Sport-Union Neckarsulm gewinnt für ihre Spielführerin Munia Smits
Der souveräne Zehn-Tore-Sieg von Handball-Bundesligist Sport-Union Neckarsulm in seinem letzten Hauptrunden-Heimspiel gegen die TuS Metzingen wird von einer schweren Verletzung der Spielführerin überschattet.

Der souveräne Statement-Sieg, die tolle Mannschaftsleistung, der mehr oder weniger gesicherte sechste Platz in der Bundesliga-Tabelle − all das war am Samstagabend dann doch von einer Sekunde auf die andere in den Hintergrund geraten. Überlagert wurde alles von den Tränen der Munia Smits.
Der 38:28 (16:13)-Erfolg der Sport-Union Neckarsulm gegen die TuS Metzingen war acht Minuten vor Schluss plötzlich völlig egal geworden, als sich die Neckarsulmer Spielführerin bei der Landung nach einem Sprungwurf das linke Knie verdrehte und sich vor Schmerzen schreiend auf dem blauen Ballei-Boden krümmte.
Munia Smits droht ein langer Ausfall
Eine genaue Diagnose ließ sich in der Halle selbstredend noch nicht stellen, doch allen Anwesenden war umgehend klar: die 26-Jährige wird ausfallen. Und ziemlich sicher auch ziemlich lange.
Medizinische und moralische Unterstützung bekam Munia Smits von allen Seiten umgehend, was ihre Tränen des Schmerzes und der Enttäuschung aber nicht zu trocknen vermochte. Auf Krücken ging die Neu-Nationalspielerin Belgiens nach dem Spiel mit einem dick eingepackten Knie zumindest selbstständig in die Kabine, bevor es noch am Abend auf direktem Wege für eine Untersuchung in die Vulpius Klinik nach Bad Rappenau ging.
Gehemmte Freude bei den Neckarsulmer Teamkolleginnen
Ihren Teamkolleginnen war anschließend nicht wirklich zum Feiern zumute. So gelöst, wie ein Zehn-Tore-Erfolg in einem Baden-Württemberg-Duell eigentlich gefeiert werden sollte, wurde er nach der Schlusssirene dementsprechend nicht. „Das war am Ende ein Sieg für Munia“, sagte die überragend aufgelegte Lena Ivancok, die die Gäste mit einer Paradenquote von 47 Prozent zeitweise zur Verzweiflung getrieben hatte. Doch auch der Torhüterin war ihre gehemmte Freude anzumerken. Es war angesichts der Umstände einfach nicht der Abend für eine große Party,
Dabei ist der Sport-Union Neckarsulm ihr sechster Hauptrunden-Platz nun unter normalen Umständen nicht mehr zu nehmen. Vier Punkte Vorsprung auf die "TusSies" und das um 50 Treffer bessere Torverhältnis sollten ausreichen, um mit sechs Punkten in die Playoffs zu starten. Der Gegner ist zwar noch offen, doch werden die Neckarsulmerinnen mit ziemlicher Sicherheit ihr erstes Heimspiel am Samstag, 25. April, gegen den Hauptrunden-Zehnten bestreiten. An dem Wochenende zuvor würden die Entscheidungsspiele um die Abschlussplatzierung für die Sport-Union auswärts beim Tabellenschlusslicht beginnen.
Starke Teamleistung und wenige Fehler als Erfolgsrezept
Mit einer Leistung wie am Samstagabend gegen die TuS Metzingen muss sich die Sport-Union dann aber unabhängig vom Gegner definitiv nicht verstecken. Denn das 38:28 im letzten Hauptrunden-Heimspiel der Saison war das Ergebnis einer ebenso konzentrierten wie beinahe fehlerfreien Teamleistung. Wenige Technische Fehler, eine gute Trefferquote und nur vereinzelte Aussetzer im Deckungsspiel brachten die Mannschaft von Trainer Thomas Zeitz früh in Front. Ein 3:0-Start in die Partie sollte die Gastgeberinnen durch die gesamte erste Hälfte tragen.
Zwei Technische Fehler der Gäste und eine eigene Überzahlphase nutzten Alicia Soffel, Kim Hinkelmann und Meret Ossenkopp zu Beginn gleich eiskalt aus. Mit Annefleur Bruggeman als Spielgestalterin drückte Zeitz’ Team mächtig aufs Tempo und kam entweder über Soffel und Smits aus dem Rückraum oder über die mehrfach clever freigespielten Außen Ossenkopp und Antje Döll zu besten Wurfgelegenheiten – und auch zahlreichen Treffern.
