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Insolvenz droht
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Falken-Fans erneuern ihre Kritik an der Geschäftsführung und fordern Transparenz

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Die Gerüchte über eine drohende Insolvenz des Eishockey-Oberligisten Heilbronner Falken lassen die Fans nicht kalt. Ihre Kritik konzentriert sich auf eine Person: Franz Böllinger. Ein Stimmungsbild.


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Nicht nur wegen des medizinischen Notfalls in der ans Eisstadion am Europaplatz angeschlossenen Pistenbar direkt vor Spielbeginn ist der Funken am Sonntagabend vom Eis nicht auf die Zuschauerränge übergesprungen. Beim schwachen Auftritt der Heilbronner Falken gegen den EC Peiting, der in einer 1:3 (0:1, 1:0, 0:3)-Niederlage endete, mussten sich die Spieler des Unterländer Oberligisten einige hämische Kommentare von den Tribünen anhören. „Ihr dürft auch Tore schießen“, war da zu vernehmen. Oder: „Das ist Not gegen Elend.“

Heilbronner Falken: Gerüchte um Insolvenz halten sich hartnäckig

Die Falken-Fans treibt aber neben dem sportlichen Fehltritt gegen das Team aus dem Werdenfelser Land – es war erst die zweite Niederlage der Unterländer im siebten Spiel seit Jahresbeginn – die Situation der Falken GmbH um. Hartnäckig halten sich Gerüchte, der Club müsse Insolvenz anmelden. Ende der vergangenen Woche sickerte durch, dass die Gesellschafter an rund 60 Sponsoren und Partner eine Einladung zu einem Krisengespräch am Freitagnachmittag verschickt hatten. Dort wurde ihnen vom geschäftsführenden Gesellschafter Franz Böllinger dann ein Schreiben mit der Bitte um sofortige weitere Hilfe vorgelegt.

„Was man da gehört hat, ist ein Unding. Wenn ich etwas von jemandem will, dann gehe ich auf ihn zu und bitte ihn nicht in einem bestimmten Zeitraum zu mir“, ärgert sich Gerd (63) aus Gemmingen. Mit vollem Namen will sich keiner der Falken-Fans äußern.

Der Ärger der Fans der Heilbronner Falken auf die Verantwortlichen der GmbH wächst von Tag zu Tag.
Der Ärger der Fans der Heilbronner Falken auf die Verantwortlichen der GmbH wächst von Tag zu Tag.  Foto: Lina Bihr

Der zentrale Kritikpunkt der Falken-Fans: die fehlende Transparenz

Weitere Informationen sind nicht an die Öffentlichkeit gedrungen. Noch nicht einmal den Spielern wurde die Lage nähergebracht. Franz Böllinger hüllt sich wie fast schon die gesamte Saison in Schweigen. Deshalb erneuerten die Fans ihre Kritik, die sie schon seit dem vergangenen Sommer immer wieder formulieren, als die Falken die Lizenz für die Oberliga erst über den juristischen Weg erstritten haben. „Es fehlt jegliche Transparenz“, sagt Daniel aus Oberstenfeld und verweist auf die fehlende Kommunikation des geschäftsführenden Gesellschafters. „Der Geschäftsführer der Falken-GmbH lässt uns Fans komplett im Stich.“ Und Gerd ergänzt: „Wenn die Probleme offen kommuniziert würden, hätten wir Fans auch viel mehr Verständnis.“

„Der Typ muss einfach alles offenlegen“, fordert Philipp (54) aus Heilbronn und fügt hinzu: „Wenn er von Anfang alles offen gelegt hätte, würden wir auch noch mal etwas dazugeben. Wir sind seit den 1990er Jahren bei den Falken dabei, wir sind Herzblut.“ Damit spricht er vielen Fans der Falken aus dem Herzen. Stellvertretend fügt er hinzu: „Wenn jemand von uns Fans am Ende des Monats Geld übrig hat, dann würde er oder sie es sofort den Falken geben.“

Die Falken-Fans haben mit der Club-Geschäftsführung gebrochen

Doch in der Zwischenzeit ist das Tischtuch zwischen den Fans und der Geschäftsführung der Falken-GmbH zerschnitten. „Man weiß ja gar nicht, wofür Gelder von uns verwendet werden. Wenn jetzt der Aufruf zu einer neuen Spendenaktion käme, würde ich nichts mehr geben“, ärgert sich Philipp. Außerdem hätten die Verantwortlichen des Eishockey-Drittligisten sowohl Sponsoren als auch, wie Stefan (48) aus Heilbronn erklärt,  ehrenamtliche Helfer vergrault. „Einen Proficlub kann man halt nicht halbtags führen“, ärgert sich Gerd. 

