Europapokal-Ambitionen der Sport-Union Neckarsulm stehen dieses Mal auf einem erfolgversprechenderen Fundament
Das Spiel mit offenen Karten und einem realistischen Blick zeigt: Die Sport-Union scheint aus ihren Fehlern der Vergangenheit gelernt zu haben. Sportliche Ambitionen sind richtig und wichtig; dass sie aus der Mannschaft heraus kommen, ist umso besser, urteilt unser Autor.

Es hatte sich in den vergangenen Monaten abgezeichnet, dass man sich in Neckarsulm neue Ziele setzt. Spätestens die Vertragsverlängerung mit Nationalmannschaftsspielführerin Antje Döll machte klar, wohin die Reise der Sport-Union gehen soll.
Ob der Weg in den Europapokal tatsächlich eines Tages Realität wird, hängt von vielen Variablen ab: die sportlichen Ergebnisse müssen besser werden, der Zuschauer-Zuspruch muss zunehmen, um das Kerngeschäft Bundesliga wieder zu einem Brot- und Buttergeschäft werden zu lassen. Und auch die Stadt Neckarsulm wird ihr bereits bestehendes Entgegenkommen dem Verein gegenüber ausbauen müssen – auch wenn der Stadtsäckel schon einmal praller gefüllt war.
Sport-Union Neckarsulm scheint aus der Vergangenheit gelernt zu haben
Denn der Weg nach Europa ist steinig, nicht nur aus sportlicher Sicht. Die Sport-Union scheint jedoch aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt zu haben, weil die Art und Weise, wie sie den steinigen Weg nun beschreitet, die einzig richtige ist: keine Hauruck-Aktion mit europaweiten Zukäufen von Spielerinnen in nur einem Transferfenster wie im Sommer 2022 und auch keine Luftschlösser mit der Gefahr des finanziellen Harakiri wie vor der Saison 2019/2020.
Der größte und wichtigste Unterschied zu den Europapokal-Ambitionen der Vergangenheit ist allerdings ihre Quelle: Der Wunsch kommt aus der Mannschaft selbst; intrinsische Motivation ist immer vielversprechender als Druck „von oben“. Dabei ist es wichtig zu betonen: Nicht jede vergebene Chance, nicht jedes verlorene Spiel ist fortan ein Dämpfer im Kampf um Europa. Dessen sollten sich die Spielerinnen bewusst und vor allem die Fans im Klaren sein. Was zählt, ist das große Ganze – Rückschläge inklusive.
Ambitionierte Ziele sind nicht nur aus sportlicher Sicht wichtig
Aus rein sportlicher Sicht gebührt dem Verein ein Lob, denn ambitionierte Ziele sind gut und wichtig. Im Leben, aber auch für Sportlerinnen und Sportler, die für gewöhnlich lieber um etwas (einen Titel), für etwas (ein Ziel) oder gegen etwas (den Abstieg) spielen als einfach nur vor sich hin. Das steigert auch die Attraktivität des Bundesliga-Standorts Neckarsulm im Kampf mit Vereinen aus größeren Städten oder einem finanzkräftigeren Stammverein im Rücken. Daher darf man auch als Graue (Mittelfeld-)Maus der Liga nach zehn Jahren in der höchsten deutschen Spielklasse durchaus einmal etwas größer denken − ohne gleich größenwahnsinnig zu werden. Dieser Spagat scheint der Sport-Union diesmal zu gelingen.
Dementsprechend lautet die Herangehensweise: Wir machen es nur, wenn wir uns sportlich qualifizieren UND es auch wirtschaftlich stemmen können. Um Letzteres zu gewährleisten, sind die Verantwortlichen am Mittwochabend frühzeitig, fair und mit offenen Karten denjenigen gegenüber aufgetreten, auf deren Hilfe sie bei diesem Mammut-Projekt angewiesen sind: Partner und Sponsoren. Andere ambitionierte Sport-Projekte in der Region haben dies bekanntlich nicht hinbekommen und in dieser Woche den Preis dafür bezahlt.
Kommentare öffnen




Stimme.de
Kommentare