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Porsche-Absturz: Sportwagenbauer meldet 91,4 Prozent Gewinneinbruch

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Bei Porsche zeigte die Richtung jahrelang nur nach oben: immer mehr Gewinn und zweistellige Renditen. Nun ist die VW-Tochter zum Sorgenkind des Konzerns geworden. Der neue Vorstandschef nennt erste Eckpunkte seiner Strategie.


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Seinen ersten großen Auftritt als neuer Porsche-Chef hätte sich Michael Leiters sicher doch etwas angenehmer gewünscht. Seit 1. Januar ist der 54-Jährige im Amt, nun muss er die Bilanz für 2025 vorstellen. Und die ist so ganz anders, als man das von dem Sportwagenhersteller bisher gewohnt war. Die ruhmreiche Marke, sonst immer Ertragsperle für den VW-Konzern, hat einen beispiellosen Absturz hinter sich: Das operative Ergebnis fiel von 5,6 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf nur noch 413 Millionen Euro ab – ein Minus von rund 93 Prozent.

Das entspricht einer operativen Rendite von 1,1 Prozent (Vorjahr: 11,1). Das Ergebnis nach Steuern brach im Jahresvergleich um 91,4 Prozent auf 310 Millionen Euro ein, wie das Unternehmen mitteilte. Der Umsatz ging um 9,5 Prozent auf 36,27 Milliarden Euro zurück. Geschuldet ist die Entwicklung unter anderem dem gesunken Absatz, dem schwachen Geschäft in China und den US-Zölle, die allein mit 700 Millionen Euro zu Buche schlagen.

Porsche in der Krise: Rote Zahlen bereits im dritten Quartal 2025

Im dritten Quartal 2025 war Porsche in die roten Zahlen gerutscht und häufte fast eine Milliarde Verlust an. Neben den US-Zöllen kostet der Strategieschwenk viel Geld: Da sich die Elektromobilität nicht so schnell entwickelt wie erwartet, sollen Fahrzeuge mit Verbrenner länger laufen als zunächst geplant, bis spät in die 2030er Jahre. Dafür entwickelt Porsche sogar nochmal ein gänzlich neues SUV, das spät in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts auf den Markt kommen soll. Die "Reskalierung des Unternehmens", wie es Finanzvorstand Jochen Breckner nennt, schlug mit 2,4 Milliarden Euro zu Buche.

2026 bleibe angesichts der Rahmenbedingungen herausfordernd, heißt es aus Stuttgart. Finanzvorstand Jochen Breckner geht erneut von einem sinkenden Absatz aus. Es gelte weiter das Prinzip "Value over Volume", also lieber mehr Ertrag als Stückzahlen. Bei Porsche erwartet man einen Umsatz in der Größenordnung von 35 bis 36 Milliarden Euro, die operative Umsatzrendite wird mit 5,5 bis 7,5 Prozent taxiert. Mittelfristig soll sie wieder zweistellig werden.

Porsche-Absatz ist 2025 zum zweiten Mal in Folge gesunken

2025 ist der Absatz von Porsche um zehn Prozent auf 279.449 Fahrzeuge zurückgegangen. Die Zahl der Auslieferungen sank damit zum zweiten Mal in Folge. Besonders schwach liefen die Geschäfte in China: Im Reich der Mitte verzeichneten die Stuttgarter ein deutliches Minus von 26 Prozent auf rund 42.000 Einheiten. In Europa sank die Zahl der Auslieferungen um 16 Prozent auf 75.899 Fahrzeuge. Im für Porsche größten Einzelmarkt USA lag das Ergebnis mit 86.541 Autos auf Vorjahresniveau. Problem dort ist aber, dass Porsche hohe Summen für die US-Zölle aufbringen muss, die der Hersteller über den Fahrzeugpreis kaum an seine Kunden weitergeben kann.

Auf den neuen Porsche-Vorstandschef warten zahlreiche Baustellen

Michael Leiters gilt als sehr analytischer Manager, der sich in vielen Bereichen auskennt und technisch sehr versiert ist. Aus dem Unternehmen ist zu hören, dass er einige Führungsrollen neu vergeben will. Für die Topleute und Mitglieder des oberen Managements hat er das Homeoffice gestrichen. Zudem nimmt er laufende Projekte genau unter die Lupe. So verstummen die Gerüchte nicht, dass es doch noch ein Aus für den Elektro-718 geben könnte, der die Basis für den künftigen Audi-Sportwagen aus Heilbronn liefert. Das stehe aber nicht zur Debatte, hatte Audi-CEO Döllner unlängst erklärt.

„Wir werden Porsche umfassend neu aufstellen, das Unternehmen schlanker, schneller und die Produkte noch begehrlicher machen“, sagte Porsche-Chef Leiters. 70 Tage nach seinem Amtsantritt im Januar skizzierte er erste konkrete Eckpunkte seiner Strategie 2035: „Wir denken über eine Ausweitung unseres Produkt-Portfolios nach, um in margenstärkeren Segmenten zu wachsen. Dabei untersuchen wir Modelle und Derivate sowohl oberhalb unserer heutigen zweitürigen Sportwagen als auch oberhalb des Cayenne.“

Das vielleicht größte Problem ist, dass bei Porsche bereits alles auf weiteres Wachstum in einer Größenordnung von 350.000 Fahrzeugen jährlich und mehr ausgelegt wurde. So verdoppelte sich die Zahl der Beschäftigten in den vergangenen Jahren nahezu auf mehr als 42.000. Die Kapazitäten in den Produktionsstätten Zuffenhausen und Leipzig wurden erweitert. Nun hingegen, so ist aus Unternehmenskreisen zu hören, geht man davon aus, dass der Absatz wohl mittel- und langfristig unter 300.000 Autos bleiben wird.

Bei Porsche sollen Tausende Stellen wegfallen

Angesichts der Krise bei Porsche verhandeln Unternehmen und Betriebsrat über ein zweites Sparprogramm. Was es alles beinhaltet, ist bislang noch unklar. „Es wird einen weiteren Stellenabbau geben“, sagte CEO Leiters, ohne weiter ins Detail zu gehen. Bereits im Frühjahr 2025 hatte die VW-Tochter angekündigt, am Stammsitz des Unternehmens in Zuffenhausen und im Entwicklungszentrum in Weissach rund 1900 Stellen abzubauen.

Betriebsbedingte Kündigungen sind angesichts der Beschäftigungssicherung bis Ende Juli 2030 ausgeschlossen. Nun berichten Insider allerdings, dass die 1900 Stellen nicht ausreichen. Zahlen von 4000 bis 5000 gefährdeten Jobs machen intern die Runde. Apropos Betriebsvereinbarung: Dem Vernehmen nach möchte der Porsche-Vorstand die Job-Garantie auslaufen lassen, die Arbeitnehmervertreter hingegen pochen wohl auf eine Verlängerung. 

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