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Sport-Union Neckarsulm: Rückblick auf historischen Bundesliga-Aufstieg 2016

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Vor zehn Jahren steigen die Handballerinnen der Sport-Union Neckarsulm um Trainer Emir Hadzimuhamedovic in die Bundesliga auf. Zehn Protagonistinnen und Wegbegleiter erinnern sich in zehn Kapiteln ausführlich, wie sie die Aufstiegssaison erlebt haben.

Am Ziel der Träume: Spielführerin Hannah Breitinger feiert mit der Schale und ihren Mitspielerinnen die Zweitliga-Meisterschaft der Sport-Union Neckarsulm und den mit ihr verbundenen Aufstieg in die Bundesliga.
Am Ziel der Träume: Spielführerin Hannah Breitinger feiert mit der Schale und ihren Mitspielerinnen die Zweitliga-Meisterschaft der Sport-Union Neckarsulm und den mit ihr verbundenen Aufstieg in die Bundesliga.  Foto: Mario Berger

Vergessen hat den Abend des 9. April 2016 wohl niemand der 1260 Zuschauer, die in der Ballei dabei gewesen sind. Jenen 25. Spieltag in der 2. Handball-Bundesliga der Frauen, an dem die Sport-Union Neckarsulm vor zehn Jahren durch einen 38:20-Erfolg gegen die Vulkan-Ladies Koblenz/Weibern den Sprung in die Bundesliga vorzeitig perfekt macht.

Historischer Moment: Sport-Union Neckarsulm feiert 20216 unvergesslichen Bundesliga-Aufstieg

„Mensch, zehn Jahre ist das jetzt schon her...“, sagt Rolf Härdtner fast ein wenig ungläubig, als der Neckarsulmer Vereinschef auf das Jubiläum angesprochen wird.


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Zehn Jahre sind im Sport mitunter eine Ewigkeit. Und doch ist die Aufstiegssaison 2015/2016 bei vielen der Beteiligten noch sehr präsent. Zu prägend, zu richtungsweisend, zu erfolgreich waren die 30 Saisonspiele, an deren Ende die Sport-Union dank 25 Siegen Meister wird, als dass Trainer, Spielerinnen, Betreuer, Offizielle und Fans sie vergessen könnten.

„Wir sind in dieser Aufstiegssaison oft über uns hinausgewachsen. Dadurch ist eine Power entstanden und wir waren irgendwann nicht mehr zu bremsen“, sagt Aufstiegstrainer Emir Hadzimuhamedovic. „Wir wussten, dass wir eine starke Zweitliga-Mannschaft haben; ich hatte schon vor der Saison das Gefühl, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um anzugreifen.“


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Sport-Union Neckarsulm startet mit elf Siegen in die Saison

Angegriffen wird in jenen Jahren bei der Sport-Union in vielen Bereichen. „Der gesamte Verein befand sich damals im Wachstum: Handball, Fußball, Tischtennis, Schwimmen, Rugby – überall herrschte eine richtige Aufbruchstimmung, eine Gemeinschaft und es gab ein sehr enges Miteinander zwischen den einzelnen Sparten“, erinnert sich Boris Brand, der die Sport-Union-Frauen damals in seiner ersten Saison als Mannschaftsarzt begleitet.


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Für die Handballerinnen beginnt alles Mitte September mit einem 35:21-Erfolg gegen Erstliga-Absteiger DJK/MJC Trier. Es folgen zehn weitere Siege in Serie, bevor der HC Rödertal am zwölften Spieltag der Sport-Union als erster Konkurrent einen Punkt abnimmt.

Längst reitet die Mannschaft von Trainer Hadzimuhamedovic da auf einer Erfolgswelle. Nach einem siebten und einem vierten Platz in den vorangegangenen Zweitliga-Spielzeiten scheint der Sprung nach ganz oben nun tatsächlich gelingen zu können.

