Smits bekanntgab. „Sie ist die Seele unseres Vereins“, adelt der Vorstandsvorsitzende der Sport-Union Neckarsulm die Spielführerin der Bundesliga-Handballerinnen, die ihren am Saisonende auslaufenden Vertrag zwar nicht auf Lebenszeit, aber – ohne Option – erst einmal für zwei weitere Jahre bis 2028 verlängert hat.
„Ich bin jetzt seit vier Jahren hier in Neckarsulm, habe seitdem die Entwicklung des Vereins und der Mannschaft mitgemacht und bin dabei den gesamten – manchmal auch harten – Weg mitgegangen. Diesen Weg möchte ich einfach fortsetzen und mich für die harte Arbeit auch ein Stück weit selbst belohnen“, erklärt die 26-Jährige ihre Beweggründe für den Verbleib. „Dazu kommt: ich fühle mich hier privat und sportlich einfach sehr wohl.“
Komfortzone ist nicht immer schlecht: Smits weiß Neckarsulmer Umfeld zu schätzen
Nach Kim Hinkelmann, Alessia Riner und Antje Döll ist Smits die vierte Neckarsulmer Leistungsträgerin, die den Verein am Saisonende ablösefrei hätte verlassen können, sich aber für einen Verbleib im Unterland entschieden hat. „Ich bin jetzt einfach sehr froh, dass es hier weitergeht und ich freue mich auf die kommende Zeit“, sagt Smits.
Dass sie in den vergangenen Wochen und Monaten auch einmal über den Neckarsulmer Tellerrand hinaus geschaut hatte, daraus macht Munia Smits kein Geheimnis. „Ich bin ganz offen gewesen und habe überlegt, was ich mache: Gehe ich vielleicht mal aus meiner Komfortzone heraus?“ Doch die Herzlichkeit im Verein und die sportlichen Ambitionen hätten sie letztlich von einer Zukunft bei der Sport-Union überzeugt.
Munia Smits sieht Sport-Union 2026 besser aufgestellt als 2022
Ihre Vertragsverlängerung hängt auch mit den am Mittwochabend formulierten sportlichen Ambitionen des Vereins zusammen, der sich, sofern es die finanziellen Möglichkeiten erlauben, in der Zukunft einmal für den Europapokal qualifizieren möchte. „Das war natürlich auch mit ausschlaggebend. Aber ich bin ja vor vier Jahren gekommen, als das schon einmal als Ziel ausgerufen worden war“, erinnert die Rückraum-Spielerin an die damals formulierten Europapokal-Ambitionen unter Trainerin Tanja Logvin und Gerhard Husers als Sportlichem Leiter.
Das „Projekt Europa“ sieht sie dieses Mal auf einem festeren Fundament. Damals seien zwölf Spielerinnen verpflichtet worden, „jetzt ist die Konstanz eine ganz andere. Wir haben viel mehr Spielerinnen, die hier bleiben und dem Verein erhalten bleiben.“ Zudem sei die Stimmung in und um die Mannschaft inzwischen eine ganz andere und auch menschlich passe 2026 alles ein wenig besser zusammen als noch 2022.
„Munia ist eine zentrale Ansprechpartnerin für das Team und auch für mich als Trainer: ehrlich, reflektiert und kritisch – aber immer mit einem positiven, lösungsorientierten Blick nach vorne. Sie spiegelt unseren Weg und unsere Werte sehr klar wider und ist sowohl als Handballerin als auch als Mensch von großer Bedeutung für diese Mannschaft“, sagt Thomas Zeitz über die Rechtshänderin. „Sie hat sich in den vergangenen Jahren sportlich enorm weiterentwickelt und ist zu einer absoluten Schlüsselspielerin geworden. Genau diese Entwicklung auf dem Feld gibt ihr die nötige Stärke, ihre wichtige Rolle neben dem Spielfeld noch besser auszufüllen.“

Verlässliche Torjägerin und Aushängeschild des Vereins
Neben der weiteren persönlichen Fortentwicklung hofft Munia Smits auf eine Sogwirkung ihrer Vertragsverlängerung. „Es wäre natürlich schön, wenn das auch ein Signal an andere Spielerinnen ist, dass es hier weitergeht.“ Die sportliche Zukunft der gesamten Mannschaft, aber auch die persönliche von Spielerinnen mit auslaufenden Verträgen, seien ab und an natürlich durchaus Thema im Mannschaftkreis, sagt Smits. Sportlich kann sie sich nach ihrer mehr oder weniger überstandenen Kapselverletzung an der rechten Wurfhand nun wieder vollständig auf den Handball konzentrieren.
Die Deutsch-Belgierin ist längst zu einem der Gesichter des Vereins und einer Identifikationsfigur für den Nachwuchs geworden, seit sie im Sommer 2022 von der HSG Bad Wildungen zur Sport-Union gewechselt ist. Inzwischen kommt die Rückraum-Spielerin, die auch als Jugend-Trainerin im Club arbeitet, in 61 Bundesliga-Spielen auf 273 Tore, was sie zur fünftbesten Torschützin der Neckarsulmer Erstliga-Historie macht. „Die Vertragsverlängerung bis 2028 ist daher weit mehr als eine sportliche Entscheidung – sie ist ein klares Bekenntnis zu gemeinsamer Entwicklung, Zusammenhalt und langfristiger Perspektive“, heißt es in einer Vereinsmitteilung.
Ihre sportlich schwerste Zeit hatte Smits, die aktuell in der zweiten Saison das Amt der Spielführerin ausübt und gemeinsam mit Annefleur Bruggeman auch die Mannschaftskasse verwaltet, im Jahr 2023, als sie sich im Januar einen Meniskusschaden zugezogen hatte und in der Folge nach einer Operation fast ein Jahr lang nicht einsatzfähig gewesen war.
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