Auch, dass Böllinger seit dem ersten Saisonspiel nicht mehr im Eisstadion war, als er von den Falken-Anhängern gnadenlos ausgepfiffen wurde, stößt auf Unverständnis bei den Fans. „Als geschäftsführender Gesellschafter sollte er hier sein. Wenn er nicht da sein will, dann sollte er den Arsch in der Hose haben und gehen“, echauffiert sich Daniel. Und Philipp ergänzt: „Oliver Kahn hat es mal auf den Punkt gebracht: Man muss Eier haben. Und wenn man Eier hat, dann stellt man sich hier uns Fans. Es geht um den Club und nicht um persönliche Befindlichkeiten. Er soll sich nicht wie ein kleines beleidigtes Kind anstellen.“

Bei der Frage nach der Zukunft – Insolvenz oder nicht? – gehen die Meinungen auseinander

Bei der Frage, wie es weitergehen sollte, da gehen die Meinungen auseinander. Philipp, Stefan und Daniel könnten mit einer Insolvenz leben. „Es muss ein Neuanfang her“, sagt Stefan. „Eine Möglichkeit zur Rettung wäre noch, wenn der Herr Schwarz jetzt sofort einsteigen würde. Wenn man den Gerüchten glauben schenkt, dann passiert das aber nur, wenn gewisse Leute der GmbH sofort zurücktreten.“ Das sei aber nur „Wunschdenken“, gibt Philipp zu bedenken. „Über einen Einstieg der Schwarz-Gruppe im großen Stil würden wir uns natürlich freuen. Das wäre ein Perspektive, es soll ja auch eine neue Halle geben“, fügt er hinzu. Für Gerd wäre eine Insolvenz „das Schlimmste, was passieren könnte“, sagt der 63-jährige Gemminger. „Es muss irgendeine Lösung geben.“

Die gesamte Kritik der Fans richtet sich aber ausschließlich auf die Verantwortlichen im Management. Auf die Mannschaft lassen die Falken-Anhänger nichts kommen. Die Spieler seien die einzige Motivation, in die Halle zu kommen. „Sie geben in jedem Spiel ihr Bestes – trotz der ganzen Umstände – und rufen in der Regel ihre Leistung ab“, berichtet Philipp. „Wenn die genauso viel wissen wie wir, dann ist das eine Katastrophe.“ Es ginge schließlich um Jobs und damit um Existenzen. 

Mit knapp 1780 Zuschauern im Schnitt liegen die Falken auf Platz fünf beim Fan-Zuspruch

Noch haben die Fans die Nase nicht voll. Zwar waren gegen Peiting nur gut 1400 Zuschauer im Eisstadion am Europaplatz. Doch das war eher dem eng getakteten Spielplan seit Weihnachten, Ski-Urlaubszeit und eventuell krankheitsbedingtem Fehlen geschuldet, als dass die Falken-Fans durch Wegbleiben ihrem Protest Ausdruck verliehen hätten. Mit derzeit im Schnitt knapp 1780 Zuschauern pro Spiel liegt der Unterländer Oberligist im Zuschauer-Ranking auch noch auf Platz fünf.

Krösus in dieser Wertung ist DEL2-Absteiger Selber Wölfe mit knapp 2100 Zuschauern im Schnitt pro Spiel. Auf den Plätzen folgen die Memmingen Indians (durchschnittlich 2033 Zuschauer), Tabellenführer Deggendorfer SC (1893) und die Tölzer Löwen (1842). Auch Gerd macht klar: „Wir kommen, bis die Türen zugeschlossen werden.“

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