Sieben von acht: Neckarsulmer Gastgeberinnen sind sofort im Spiel
Dass sich gute Neckarsulmer Chancen auch wie selbstverständlich in Zählbarem niederschlagen, war bislang bekanntlich eines der, wenn nicht das größte Problem der bisherigen Sport-Union-Saison. Gegen die TuS Metzingen sah das in der Anfangsviertelstunde jedoch ganz anders aus: Sieben der ersten acht Würfe, die die Gastgeberinnen auf das Tor von „TusSies“-Torhüterin Sará Suba abgaben, waren drin.
Erst danach schlichen sich einige halbherzige oder undurchdachte Abschlüsse ein, die Suba warmwerden ließen. Zeitz nahm Smits und Soffel zugunsten von Angunn Gudmestad und Paulina Uscinowicz von der Platte und stabilisierte seine Mannschaft damit – allerdings auf Kosten des Tempospiels. Nach Spielende lag die Trefferquote der Gastgeberinnen bei guten 67 Prozent.
Spielentscheidender 6:0-Lauf rund um die Halbzeit
Weil beide Teams gegen teilweise etwas zu passive Deckungen zu einer ganzen Reihe einfacher Tore kamen, blieb die TuS Metzingen im Spiel. Es blieb für die Mannschaft von Trainerin Miriam Hirsch höchstens bei dem aus der Anfangsphase geerbten Drei-Tore-Rückstand. Auch zur Pause, weil Iva van der Linden und Antje Döll in den 60 Sekunden vor der Halbzeit mit jeweils einem Treffer noch auf 16:13 stellten.
Hälfte zwei begann dann aus Sicht der Sport-Union noch besser als Hälfte eins: Vier Tore und Paraden Lena Ivancoks ließen den Neckarsulmer Vorsprung in den ersten fünf Minuten nach Wiederbeginn auf sieben Tore anwachsen. Ein 6:0-Lauf rund um die Halbzeit und die zu diesem Zeitpunkt 50-Prozent-Quote (!) der Österreicherin brachten mächtig Stimmung in die Ballei.
Metzinger Rückraum-Duo findet keinen Rhythmus
Während die üblicherweise treffsichere Metzinger Rückraum-Zange Gabriela Bitolo/Charlotte Cholevová bis auf eine Handvoll Einzelaktionen überhaupt nicht ins Spiel fand, hatte Munia Smits im zweiten Durchgang die Präzision in ihren Würfen wiedergefunden. Doch die erste Zehn-Tore-Führung des Abends war Lynn Holtman vorbehalten; als die Niederländerin zum 27:17 traf (45.), war die Partie längst entschieden – zu dominant, zu selbstsicher, zu abgeklärt trat die Sport-Union in ihrem ersten Spiel nach der Nationalmannschaftspause auf.

So war eigentlich alles angerichtet gewesen für einen tollen Handball-Abend: Meret Ossenkopp machte in der ersten Hälfte auf der rechten Neckarsulmer Außenbahn ein starkes Spiel, Antje Döll hatte ihre Sicherheit von der Siebenmeter-Linie wiedergefunden und Ivancok hielt beinahe noch mehr als eigentlich zu halten gewesen war. Mit acht Toren und drei Assists stand auch Munia Smits häufig im sportlichen Mittelpunkt. In Minute 53 dann zum Leidwesen aller aber auch im nicht-sportlichen.
Weitere Berichterstattung folgt.
Sport-Union Neckarsulm: Ivancok (16 Paraden); Fossum (4 Paraden) – Ossenkopp (5), Soffel (4), Hinkelmann (2), Bruggeman, Smits (8); Döll (8/3); Gudmestad (2), Holtman (2), van der Linden (1), Albers (2), Uscinowicz (4).
Erfolgreichste Werferinnen TuS Metzingen: Gabriela Bitolo (5), Svenja Hübner (4), Charlotte Cholevová (4).
Schiedsrichter: Jan Lier/Manuel Lier.
Siebenmeter: Sport-Union Neckarsulm: 3/3; TuS Metzingen: 3/7.
Zeitstrafen: 5/2.
Zuschauer: 1184.
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