Neckarsulm zittert mit Munia Smits
Das Aushängeschild von Handball-Bundesligist Sport-Union Neckarsulm droht mit einer Knieverletzung lange auszufallen. Erste Untersuchungen sind unauffällig, doch das schlechte Gefühl der Spielführerin bleibt und überschattet den Gala-Auftritt gegen die TuS Metzingen.

Eine Untersuchung in der Bad Rappenauer Vulpius Klinik brachte am späten Samstagabend noch keine endgültige Gewissheit: Doch auch unauffällige Röntgenbilder konnten Munia Smits ihr schlechtes Gefühl nicht nehmen. „Spielerinnen, die schon einmal so eine Verletzung hatten, lernen das und haben ein Gespür dafür“, wusste Trainer Thomas Zeitz Smits’ bittere Schmerzensschreie zu deuten, die die Ballei am Samstag hatten verstummen lassen.
Wer in der 53. Spielminute um die Rückraum-Spielerin herumstand, wandte sich ab, blickte versteinert ins Leere oder hielt sich die Hände gefaltet vor das eigene Gesicht. Es bedurfte keiner Diagnose oder eines Austausches mit Smits, um zu erkennen: die 26-Jährige wird ausfallen. Und ziemlich sicher auch ziemlich lange. Eine MRT-Untersuchung an diesem Montagnachmittag soll Klarheit bringen.
Viel Trost und Zuneigung linden Smits’ Schmerzen nur bedingt
Die Verletzung der Sport-Union-Spielführerin überschattete das sportlich tolle 38:28 (16:13) des Handball-Bundesligisten gegen die TuS Metzingen, durch das den Neckarsulmerinnen der sechste Platz in der Hauptrunden-Tabelle kaum noch zu nehmen ist. Doch das alles war egal. Niemand interessierte sich für Tore, Punkte oder die im April startenden Playoffs. Alle Sorgen und Gedanken waren bei Munia Smits. „Das war ein Sieg für Munia“, betonte Neckarsulms herausragend haltende Torhüterin Lena Ivancok.
Viel erinnerte an den vermaledeiten Januar-Tag 2023, an dem sich Smits im Auswärtsspiel bei der SG BBM Bietigheim das Kreuzband im rechten Knie gerissen hatte und in der Folge aufgrund zusätzlicher komplizierter Meniskusprobleme im linken Knie fast das gesamte Kalenderjahr ausgefallen war.
Damals wie am Samstagabend war ihre ältere Schwester Xenia eine der ersten, die Trost spendeten. Auch ihre Mitspielerinnen Lena Ivancok, Leidensgenossin Alessia Riner und Kim Hinkelmann drückten der Deutsch-Belgierin ein Küsschen auf Wange oder Schläfe, doch Smits’ Tränen des Schmerzes und der Enttäuschung vermochten auch diese Gesten der Zuneigung nicht zu trocknen.

Verletzung ist für Spielerin und Verein ein herber Rückschlag
Nach dem rechten Knie vor drei Jahren ist nun wohl das linke Knie für eine lange Pause verantwortlich. Weder ihrer verteidigenden Gegenspielerin Naina Klein, die Smits bei deren Sprungwurf in Mitspielerin Santina Sabatnig geschubst hatte, noch der Neckarsulmerin selbst war ein Vorwurf zu machen. Smits war bei der unkontrollierten Landung schlicht unglücklich aufgekommen, so dass sich ihr Knie weggedreht hatte.
Eine handballtypische Sportverletzung nach einem Zweikampf, wie sie jedes Wochenende zigfach vorkommt, doch für Munia Smits, die in der zurückliegenden Länderspielpause noch voller Stolz ihre ersten beiden Einsätze für die Nationalmannschaft Belgiens absolviert hatte, und ihren Verein ist sie ein herber Rückschlag.
Sport-Union muss in den Playoffs auf drei ihrer Säulen verzichten
„Mir wäre es lieber, wenn Munia gesund geblieben wäre und wir stattdessen hier verloren hätten“, sagte Teamkollegin Annefleur Bruggeman. „Mir tut es so leid für sie und auch im Herzen richtig weh.“ Die Niederländerin spielt mit Smits seit 2022 gemeinsam im Unterland, was beide zu den dienstältesten Spielerinnen der Sport-Union macht. Leise hegte sie nach der Partie noch Hoffnungen, dass Smits vielleicht doch glimpflich davongekommen sein könnte.
„Das tut echt weh. Eigentlich war es ein Abend, an dem man sich über unsere Leistung und unser Spiel hätte freuen können, aber dann zieht dir so ein Ding den Stecker“, sagte ein ebenfalls geknickter Thomas Zeitz. Wie es beim Bundesligisten nun (personell) weitergeht, ist vorerst völlig offen. Klar ist, dass der Sport-Union in den Playoffs in Alessia Riner, Kamila Kordovská und Smits drei Säulen in jedem Fall nicht zur Verfügung stehen werden.
In abgeschlossene Kaderplanung dürfte neue Bewegung kommen
Darüber hinaus dürfte die bereits abgeschlossene Kaderplanung für die nächste Spielzeit angesichts von Smits’ drohendem Langzeit-Ausfall eine neue Dynamik erhalten. Doch Ende März noch eine wechselwillige Spielerin ihrer Qualität zu bekommen, die ins System passt und deren Verpflichtung für den Verein finanziell zu stemmen ist, gleicht der Quadratur des Kreises.
Den Vorstandsmitgliedern Rolf Härdtner und Bernd Dollmann, Geschäftsführer Hannes Diller und Thomas Zeitz als Trainer und Sportlicher Leiter stehen daher arbeitsreiche Tage ins Haus. Und doch würde Munia Smits derzeit wohl mit jedem von ihnen nur allzu gerne tauschen.
Vorverkauf für erstes Playoff-Spiel beginnt in Kürze
Rechnerisch sicher ist der Sport-Union Neckarsulm der sechste Tabellenplatz noch nicht. Verlieren würde sie ihn noch, falls sie am nächsten Sonntag (16 Uhr) beim BSV Sachsen Zwickau in ihrem letzten Hauptrunden-Spiel nicht punktet, die TuS Metzingen ihre beiden noch ausstehenden Partien gegen Frisch Auf Göppingen und den VfL Oldenburg gewinnt und dabei zugleich noch eine um 50 Treffer schlechtere Tordifferenz gegenüber der Sport-Union aufholt.
Bei einem Neckarsulmer Sieg in Zwickau und drei Niederlagen (oder einem Remis und zwei hohen Niederlagen) des VfL Oldenburg wäre theoretisch auch noch ein Sprung auf Rang fünf möglich. Allen drei Platzierungen ist jedoch gemein, dass sie am 25. April in den Playoffs definitiv erstmals Heimrecht genießen werden. Daher wird die Sport-Union dafür spätestens zu Wochenbeginn mit dem Kartenvorverkauf beginnen – obwohl der Gegner noch offen ist.
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