„Mir wäre es lieber, wenn wir stattdessen verloren hätten“: Mitgefühl für verletzte Munia Smits überwiegt furiosen Sport-Union-Sieg
Zwei Punkte gewonnen, Tabellenplatz sechs nahezu sicher verteidigt, doch die Spielführerin verletzt verloren. Bundesligist Sport-Union Neckarsulm erlebt gegen die TuS Metzingen ein Wechselbad der Gefühle, was sich auch in den Stimmen zum Spiel widerspiegelt.

Viel beeindruckender hätte die Sport-Union Neckarsulm ihren ersten Bundesliga-Heimsieg im Jahr 2026 kaum feiern können. Das souveräne 38:28 (16:13) am Samstagabend in der Ballei gegen die TuS Metzingen war ein richtiges Handball-Fest, das jedoch spät durch die schwere Knieverletzung von Munia Smits getrübt wurde. Die Leiden der Neckarsulmer Spielführerin beschäftigten daher die Protagonistinnen wenig überraschend auch noch nach der Partie.
Lena Ivancok und Annefleur Bruggeman drückten ihr Bedauern aus, während Trainer Thomas Zeitz schlicht von einer großen „Scheiße“ sprach. Für die TuS Metzingen haderten hingegen Trainerin Miriam Hirsch und Ex-Neckarsulmerin Selina Lindemann mit der Leistung und dem Auftritt der eigenen Mannschaft.
Thomas Zeitz
...über die mutmaßlich schwere Verletzung von Munia Smits: „Wir sind alle traurig und auch ein bisschen schockiert, aber Spielerinnen wie sie, die schon einmal so eine Verletzung hatten, die lernen das und haben ein Gespür dafür. Eigentlich war es ein Abend, an dem man sich über unsere Leistung und unser Spiel hätte freuen können, aber dann zieht dir so ein Ding natürlich den Stecker. Das ist scheiße und tut echt weh.“
...über die Leistung seiner Mannschaft: „Die fand ich über weite Strecken wirklich richtig, richtig gut − auch dass die Mannschaft nach Munias Verletzung nicht eingebrochen ist, sondern sogar noch ein, zwei Tore draufgepackt hat. Das ist schon eine Qualität. Mir ist es aber auch wichtig herauszustellen, dass wir heute in einem wichtigen Spiel, in dem es um die Wurst ging, gezeigt haben, dass wir bestehen können. Wir haben das schonmal gezeigt, als es gegen den Abstieg ging. Aber in den letzten Monaten haben wir auch gesehen, dass es auch mal nicht funktioniert. Heute haben die Mädels aber von Anfang an und über das gesamte Spiel bis zum Ende das umgesetzt, was wir spielen wollten und das ist gut. So können wir weitermachen.“
...über das, was ihm besonders gefallen hat: „Ich habe ganz vieles gesehen, was vom Timing her gut war, von der Entscheidungsfindung her gut war und auch nach den Wechseln gut funktioniert hat; wir haben dann in anderen Konstellationen und mit anderen Schwerpunkten einfach weitergespielt. Nur mit Blick auf die Abwehr könnte ich etwas maulen: Wir kassieren 28 Tore und müssen schon so ehrlich mit uns selbst sein, dass Lena (Ivancok, Torhüterin der Sport-Union, Anm. d. Red.) ein paar Würfe richtig gut für uns rausgeholt hat; Metzingen hätte ohne Probleme auch 34 Buden machen können. Aber heute ist nicht der Tag, um darauf einen Schwerpunkt zu legen. Wir haben uns als Mannschaft top präsentiert, gute Dinge gemacht und verdient gewonnen.“
...auf die Frage, ob das das beste Saisonspiel seiner Mannschaft gewesen sei: „Es war über weite Strecken sicherlich eine sehr, sehr ordentliche Angriffsleistung, die wir in der Konstanz dieses Jahr so noch nicht hatten. Wir haben diese Konstanz schon in der Vergangenheit phasenweise gezeigt, aber diese Phasen waren kleiner und wir haben dann immer wieder auch Phasen mit vielen Fehlwürfen oder Technischen Fehlern reingepackt. Wir machen inzwischen aber kaum noch Technische Fehler, weil sich die Mannschaft immer besser zusammengefunden hat.“
...über die neue Ruhe im Spiel während eigener Ballbesitzphasen: „Alle Vereine haben von der HBF (Handball Bundesliga Frauen, Anm. d. Red.) so ein schönes neues Statistik-Tool bekommen, aus dem hervorgeht, dass wir, was die letzten sechs, mit heute dann sieben, Spiele angeht, diejenige Mannschaft sind, die am zweitwenigsten Technische Fehler macht. In der gesamten Liga. Darüber bin ich sehr happy.“
