Neuzugang mit Restrisiko: Sport-Union Neckarsulm holt Amber Verbraeken zurück
Amber Verbraeken hatte die Sport-Union vor zwei Jahren mit tollen Zahlen verlassen, hat jedoch verletzungsbedingt seit einem Jahr kein Spiel mehr bestritten. Thomas Zeitz sieht jedoch nur ein geringes Risiko.

Verlassen haben die Sport-Union Neckarsulm in den vergangenen Jahren viele, zurückgekehrt sind aber nur zwei: Nele Reimer hatte zwischen 2017 und 2020 sowie noch einmal in der Saison 2021/2022 für die Sport-Union gespielt, Amber Verbraeken wird im Sommer die zweite Spielerin auf dieser kurzen Liste werden, die das Neckarsulmer Bundesliga-Trikot nach einem festen Abgang erneut überstreifen wird.
Denn die Niederländerin kehrt nach ihrem ersten Engagement beim Handball-Bundesligisten von 2022 bis 2024 zur nächsten Spielzeit ins Unterland zurück und hat, von der HSG Blomberg-Lippe kommend, einen Vertrag bis 2028 unterschrieben. „Wir bekommen in ihr einen Neuzugang, der eigentlich gar kein Neuzugang ist: Sie kennt den Trainer, die Mannschaft, das Umfeld und den Verein – und ist daher sofort da“, sagt Thomas Zeitz. „Sie ist auf Rechtsaußen auch ein etwas anderer Spielertyp“, betont Zeitz mit Blick auf Verbraekens Qualitäten im Abschluss und bei Siebenmetern.
Amber Verbraeken will an ihre starke Spielzeit 2023/2024 anknüpfen
Der Trainer war wie viele seiner Spielerinnen mit der 23-Jährigen auch nach ihrem Wechsel ins Lipperland stets in Kontakt geblieben. Die ehemalige U-Nationalspielerin der Niederlande war zudem mehrfach bei Neckarsulmer Heimspielen zu Besuch in der Ballei und hat mit einer Sport-Union-Delegation auch Partien der vergangenen Weltmeisterschaft besucht.
„Ich komme mit dem Anspruch zurück, dort weiterzumachen, wo ich aufgehört habe: mit ganz viel Freude im Team zu arbeiten, mich jeden Tag weiterzuentwickeln und in den Spielen meinen Beitrag zu leisten. Ich freue mich riesig darauf, wieder in der Ballei spielen zu dürfen – mit alten Bekannten, aber natürlich auch mit den neuen Mädels“, sagt Amber Verbraeken.
Weil die Linkshänderin ihren bisher 48 Spielen und 167 Toren für die Sport-Union weitere hinzufügen möchte und Meret Ossenkopp ihren im vergangenen Frühjahr unterzeichneten 1+1-Vertrag bei der Sport-Union erfüllen wird, ist klar, dass sich die Wege von Verein und Iva van der Linden am Saisonende trennen werden. Das bestätigte die Sport-Union am Montag.

Iva van der Linden von Aus in Neckarsulm überrascht
„Leider war die Abschlussquote beziehungsweise die Effektivität in den zwei Jahren nicht so, wie wir es uns erhofft haben. Daher haben wir beschlossen, jemand anderem das Vertrauen für die neue Saison zu geben“, erklärt Thomas Zeitz die Trennung. „Iva wird in Neckarsulm aber immer willkommen sein, weil sie ihren Job in den beiden Jahren immer mit vollem Einsatz gemacht hat.“
Van der Linden selbst hatte nicht mit ihrem Aus gerechnet. „Nachdem ich immer positives Feedback erhalten habe, kam es für mich völlig überraschend, dass der Verein beschlossen hat, nicht mit mir weiterzumachen. Ich bin von der Entscheidung enttäuscht“, sagt die Niederländerin, deren sportliche Zukunft noch offen ist, ehrlich.
