Zehn Jahre Bundesliga-Aufstieg der Sport-Union Neckarsulm − Kapitel 10: Das machen die Spielerinnen heute
Lehrerin, Mutter, Beamtin: Zehn Jahre nach dem Aufstieg in die Bundesliga sind alle Spielerinnen längst im Leben abseits des Sports angekommen. Einige der Protagonistinnen sind dem Handball jedoch verbunden geblieben und zwei von ihnen sogar inzwischen miteinander verwandt.

Als Emir Hadzimuhamedovic Anfang Juli 2015 die Arbeit mit seiner Mannschaft zur Vorbereitung auf die neue Saison aufnimmt, hat sein 15-köpfiger Kader einen Altersdurchschnitt von 24,5 Jahren. Seine Mannschaft besteht vorwiegend aus Studentinnen und Berufstätigen, für die der Handball, anders als heute, ein besseres Hobby ist.
Für viele Spielerinnen des Aufstiegskaders ist die Zeit in Neckarsulm der Höhepunkt oder Abschluss ihrer sportlichen Laufbahn, so dass zehn Jahre später nur noch Selina Lindemann, das damals 17 Jahre alte Küken der Mannschaft, als aktive Handballerin am Ball ist. Die meisten anderen Spielerinnen haben andere Wege eingeschlagen, einige wenige sind allerdings ab und an auch noch in der Ballei anzutreffen.
Selina Kalmbach: Rekord- und Nationalspielerin
Selina Kalmbach, die seit ihrer Hochzeit im Sommer 2025 Selina Lindemann heißt, bleibt der Sport-Union noch bis 2022 treu. Als sie den Verein nach insgesamt acht Jahren zu Frisch Auf Göppingen verlässt, ist die gebürtige Heilbronnerin mit 134 Einsätzen (bis heute) Bundesliga-Rekordspielerin der Neckarsulmer. Mit 205 erzielten Toren zählt sie zudem zu einer der Top-Torschützinnen des Vereins. Mit den Frisch-Auf-Frauen steigt Lindemann 2024 in die Bundesliga auf und wechselt anschließend zur TuS Metzingen, für die sie bis heute in der Bundesliga spielt. Im April 2021 debütiert die Linksaußen sogar für die A-Nationalmannschaft und bestreitet in der Folge insgesamt drei Länderspiele (3 Tore).
Neben ihrer Handball-Karriere studiert Lindemann an der DHBW Heilbronn, übernimmt später eine 20-Stunden-Stelle auf der Geschäftsstelle der Sport-Union Neckarsulm in der Finanzbuchhaltung und arbeitet inzwischen als Controllerin bei einer Unternehmensberatungsfirma in Neckarsulm.
Lena Hoffmann: Karriereende nach Knorpelschaden
Lena Hoffmann macht bereits im ersten Bundesliga-Jahr als eine der Top-Torschützinnen der Sport-Union dort weiter, wo sie mit 133 Treffern im Aufstiegsjahr aufgehört hat. Schon 2017 nominiert der damalige Bundestrainer Michael Biegler sie auf Abruf erstmals für einen Nationalmannschaftslehrgang.
Bis zu Beginn der Saison 2018/2019 zählt Hoffmann konstant zu den treffsichersten Spielerinnen der Sport-Union, bis sie ein Knorpelschaden im Knie zu einem vorzeitigen Ende ihrer Handball-Karriere zwingt. Im Dezember 2018 lösen Verein und Spielerin den Vertrag einvernehmlich auf. Offiziell verabschiedet wird Hoffmann auf eigenen Wunsch nie. Die inzwischen 35-Jährige arbeitet bei einer Verwaltungsbehörde in Heilbronn.
Louisa Wolf: Co-Trainerin bei der TuS Metzingen
Louisa Wolf (31) geht nach ihrer Zeit in Neckarsulm einen ähnlichen Weg wie Selina Kalmbach. Ab Januar 2021 läuft die Spielmacherin vier Jahre lang für Frisch Auf Göppingen auf und beendet mit dem Bundesliga-Aufstieg ihre Karriere. Anschließend folgt für die Stuttgarterin noch ein Teilzeit-Intermezzo bei Drittligist HCD Gröbenzell, bevor sie zur Saison 2025/2026 die Rolle als Co-Trainerin von Miriam Hirsch bei der TuS Metzingen übernimmt − und dort in veränderter Rolle erneut mit Kalmbach zusammenarbeitet. Seit dem Ende ihres Lehramtsstudiums in Tübingen unterrichtet Wolf an einem Gymnasium in Göppingen die Fächer Deutsch und Sport.