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Thomas Zeitz bekommt Neckarsulmer Angriffswucht zu spüren

„Nach vier oder fünf Spielen wuchs so langsam die Hoffnung, dass wir den Aufstieg in dieser Saison schaffen können. Einfach, weil wir bis dahin jeden Gegner dominiert hatten“, blickt Winfried Vogt zurück, der damals wie heute zum harten Kern der Neckarsulmer Anhängerschaft zählt.



Als die Sport-Union am 19. Spieltag beim 23:26 gegen die HSG Bensheim/Auerbach ihre erste von zwei Saisonniederlagen hinnehmen muss, beträgt der Vorsprung auf den ersten Nichtaufstiegsplatz bereits elf Punkte.

Zwei Spieltage später bekommt die vom heutigen Sport-Union-Trainer Thomas Zeitz betreute FSG Mainz 05/Budenheim bei einer 25:37-Niederlage die volle Neckarsulmer Angriffswucht zu spüren, die die Mannschaft in jenen Jahren auszeichnet.



„Irgendwann in so einer Saison kommt der Punkt, an dem sich eine Mannschaft nicht mehr über einzelne Siege freut, sondern direkt nach einem Spiel nach vorne auf das nächste schaut. Dieser Punkt war relativ schnell da und von da an wusste ich, dass wir es schaffen können“, sagt Emir Hadzimuhamedovic in der Rückschau.


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„Einheimische Stars“ begeistern den Verein und die Region

Seine Spielführerin Hannah Breitinger erinnert sich an schweißtreibende Trainingseinheiten ebenso wie an eine Menge Spaß. „Dieses gemeinsame Aufstiegsziel hat uns extrem zusammengeschweißt: Wir mussten gar nicht für irgendjemand anderen gewinnen, sondern wollten unbedingt für uns selbst gewinnen.“



Die von Hadzimuhamedovic geformte Mannschaft ist eine Mischung aus Bundesliga-erfahrenen Routiniers, sorgsam entwickelten Talenten und hungrigen Nachwuchsspielerinnen, die zum großen Teil aus der näheren Umgebung stammen.

„Das war eine tolle, homogene Truppe, die eine hohe Identifikation mit dem Verein hatte“, sagt die damalige Team-Managerin Jutta Perger. „Im Prinzip waren das alles einheimische Stars“, wie Hadzimuhamedovic zehn Jahre später sagt.

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Handball-Euphorie im Unterland zieht fast 1000 Fans pro Spiel in die Ballei

Der Verein erkennt das darin steckende Potenzial. Der Slogan „Mit dem Herz in der Hand“, der damals innerhalb der Mannschaft entsteht, wird ebenso vermarktet wie das Konzept des Neckarsulmer Leuchtturms, der als handballerischer Orientierungspunkt in der und für die Region alles andere überstrahlt. Der beinahe surreale Zweitliga-Zuschauerschnitt von 977 Fans pro Heimspiel wird zum Beweis dessen.



„Wir waren auf einmal in, Handball in Neckarsulm war plötzlich angesagt“, erzählt Emir Hadzimuhamedovic und hat dabei noch immer ein Strahlen im Gesicht – es hat nur ein kleines bisschen von jener Breite verloren, die es an jenem 9. April vor zehn Jahren in der Ballei hatte.



Spielführerin Hanna Breitinger ist bis heute stolz – auf den Aufstieg und ihre Erben

„Ich habe damals gar nicht realisiert, was wir da eigentlich geschafft haben“, sagt Luisa Walter heute, die vor zehn Jahren noch mit der Nummer 6 und ihrem Geburtsnamen Gerber auf dem Rücken die rechte Neckarsulmer Außenbahn belebt. Hannah Breitinger, ihre Teamkollegin auf Linksaußen, ist stolz, „dass es Bundesliga-Handball in Neckarsulm noch gibt und die Sport-Union dort auch konstant geblieben ist. Das zeigt, dass sich das viele Herzblut ausgezahlt hat.“



Das Erfolgsgeheimnis der Aufstiegssaison und für zehn Jahre ununterbrochene Erstliga-Zugehörigkeit kennt Rolf Härdtner: „Wir sind hier in Neckarsulm anders als alle anderen – auch wenn das der ein oder andere vielleicht als unprofessionell bezeichnen mag.“

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