...über die Gründe für seinen Optimismus und seine Zuversicht vor der Partie: „Das lag daran, dass es schon im Training so ausgesehen hatte, wie die Mädels es heute gezeigt haben: Der Ball ist gelaufen, wir hatten wenige Fehler und wir haben in unseren Abläufen Chancen herausgespielt. Ich sehe in den verschiedenen Konstellationen, dass die Leute zusammenwachsen und inzwischen wissen, welche Mitspielerin bei welchen Spielzügen wo auftaucht. Es ist mehr Ballfluss im Kombinationsspiel da, weil sie sich endlich kennenlernen. Das heißt zwar nicht, dass das jetzt immer so läuft − weil es natürlich auch noch Gegner gibt und auch schlechte Phasen geben kann −, aber ich sehe wirklich ganz klar, dass das Zusammenspiel und das Entscheidungsverhalten besser und besser werden.“
...auf die Frage, ob er das Zusammenwachsen seiner Mannschaft im Zeitplan sieht: „Ich hätte es mir natürlich gerne ein oder zwei Monate früher gewünscht, also zum Jahreswechsel im Januar. Aber manchmal ist das so und ich bin glücklich, dass ich es jetzt sehe. Auch weil ich mit acht Rückraum-Spielerinnen ja zwei mehr habe und auch wegen Verletzungen immer wieder rotieren kann und muss. Wenn du nur sechs Rückraum-Spielerinnen hast, drei auf jeder Seite, dann geht das Zusammenwachsen im Training natürlich schneller. Jetzt ist nur die Frage, wie wir das konservieren können oder die schlechten Phasen ausgleichen können. Aber ein Grundstock ist jetzt da.“
Lena Ivancok
...über die Partie und den souveränen Sieg: „Wir hatten uns gut vorbereitet und es hat alles geklappt, was wir spielen wollten. Dazu kam dann noch die Kulisse hier, bei der man nur gut spielen und alles geben kann; das macht Bock auf die Playoffs. Aber ich hoffe einfach, dass Munia nichts schlimmeres passiert ist. Das war heute ein Sieg für Munia.“
Annefleur Bruggeman
...über die gedämpfte Freude angesichts der Verletzung von Munia Smits: „Mir wäre es lieber, wenn Munia gesund geblieben wäre und wir stattdessen hier heute verloren hätten. Mir tut es so leid für sie und auch im Herzen richtig weh. Aber man kann es jetzt erst einmal nicht mehr ändern und die Art und Weise wie wir gewonnen haben, war schon überragend schön.“
...über das Erfolgsrezept für den Zehn-Tore-Sieg: „Es war eines unserer besten Spiele in der Saison, weil wir auch viel füreinander gespielt haben und nicht nur im Angriff oder nur in der Abwehr gut waren. Wir haben viele Tore über die Erste oder Zweite Welle gemacht, was unsere Chancenverwertung ebenso besser gemacht hat wie die Tatsache, dass wir im normalen Angriffsspiel die Würfe aus neun Metern auch ein bisschen besser vorbereitet haben als sonst. Und in der Abwehr hat das, was wir uns vorgenommen hatten − zum Beispiel anders als im Hinspiel die Kreisanspiele und Schlagwürfe von Metzingen zu unterbinden −, gut geklappt. Da hatten wir unter der Woche im Training viel für trainiert.“
...über die Wichtigkeit der 3:0- und 4:0-Läufe zu Beginn der beiden Spielhälften: „Bei uns entwickelt sich so ein Spiel ja immer irgendwie anders, wenn wir gut reinkommen. Das ist sicher auch eine mentale Sache, aber heute haben uns die frühen Tore viel Sicherheit gegeben.“
...über das durch die gute Leistung nahezu sichere Erreichen des sechsten Tabellenplatzes: „Das tut uns einfach richtig gut. Man kann sich nur darüber freuen, dass heute vieles gut geklappt hat. Und die Chancenverwertung, die ja zuletzt ein Riesen-Thema war, war heute auch viel, viel besser.“
Miriam Hirsch
...über ihre lange Kabinenansprache nach dem verlorenen Spiel: „Es ist eine Mischung aus Wachrütteln und der Aufgabe, den Fokus wieder nach vorne zu richten. Das haben wir gerade gemeinsam in der Kabine versucht. Eine Spielerin hat auch gesagt: ‚24 Stunden ärgern und ab Montag ist dann eine neue Trainingswoche.‘ Wir haben nächstes Wochenende ein Derby zu Hause gegen Frisch Auf Göppingen, was für uns mindestens genauso wichtig ist. Da müssen wir einfach mehr Feuer zeigen.“
Selina Lindemann
...über die Gründe für die deutliche Niederlage: „Wir sind schon in den ersten zehn Minuten nicht gut ins Spiel hineingekommen, haben uns dann aber super ins Spiel zurück gekämpft, eine bessere Abwehr gestellt und sind schneller nach vorne gekommen. Auch unsere Torchancen haben wir genutzt. Aber dann in der zweiten Hälfte haben wir einfach gar nicht mehr zu unserer Leistung gefunden − vorne, hinten, überall hat es gehakt und dann hat die Sport-Union das einfach ausgenutzt, so dass die Enttäuschung bei uns jetzt schon sehr groß ist.“
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