Hannah Breitinger: Sport steht noch in der Schule im Mittelpunkt
Hannah Breitinger beendet im Sommer 2018 mit 30 Jahren im Trikot der Sport-Union ihre Karriere. Von der Oberliga bis in die Bundesliga ist die Spielführerin auf Linksaußen sieben Jahre lang der verlängerte Arm von Emir Hadzimuhamedovic auf dem Spielfeld, nachdem sie mit dem Trainer bereits zuvor bei Frisch Auf Göppingen (2008-2010) zusammengearbeitet hat. „Ich bin glücklich, so eine erfolgreiche Karriere erlebt zu haben und ein tragender Teil dieses Projekts in Neckarsulm gewesen sein. An meine Handballzeit und vor allem die Zeit in Neckarsulm werde ich mich sicherlich immer sehr gerne zurückerinnern“, sagt Breitinger bei ihrem Abschied.
Als Gymnasiallehrerin (Spanisch, Sport und Geschichte) arbeitet sie inzwischen in Bretten; bis vor wenigen Wochen war die 38-Jährige zum zweiten Mal in Elternzeit. Sie ist außerdem die Schwägerin von Luisa Walter.
Luisa Gerber: Kreuzbandriss verhindert Abschied auf der Platte
Luisa Gerber war schon länger nicht mehr in der Ballei. Das Privatleben mit drei Kindern bestimmt den Alltag der inzwischen 38-Jährigen aus Ludwigsburg, die seit ihrer Hochzeit Luisa Walter heißt und in Asperg lebt. Auch die Bankbetriebswirtin hängt im Sommer 2018 ihre Handballschuhe an den Nagel, wenn auch anders als geplant.
Denn nach der Ankündigung ihres Karriereendes reißt sich die während ihrer Handball-Karriere stets in Vollzeit arbeitende Rechtsaußen im März 2018 im Spiel gegen den TV Nellingen das vordere Kreuzband im rechten Knie. Somit endet ihre Zeit in Neckarsulm nach sechs Jahren verletzungsbedingt vorzeitig. Zwei Einladungen zu Regionallehrgängen der Nationalmannschaft sind in dieser Zeit sportliche Höhepunkte.
Kathrin Fischer: Handball und Beruf nur noch schwer miteinander vereinbar
Kathrin Fischer, die zuverlässige Kreisläuferin der Aufstiegsjahre, beendet im Sommer 2017 ihre Handball-Karriere. Auch für die stets mannschaftsdienliche, damals 28-Jährige wird es nach sechs Jahren im Unterland zunehmend schwer, Handball und Beruf miteinander zu vereinbaren. Inzwischen ist Fischer verheiratet, trägt den Familiennahmen Weihing und genießt die handballfreien Wochenenden mit Ehemann und ihren zwei Kindern. Den Handball hat sie inzwischen beiseite gelegt, „aber durch die Kinder sind wir jetzt wieder öfter in der Sporthalle“, wie sie selbst sagt.
Svenja Kaufmann: Von der E-Jugend in die Bundesliga
Svenja Kaufmann und die Sport-Union Neckarsulm, das ist bis zum Sommer 2019 untrennbar miteinander verbunden. Seit der E-Jugend läuft die Spielmacherin für den Verein auf und ist im Aufstiegsjahr gemeinsam mit der ebenfalls 2010 zum Team gestoßenen Isabel Tissekker die dienstälteste Spielerin im Kader. Große Teile der Hinrunde der ersten Bundesliga-Saison verbringt das Eigengewächs berufsbedingt in China und verfolgt das Tun ihrer Teamkolleginnen nur aus der Ferne.
Nach ihrer Rückkehr geht sie den Neckarsulmer Weg noch drei Jahre mit, bevor ein dreijähriges Erfolgskapitel bei der SG Schozach-Bottwartal folgt. Mit dem Drittligisten steigt sie 2022 (nach 2013 mit der Sport-Union) zum zweiten Mal in die 2. Bundesliga auf und ist dabei umsichtige Strippenzieherin im Rückraum. Kaufmann ist bei einem Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels in Neckarsulm angestellt und seit Ende 2025 Mutter einer Tochter. „Außerdem ist sie das Orga-Talent schlechthin“, verrät Hannah Breitinger mit einem Lachen, wer stets die unregelmäßigen Wiedersehen der ehemaligen Teamkolleginnen anstößt.
