Wie ein Porsche-Modell einst zur Rettung des Audi-Werks Neckarsulm beigetragen hat
Audi und Porsche wollen in Zukunft enger zusammenarbeiten. Was viele nicht wissen: Vor 50 Jahren gab es schon eine enge Zusammenarbeit zwischen der Sportwagenmarke und dem Audi-Werk Neckarsulm.
Bei Porsche zeigte die Richtung jahrelang nur nach oben: immer mehr Gewinn und zweistellige Renditen. Nun ist die VW-Tochter zum Sorgenkind des Konzerns geworden. Unlängst hat der neue Porsche-Chef Michael Leiters die Finanzzahlen für das vergangene Jahr präsentiert. Unter dem Strich haben die Stuttgarter angesichts der schwachen Absatzzahlen, der Aufwendungen für US-Zölle und dschwachen Geschäft in China kaum noch Gewinn gemacht. Nun will die VW-Tochter mit einem zweiten Sparprogramm und neuen Verbrennermodellen die Kehrtwende schaffen.
Porsche und Audi wollen in Zukunft enger zusammenrücken
Bei der Bilanzvorlage hat die Heilbronner Stimme bei Porsche-Chef Leiters auch zur Partnerschaft mit der Schwestermarke Audi nachgehakt. „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis mit den Kolleginnen und Kollegen von Audi. Wir werden die Zusammenarbeit mit Audi in Zukunft weiter intensivieren“, sagte Leiters. Audi nutzt aktuell die Plattform J1 des Porsche Taycan für den E-Tron GT aus den Böllinger Höfen in Heilbronn. Zudem haben die beiden Marken gemeinsam die PPE (Premium Platform Electric) für vollelektrische Modelle wie den Porsche Macan oder Audi Q6 E-Tron entwickelt. Zudem liefert Porsche die Plattform für den noch namenlosen Elektro-Sportwagen, den Audi ab 2027 in den Böllinger Höfen in Heilbronn bauen wird. Die Kunst sei es, so Leiters, weitere Synergien zu heben.“

Albrecht Reimold: Einst bei Audi, heute Porsche-Vorstand für Produktion
Doch schon lange davor gab es zwischen den beiden Marken des VW-Konzerns immer wieder Anknüpfungspunkte. An einer Person lässt sich das besonders gut festmachen: Albrecht Reimold. Der gebürtige Öhringer ist bei Porsche Produktionsvorstand, davor war er unter anderem Werkleiter des Audi-Standorts Neckarsulm. Die erste Managementaufgabe des heute 64-jährigen Reimold war es einst, den Neckarsulmer Porsche-Karosseriebau zu führen. Zur Erinnerung: Zwischen 1975 und 1991 bauten bis zu 2200 Audi-Mitarbeiter in Neckarsulm exakt 313.122 Porsche-Sportwagen der Baureihen 924 und 944.
Der Porsche 924 war 1975 Teil der Rettung des Audi-Werks Neckarsulm
Der Porsche 924 war im Jahr 1975 Teil des Rettungspakets für den Standort Neckarsulm. Nach monatelangen Verhandlungen konnte das Audi-Werk vor der Schließung bewahrt werden. Am 18. April 1975 solidariserte sich die gesamte Region beim legendären Marsch auf Heilbronn. Erst an diesem Tag wurde bekannt, dass VW den Porsche 924 als Auftragsproduktion ach Neckarsulm gibt. Innerhalb weniger Monate wurde damals die Produktionsstraße aufgebaut.
Schon die Entwicklung des 924er war eine Co-Produktion zwischen VW und Porsche gewesen. Zunächst hätte das von Porsche konzipierte Auto unter der Marke VW verkauft werden sollen, angesichts der wirtschaftlichen Lage überlegten sich die Wolfsburger die Sache noch einmal. Der Kompromiss war, das Auto als Porsche in der Neckarsulmer NSU-Fabrik zu fertigen. Das Jahr 1975 ist aber nicht der erste Berührungspunkt zwischen Porsche und Neckarsulm: Ferdinand Porsche ließ einen der ersten Prototypen des Käfer im Jahr 1933 von der damaligen NSU AG entwickeln – unter der Bezeichnung Porsche Typ 32.
Audi und Porsche: Das nächste gemeinsame Projekt steht an
Nun bahnt sich das nächste gemeinsame Fahrzeugprojekt der Marken Audi und Porsche an. Ein Geheimnis war es schon lange nicht mehr, aber seit der Jahrespressekonferenz ist es endlich offiziell: Audi bringt nochmal einen Nachfolger für sein Topmodell A8 mit Verbrennungsmotoren. Zum Hintergrund: technische Basis für den nächsten Audi A8 bildet der Modulare Standardantriebs-Baukasten, kurz MSB, des VW-Konzerns. Diese Plattform nutzt unter anderem Porsche für den Panamera, der wie der Audi A8 in der Oberklasse angesiedelt ist. Daher werden die beiden Hersteller unter dem Dach des VW-Konzerns sicher viele Komponenten austauschen.
Aber es könnte sogar über die Entwicklung hinaus noch mehr kommen. Porsche fertigt den Panamera am Standort Leipzig. Daher gibt es nach Informationen der Heilbronner Stimme im VW-Konzern derzeit drei mögliche Szenarien, über die im Zuge der künftigen Werkbelegung verhandelt wird: Beide Modelle laufen in Leipzig oder in Neckarsulm vom Band. Dritte Option ist, dass der Panamera in Leipzig bleibt, der A8 in Neckarsulm. „Damit wäre finanziell aber nichts gewonnen“, sagt ein Insider. „Aktuell werden die Produktionskosten der beiden Standorte miteinander verglichen, aber letztlich ist es im Konzern auch eine politische Entscheidung.“
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