Thomas Zeitz sieht nur geringes Risiko bei Verbraeken-Verpflichtung
Bei der Verpflichtung Amber Verbraekens schwingt für die Sport-Union allerdings ein gewisses Risiko mit, schließlich hat der Neuzugang seit Februar 2025 kein Spiel mehr bestritten. Nach einem Kreuzband- sowie Meniskusriss und einer Operation in Rotterdam arbeitet Verbraeken noch an ihrem Comeback. „Ich habe mittlerweile aber wieder volles Vertrauen in mein Knie und meinen Körper“, berichtet die Rückkehrerin von einer positiv verlaufenden Reha. „Natürlich ist ein gewisses Risiko dabei“, räumt Thomas Zeitz ein. „Aber sie ist in Blomberg inzwischen wieder im Training und hat den ‚Return to Sport‘-Test mit sehr guten Werten bestanden. Ich bin überzeugt, dass wir bei ihr wieder das herstellen können, was wir schon einmal geschafft hatten, bevor sie uns verlassen hat.“
Mit Alessia Riner hat der Trainer auf der linken Außenbahn ebenfalls eine Spielerin im Kader, bei der sich derzeit noch nicht abschätzen lässt, ob sie nach ihrem Kreuzbandriss im rechten Knie wieder zu alter Form zurückfindet. Auch das birgt Gefahren. Zeitz weiß das, verweist aber auf die Liste derjenigen Spielerinnen im Team, die nach teils schweren Knieverletzungen inzwischen wieder beschwerdefrei spielen. Und diese Liste ist tatsächlich lang.
Lange Krankenakten bei Neckarsulmer Knie-Patientinnen
Neben Riner und Verbraeken ist auch Sina Ehmann, der zweite vermeldete Sommertransfer, eine Knie-Patientin. Aktuell pausiert die 25-Jährige nach einer Verklemmung samt Teilriss des Meniskus’ und einer daraus resultierenden Operation; 2024 hatte sie ebenfalls schon einmal einen operativen Eingriff am rechten Knie.
Iva van der Linden hatte mit einem Kreuzband- und Meniskusriss von November 2018 bis November 2019 pausiert und sich im Oktober 2020 erneut am rechten Knie operieren lassen müssen. Antje Döll verpasste aufgrund eines Innenbandrisses im rechten Knie und einer viermonatigen Pause gar die Europameisterschaft 2022, und Munia Smits’ Leidenszeit dauerte nach einem Riss des Kreuzbandes und komplizierten Meniskusproblemen im linken Knie 2023 beinahe ein ganzes Kalenderjahr.
Bei Alicia Soffel war ein Innenbandriss im rechten Knie im Januar des vergangenen Jahres sogar noch das kleinere Übel gewesen, nachdem sie von Januar 2021 bis Dezember 2022 mit einem Totalschaden im linken Knie ausgefallen war: Zu einem Riss des vorderen und einer Schädigung des hinteren Kreuzbandes kam seinerzeit auch noch ein Außenbandriss.
Keine Perspektive mehr für Verbraeken in Blomberg
Neckarsulm wird für Verbraeken zu einer Art Neuanfang, nachdem sie bei der auf Rechtsaußen inzwischen mit Judith Tietjen und Neu-Nationalspielerin Farrelle Njinkeu gut aufgestellten HSG Blomberg-Lippe kaum noch eine Perspektive hat. „Für sie war die Zeit in Blomberg sicherlich keine einfache“, weiß Thomas Zeitz, ist aber zugleich überzeugt, dass sein altbekannter Neuzugang zu alter Stärke zurückfinden wird.
Davon ist Amber Verbraeken auch selbst überzeugt: „Neckarsulm war damals mein erster Schritt ins Ausland. Dort habe ich nicht nur die Liga kennengelernt, sondern auch mich selbst persönlich weiterentwickelt. Unter Thomas Zeitz habe ich dieses starke Familiengefühl im Verein gespürt und mit genau diesem Gefühl habe ich mich damals auch verabschiedet. Nach einem Jahr, in dem ich durch meinen Kreuzbandriss einen sehr individuellen Weg gegangen bin, fühlt es sich jetzt einfach richtig an, in dieses vertraute und warme Umfeld zurückzukehren.“
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