Isabel Tissekker: Erfolgreicher Karriereabschluss in der Schweiz
Isabel Tissekker verabschiedet sich im Februar 2018 Hals über Kopf aus Neckarsulm. Die Hintergründe rund um den Abschied der damals 24-Jährigen, die seinerzeit um eine vorzeitige Vertragsauflösung bittet, bleiben offiziell im Dunkeln. Sinkende Einsatzzeiten spielen eine Rolle, eine offizielle Verabschiedung lehnt Tissekker ab. Jahre später kittet Vereinschef das angeknackste Verhältnis zwischen Spielerin und Verein bei seinem Abendessen höchstselbst.
Die Rückraum-Schützin, die seit der D-Jugend für die Sport-Union aufläuft, ist in all den Jahren ein Gesicht des Vereins, Verkörperung der Jugendarbeit und lange eine verlässliche Torjägerin. Der deutsche Meistertitel in der B-Jugend trägt 2011 auch ihre Handschrift. Die einstige U-Nationalspielerin zieht es nach ihrem Aus in Neckarsulm als Stammspielerin zu Ligakonkurrent TV Nellingen, bevor sie ihren Job im Einkauf eines Lebensmitteleinzelhändlers in Neckarsulm aufgibt und mit 25 Jahren für zwei (erfolgreiche) Spielzeiten zum HSC Kreuzlingen in die Schweiz wechselt. Inzwischen ist sie verheiratet und lebt mit zwei Kindern wieder in ihrer Heimatstadt Gundelsheim.
Maike Daniels: Trainer-Grundlagen im Unterland erarbeitet
Maike Daniels’ sportlicher Werdegang hat sich bereits nach ihrer Zeit als Spielerin (2015-2018) bei der Sport-Union abgezeichnet. Die Rückraum-Spielerin, die 2015 im Unterland als Europapokal-erfahrene, zweimalige deutsche Meisterin aufschlägt, wird direkt im Anschluss an ihre Aktiven-Karriere Co-Trainerin von Trainerin Pascal Morgant und trainiert parallel auch die zweite Mannschaft des Vereins sowie im Nachwuchsbereich. Nach Morgants vorzeitigem Aus im Januar 2020 bringt Daniels als Interimstrainerin die Bundesliga-Saison mit drei Siegen aus sieben Spielen zu Ende, bevor sie als Co-Trainerin von Tanja Logvin für eine Saison wieder ins zweite Glied rückt.
Seit der Spielzeit 2021/2022 trainiert die ehemalige Studentin der Germanistik, Journalistik und Religionswissenschaft, die während ihrer Aktiven-Zeit im Unterland auch in der Unternehmenskommunikation der Kreissparkasse Heilbronn arbeitet, Zweitligist HC Rödertal. Als Co-Trainerin ist sie seit Dezember 2021 zudem Assistenztrainerin von Bundestrainer Gino Smits in der weiblichen U17/18-Auswahl des Deutschen Handballbundes.
Seline Ineichen: Regionalliga-Aufstieg vier Jahre nach dem Karriereende
Seline Ineichen feiert ihren größten Erfolg im Neckarsulmer Trikot gleich in ihrer ersten Saison im Unterland: Nach einem Jahr bei Frisch Auf Göppingen hat die 2015 verpflichtete Kreisläuferin mit 47 Treffern einen nicht unwesentlichen Anteil am Bundesliga-Aufstieg der Sport-Union und hilft über insgesamt fünf Jahre dabei mit, den Verein in der ersten Liga zu etablieren. Im Frühjahr 2020 beendet die 49-malige Schweizer Nationalspielerin nach der aufgrund der Covid19-Pandemie vorzeitig abgebrochenen Saison mit 29 Jahren ihre Karriere. Zu diesem Zeitpunkt ist die aus einer Handball-Familie stammende Ruswilerin längst Stammspielerin und gemeinsam mit Louisa Wolf Spielführerin der Sport-Union.
