Zehn Jahre Bundesliga-Aufstieg der Sport-Union Neckarsulm − Kapitel 4: With A Little Help From My Friends
Als der Sport-Union Neckarsulm vor dem Aufstiegsjahr der Hauptsponsor wegbricht, fehlen 40.000 Euro. Vereinschef Rolf Härdtner sucht nach einer Lösung und findet sie ausgerechnet beim handballerisch „vorbelasteten“ Kreissparkassen-Chef Ralf Peter Beitner.

Wie das so ist mit dem lieben Geld, will jeder gerne etwas davon haben, aber niemand so recht darüber sprechen. Rolf Härdtner bleibt im Frühjahr 2015 jedoch nichts anderes übrig. Denn seinem Verein fehlen 40.000 Euro. Die braucht es aber, um in der bevorstehenden Saison 2015/2016, dem dann dritten Zweitliga-Jahr der Sport-Union Neckarsulm, um den inzwischen anvisierten Bundesliga-Aufstieg mitspielen zu können.
Also macht der Vorstandsvorsitzende des Vereins öffentlich, welcher Betrag in den Vereinskassen fehlen wird, nachdem Haupt- und Trikotsponsor Fujitsu TDS seinen Ausstieg aus dem Sponsoring zum Saisonende angekündigt hat. „Wir suchen händeringend nach einer Lösung“, unterstreicht Härdtner damals. Hilfe wird ihm schließlich von der Kreissparkasse Heilbronn (KSK) zuteil, die ihr damals bereits bestehendes Engagement bei der Sport-Union deutlich ausweitet und die entstandene Etatlücke schließt. Treibende Kraft dahinter ist Ralf Peter Beitner.
HC Leipzig lässt Beitner Chancen des Frauen-Handballs erkennen
Denn groß zu denken, ambitionierte Ideen zu verfolgen und mit einer „Schaffer-Mentalität“ anzupacken statt zu hadern, das eint Beitner, bis heute Vorstandsvorsitzender der KSK, und Härdtner. „Mir gefällt das. Deswegen habe ich ihn damals in seinen Ambitionen für den Verein bestärkt“, sagt Ralf Peter Beitner. Dass die Sport-Union bei ihrer Suche nach einem neuen Großsponsor beim heute 61-Jährigen auf offene Türen und Ohren trifft, ist kein Zufall.
„Denn bevor ich Ende 2009 nach Heilbronn gekommen bin, habe ich bei der Sparkasse Leipzig gearbeitet und in dieser Zeit erlebt, wie Damen-Handball eine Stadt fasziniert. Das war damals dort ein ganz großes Thema“, erinnert sich Beitner. Der HC Leipzig ist in jenen Jahren das Nonplusultra im deutschen Frauen-Handball, feiert zwischen 1998 und 2010 sechs Deutsche Meisterschaften und vier DHB-Pokal-Siege. Das neue Vorstandsmitglied der KSK erkennt daher die Chancen sofort und sagt das fehlende Geld kurzerhand zu.

Maike Daniels arbeitet in der Unternehmenskommunikation
„Als Vorstandschef konnte ich das ja selbst entscheiden“, erzählt Ralf Peter Beitner und schmunzelt. „Vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen aus Leipzig, fand ich das Projekt in Neckarsulm außerdem interessant − auch weil es in der Region nicht viel hochklassigen Sport gab.“ Dass er bei der Sport-Union mit Rolf Härdtner einen Macher an der Spitze weiß, der eine ähnliche Arbeitsauffassung besitzt wie er selbst, bringt Verein und Sponsor schnell (näher) zusammen.
Die seit 2013 bestehende Partnerschaft verliert ihren Einbahnstraßen-Charakter dann 2015 nicht nur aufgrund der Finanzspritze, sondern auch aufgrund des Wechsels von Spielmacherin Maike Daniels zur Sport-Union. Die heutige Trainerin des HC Rödertal spielt zwischen 2002 und 2005 noch für den HC Leipzig in der Bundesliga und damit in einer anderen Handball-Welt als sie zehn Jahre später in Neckarsulm Realität ist. Vom Profitum ist die Sport-Union noch ein ganzes Stück entfernt und vermittelt Daniels daher einen Nebenjob − als Pressereferentin in der Unternehmenskommunikation der Kreissparkasse.
„Das ist damals aus dem guten Miteinander mit Rolf Härdtner entstanden“, berichtet Ralf Peter Beitner und erinnert sich an „eine gute Zusammenarbeit“ mit der Spielgestalterin, die aufgrund ihres Studiums der Germanistik, Journalistik und Religionswissenschaft alle nötigen Qualifikationen für die Aufgabe mitbringt.
Sport-Union wächst zum „Top-Sport-Sponsoring“ der Kreissparkasse
Nach dem Aufstieg in die erste Liga 2016 erhöht die KSK ihr Sponsoring-Engagement erneut. Inzwischen tragen die Sitzplätze auf der Südseite der Ballei bei Sport-Union-Heimspielen den Namen „Sparkassen-Tribüne“ und Saison für Saison werden einzelne Spiele als „Mitarbeiter-Spieltage“ vermarktet. „Wir haben hier im Mitarbeiterkreis und auch in der Führungsriege einige Sport-Union-Fans“, verrät Ralf Peter Beitner, der bis zur B-Jugend selbst handballerisch aktiv ist.
Heute sei das Engagement in Neckarsulm „unser Top-Sport-Sponsoring“, wie der Vorstandsvorsitzende sagt und umfasse „deutlich mehr“ als die 40.000 Euro, mit denen das Kreditinstitut einst das finanzielle Fundament für den Erstliga-Aufstieg schafft. Dass die Partnerschaft über einen so langen Zeitraum bis heute bestehe, sei für die Kreissparkasse eher ungewöhnlich, betont Ralf Peter Beitner. „Und wir tun zwar mehr für den Breiten- als für den Spitzensport, doch unterstützen gerne auch solche Teams, die in ihrer Sportart so gut sind, wie wir im Banking.“
„Ein Team, ein Ziel“: Co-Trainer bastelt am Marketing-Coup
„Bei uns gibt es immer noch einige Sponsoren, die seit den Anfangsjahren dabei sind“, sagt Rolf Härdtner. Die Ursprünge dieser langen Verbundenheit gehen auf das Vermarktungs- und Sponsorenkonzept „Ein Team, ein Ziel“ zurück, dass schon in der zweiten und dritten Liga immer wieder bis zu 1000 Zuschauer in die Ballei lockt. Im „Club 500“ können sich Firmen damals mit Kleinspenden von 500 Euro im Jahr als Teil des Aufstiegsprojektes fühlen, Internet- und Social-Media-Auftritt werden umgestaltet, leihweise wird eine bis dahin noch nicht vorhandene LED-Anzeigetafel in der Ballei installiert. Werbespots bei Radio Ton und Plakat-Aktionen sorgen für Aufmerksamkeit.
Rund um das Aufstiegsjahr ist jedoch nicht nur das Zuschauer-, sondern auch das Sponsoreninteresse groß. Von dem Marketing-Coup, an dessen Planung und Umsetzung Co-Trainer Edin Hadzimuhamedovic entscheidend mitwirkt, zehrt der Verein noch jahrelang, was Rolf Härdtner bis heute zu schätzen weiß. „Dabei hatten wir damals gar keinen richtigen Etat, so wie heute. Ein Sponsoring war immer für den Gesamtverein. Die Kreissparkasse war dann die erste Ausnahme davon.“
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