Im Frühjahr 2024 wagt Ineichen mit 33 Jahren dann noch einmal ein Kurz-Comeback in der Württembergliga und ist dadurch Teil der Meistermannschaft der Sport-Union Neckarsulm II. Bereits während ihrer Handball-Karriere arbeitet die Schweizerin in Teilzeit in der EDV- und Organisationsabteilung bei einer Großhandelsfirma in Neckarsulm. Mit zwei Kindern lebt sie noch immer in Neckarsulm.
Melanie Herrmann: Abschied nach folgenschwerer Gehirnerschütterung
Melanie Herrmanns Geschichte ist die wohl bitterste aller Neckarsulmer Aufstiegsheldinnen. Die Torhüterin ist nach dem Aufstieg in den ersten Bundesliga-Jahren der Sport-Union ein verlässlicher Rückhalt und eine der Leistungsträgerinnen der Mannschaft, bis die Deutsch-Österreicherin im November 2017 im Training zweimal unglücklich von einem Ball am Kopf getroffen wird. Eine schwere Gehirnerschütterung ist die Folge, von der sich die damals 28-jährige Herrmann, die seinerzeit nebenher beim Landratsamt in Heilbronn arbeitet, trotz jahrelanger Reha und der Arbeit mit Spezialisten nie wieder richtig erholt. Im Sommer 2019 trennen sich Spielerin und Verein, danach verliert sich ihre Spur.
Vor Herrmanns Zeit bei der Sport-Union (2015-2019) kreuzen sich die Wege der gebürtigen Ansbacherin und der Stadt Neckarsulm bereits einmal: Als 19-jährige bestreitet Herrmann ihr einziges Länderspiel für die deutsche Nationalmannschaft, damals noch in Diensten des Frankfurter HC, im März 2009 vor 1000 Zuschauern in der Ballei gegen Rumänien (37:24). 2012 nimmt sie dank ihrer aus dem Nachbarland stammenden Mutter die österreichische Staatsbürgerschaft an und läuft für die A-Auswahl der Alpenrepublik auf − unter anderem gemeinsam mit der späteren Neckarsulmer Kreisläuferin Stefanie Kaiser.
Celia Schneider: Polizeibeamtin mit Herz für den Nachwuchs
Celia Schneider kann die gesamte Aufstiegssaison 2015/2016 nur als Zuschauerin verfolgen. Ein Kreuzbandriss und ein im Frühjahr 2016 diagnostizierter Meniskusriss zwingen die Schweizerin ab dem Saisonvorbereitung 2015 zu mehreren Operationen und einer langen Pause. 13 Monate nach ihrer ersten Kreuzband-OP muss sie nach einem weiteren Kreuzbandriss im selben Knie erneut unters Messer legen. Im Juni 2017 geht ihre Zeit beim Bundesligisten schließlich zu Ende − vorerst. Denn dem Unterland bleibt Schneider nach dem Ende ihrer Handballkarriere treu. Die Torhüterin läuft etwa 2018/2019 und erneut in der Saison 2022/2023 nach Babypausen für die HSG Kochertürn/Stein in der Landesliga auf, bevor sie von Trainer Stefan Krebs 2023 als erfahrene Unterschiedspielerin für die zweite Mannschaft der Sport-Union reaktiviert wird und mit 38 Jahren in die Regionalliga aufsteigt.
2013 wechselt die 20-malige Auswahlspielerin der Schweizer Nati vom TV Nellingen nach Neckarsulm, nachdem sie zuvor von 2004 bis 2010 bereits für Frisch Auf Göppingen in Bundesliga und Europapokal aufläuft. Die Polizeibeamtin, die 2010 mit Deutschland (und an der Seite von Kurzzeit-Neckarsulmerin Verena Breidert) unter anderem die Europäische Polizeimeisterschaft gewinnt und dabei ins All-Star-Team des Turniers gewählt wird, ist auch heute noch regelmäßig in den Sporthallen der Region anzutreffen: als Nachwuchstrainerin der weiblichen F- und E-Jugend des TSV Weinsberg.
Alena Vojtíšková: Schwangerschaft beendet Karriere der Top-Torschützin
Alena Vojtíšková ist für die 2. Bundesliga eigentlich überqualifiziert, als sie 2014 von Frisch Auf Göppingen zur Sport-Union wechselt. Die Europapokal-erfahrene A-Nationalspielerin Tschechiens ist in der Aufstiegssaison mit 31 Jahren nicht nur die älteste Akteurin der Mannschaft, sondern mit 172 Toren − alle davon aus dem Feld − auch ihre Top-Torschützin. Mit ihren Treffern ist sie eine Garantin für den sportlichen Erfolg in der zweiten Liga und nach dem Aufstieg auch für den Klassenerhalt im Bundesliga-Debüt-Jahr. Im Oktober 2017, zu Beginn der zweiten Neckarsulmer Erstliga-Spielzeit, beendet sie aufgrund einer Schwangerschaft ihre Handball-Karriere.
Drei Jahre lang ist Vojtíšková, die seit ihrer Hochzeit 2018 Alena Unger heißt und anfangs noch in Teilzeit bei einer Werbeagentur arbeitet, stets von ihrem Wohnort Gruibingen südlich von Göppingen nach Neckarsulm gependelt. Dort lebt die 42-Jährige bis heute und trainiert zeitweise die „Minis“ des TSV Gruibingen.
Katharina Beddies: Neckarsulmer Missverständnis hinterlässt Spuren in Metzingen
Katharina Beddies ist so etwas wie die fast vergessene 15. Spielerin der Neckarsulmer Aufstiegsmannschaft. Eine Art „Gentlemen’s Agreement“ zwischen Emir Hadzimuhamedovic und „TusSies“-Macher Ferenc Rott führt die Linksaußen im Oktober 2015 per Zweitspielrecht von der TuS Metzingen zur Sport-Union, bei der die damals 21-Jährige allerdings nur vom sechsten bis zum achten Spieltag im Kader steht.
Das Konzept der Arbeitsteilung, die vorsieht, dass Beddies unter der Woche in Metzingen trainiert und in Neckarsulm nur am Wochenende Spielpraxis sammeln soll, geht allerdings nicht auf. Beddies bestreitet nach dem achten Spieltag kein weiteres Spiel mehr für die Sport-Union und kehrt nach Metzingen zurück. 2019 beendet sie als dienstälteste Metzinger Bundesliga-Spielerin ihre Handball-Karriere und arbeitet inzwischen als Mit-Inhaberin einer Chiropraktik-Praxis in Tübingen.
Katrin Rüttinger: Aufstieg nach Karriere-Kehrtwende während der Vorbereitung
Katrin Rüttinger gelingt in der Aufstiegssaison als einziger Neckarsulmer Torhüterin ein Treffer − beim 35:12 am 22. Spieltag gegen eine chancenlose SG Kirchhof. Aufgrund der Kreuzbandverletzung von Celia Schneider und Melanie Herrmanns zwischenzeitlichem Schambeinsehnenriss spielt die damals 25 Jährige viel, wird ausgerechnet in der Vorbereitung auf das erste Bundesliga-Jahr aber selbst zur Kreuzbandpatientin.
Dabei ist ihr gewichtiger Anteil am Aufstieg vor der Saison, Ende Juli 2015, noch gar nicht abzusehen. Nach einer Saison bei der Sport-Union steht die damalige Referendarin nämlich eigentlich bereits bei Oberligist HSG St. Leon/Reilingen im Wort. Erst Schneiders Kreuzbandriss und die Neckarsulmer Not zwischen den Pfosten führen zu einem umdenken und einer zweiten Saison im Unterland.
Nach der Spielzeit 2016/2017 läuft Rüttinger noch drei Jahre für die Kurpfalz Bären Ketsch auf, von denen sie 2014 zur Sport-Union gewechselt ist. 19 weitere Zweitliga-Spiele kommen für ihren Heimatverein schließlich noch einmal in der Spielzeit 2023/2024 hinzu, als sie mit 33 Jahren bei der damals personell gebeutelten TSG aushilft. Als Realschullehrerin arbeitet Katrin Rüttinger in Walldorf.
Trainer- und Betreuerteam: Handball spielt nur noch in Teilen eine Rolle
Emir Hadzimuhamedovic ist das einzige Mitglied aus dem Trainer- und Betreuerteam der Aufstiegssaison, das nicht mehr unmittelbar mit der Region verbunden ist. Der Familienvater lebt noch immer in Unterhausen, arbeitet als Bezirksleiter einer Bausparkasse in Stuttgart und hält zu einigen seiner ehemaligen Spielerinnen weiterhin losen Kontakt. Auch zu Rolf Härdtner, der den 56-Jährigen vor der Saison 2017/2018 in eine hauptamtliche Doppelrolle als Cheftrainer und Sportlicher Leiter befördert, besteht weiterhin ein freundschaftliches Verhältnis. In der Ballei zu Gast war Emir Hadzimuhamedovic allerdings zuletzt in der Endphase der zweiten Amtszeit von Tanja Logvin.
„Inzwischen kann ich es mir gar nicht mehr vorstellen als Trainer zu arbeiten. Ich bin auch einfach zu lange raus aus dem Geschäft, vermisse es aber auch nicht, jedes Wochenende in einer Halle zu verbringen. Alles hat seine Zeit und ich genieße stattdessen lieber das Leben“, sagt Hadzimuhamedovic, der in seiner Freizeit inzwischen das Ski- und Fahrradfahren für sich entdeckt hat.
Sein Bruder und damaliger Co-Trainer Edin Hadzimuhamedovic ist dem Handball der Region hingegen weiterhin verbunden, trainiert derzeit (noch) die Regionalliga-Männer des TSV Weinsberg und wird beim TSV im Sommer den Posten als Kaderplaner sowie den Trainerjob bei den jetzigen B-Junioren um seinen Sohn Denis übernehmen. Sein älterer Sohn Alen Hadzimuhamedovic ist Handball-Profi bei der SG BBM Bietigheim und Nationalspieler für Bosnien. Der Vertriebsdirektor einer Bausparkasse lebt in Weinsberg.
Um Sven Fischer, im Aufstiegsjahr zweiter Co-Trainer mit den Schwerpunkten Kraft- und Fitnesstraining, trauert die Neckarsulmer Handball-Familie im September 2024. Mit 53 Jahren verstirbt der Familienvater nach schwerer Krankheit und hinterlässt eine Frau und eine Tochter. In den ersten Bundesliga-Jahren übernimmt Fischer auch das Training der Torhüterinnen, doch sein größter Erfolg bleibt der Deutschen Meistertitel, zu dem er die B-Juniorinnen der Sport-Union 2011 gemeinsam mit Trainerkollege Jürgen Kaufmann führt.
Bevor später Fischer die Rolle als Torhüterinnen-Training übernimmt, liegt sie in der Aufstiegssaison in den Händen von Susanne Anker. Die damals 42-Jährige spielt von 2010 bis 2013 selbst in der ersten Mannschaft der Neckarsulmer und rückt danach in den Trainerstab auf. In fünf Partien der Spielzeit 2015/2016 sitzt sie aufgrund eines Personalengpasses selbst noch einmal als Ersatztorhüterin mit auf der Bank, kommt jedoch nicht zum Einsatz. Später arbeitet die Torhüterin als Gesellschafterin und Sach-Spezialistin bei einer Versicherung in Stuttgart. Sie lebt in Untereisesheim.
In beinahe unveränderter Rolle ist zehn Jahre später Jutta Perger noch mit an Bord. Statt „Team-Managerin“ trägt sie inzwischen zwar den Titel „Team-Betreuerin“, ist aber noch immer nah an der Mannschaft und für viele Spielerinnen die erste Ansprechpartnerin bei organisatorischen Fragen oder privaten Problemen. Auch für deren Sorgen und Nöte hat Perger stets ein offenes Ohr. In Teilzeit arbeitet die 62-Jährige als Privatkundenberaterin bei einem Kreditinstitut in Untereisesheim.
Ebenso noch mit an Bord ist Dr. Boris Brand als Mannschaftsarzt. Der Inhaber einer Praxis für Orthopädie und Sportmedizin in Neckarsulm hat mit inzwischen 62 Jahren viel Erfahrung mit Sportverletzungen und ein großes Expertennetzwerk, auf das der Verein auch für einige seiner Mannschaften anderer Sportarten vertraut.
Als Physiotherapeutin ist Eva Odenwald sechs Jahre lang ein fester Bestandteil des Betreuerteams rund um die Neckarsulmer Handballerinnen. Als gelernte Sport- und Physiotherapeutin arbeitet die Mutter eines Kindes inzwischen in einer Praxis für Physiotherapie und Osteopathie in Bad Friedrichshall.
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