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Gemischte Gefühle bei Trainer Thomas Zeitz: „Man kann den Mädels nicht lange sauer sein, aber es ist frustrierend“

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Erst viele Fehler und ein aufgebrachter Trainer, später sorgt eine gute Moral für eine spannende Schlussphase: Nach der 29:30-Niederlage gegen die TuS Metzingen überwiegt im Lager der Sport-Union Neckarsulm letztlich dennoch der Frust. Die Stimmen zum Spiel.

Mit gemischten Gefühlen verließ Thomas Zeitz (Mitte) am Samstagabend die Paul-Horn-Arena. Gutes und Schlechtes hatten sich bei seiner Mannschaft im Spiel gegen die TuS Metzingen die Klinke in die Hand gegeben.
Mit gemischten Gefühlen verließ Thomas Zeitz (Mitte) am Samstagabend die Paul-Horn-Arena. Gutes und Schlechtes hatten sich bei seiner Mannschaft im Spiel gegen die TuS Metzingen die Klinke in die Hand gegeben.  Foto: Ralf Seidel

Die 29:30 (15:18)-Niederlage der Sport-Union Neckarsulm gegen die TuS Metzingen hatte am Samstagabend einmal mehr zwei Seiten. Der Wiedereinstieg in den Bundesliga-Alltag misslang der Mannschaft von Thomas Zeitz, weil die Unterländerinnen zu lange benötigten, um ihre Fehler abzustellen und zu ihrem Spiel zu finden. Die ebenfalls fehlerbehafteten Gäste hatten in der Tübinger Paul-Horn-Arena daher immer wieder leichtes Spiel. In ihrer guten Schlussviertelstunde zeigten die Neckarsulmerinnen allerdings, was mit einer früheren Leistungssteigerung möglich gewesen wäre.

Nach der Partie äußerten sich Sport-Union-Trainer Thomas Zeitz und seine frisch von der Weltmeisterschaft zurückgekehrte Torhüterin Lena Ivancok, die nach der Pause auf eine Paradenquote von 43 Prozent kam, sowie Metzingens Spielführerin und fünfmalige Torschützin Svenja Hübner.


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Thomas Zeitz

…über seinen Gemütszustand: „Zum einen ärgert man sich extrem, wenn man einen Plan hat, und der nicht verfolgt wird. Und wenn du das dann zwei- oder dreimal ansprichst und es passiert wieder nichts, dann kann es auch mal sein, dass auch ich mich in meinem hohen Alter mal echauffiere. Aber das Spiel ist jetzt rum und ich bekomme die zwei Punkte nicht mehr. Ich habe mir abgewöhnt nach Hause zu fahren und deswegen drei Tage nicht zu schlafen; das ist ungesund.“

…über die in Hälfte zwei vergebenen Chancen zum Sieg: „Es ist frustrierend, weil wir in der zweiten Hälfte zwei-, dreimal – darunter ganz am Anfang – die Möglichkeit hatten, wieder voll in dieses Spiel reinzukommen. Dann machen wir aber einfach dumme Fehler oder nehmen Würfe, von denen wir vorher gesagt haben, sie nicht nehmen zu wollen. Das nervt mich und das habe ich der Mannschaft auch gesagt. Und wenn du dann 29:30 verlierst, musst du dich ärgern. Und ich möchte, dass auch die Spielerinnen sich ärgern, im Sinne von: ‚Scheiße, ich habe nicht das gemacht, was wir vor dem Spiel eigentlich gesagt hatten.‘“

…über die Einstellung seiner Mannschaft: „Die Mannschaft hat einen super Kampfgeist gezeigt, hat bis zur letzten Sekunde nie aufgegeben – das war top. Das, was wir momentan haben (an Punkten, Anm. d. Red.) ist das, was wir momentan (spielerisch, Anm. d. Red.) auch in der Lage sind zu machen. Wenn bei uns alles funktioniert, können wir sogar beim Thüringer HC gewinnen oder gegen andere Mannschaften von oben mithalten. Aber wenn bei uns Dinge nicht so laufen, dann brauchen wir zu lange, um zurückzukommen oder kommen gar nicht mehr zurück und bekommen gegen jede Mannschaft Probleme. Und es nervt, dass uns oder einzelnen Spielerinnen das immer wieder passiert. Das ist der Unterschied zwischen den Top vier und dem Rest.“


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…über die spielentscheidenden Momente: „Wir machen einfach zu viele einfache Fehler, drücken denen zu oft den Ball in die Hand und spielen ihn zu einfach weg. Das kannst du dir gegen eine solche Mannschaft, die 60 Minuten rennt, nicht erlauben. Wenn wir ihnen diese einfachen Tore wegnehmen, so wie es in der letzten Viertelstunde war, und das machen, was wir uns vorgenommen haben – zur Hand Nele Franz wegnehmen und den rechten Rückraum ein bisschen vom Tor weghalten –, dann ist denen nicht mehr viel eingefallen. Dass wir daraus noch kein Kapital schlagen, ist ärgerlich. Beim Stand von 28:28 hatten wir die Chance auf die Führung und müssen die Situation, die Alice (Alicia Soffel, Anm. d. Red.) dann abschließt, besser ausspielen. Da müssen wir einfach das Tor machen; dann gewinnen wir das Spiel. Manchmal ist Sport einfach.“

…über die Gefahr, dass die knappe Niederlage über den zuvor deutlichen Spielverlauf hinwegtäuscht: „Diese Gefahr sehe ich nicht, weil ich ja weiß, was ich selbst dazu beitragen kann, dass solche Gedanken nicht aufkommen. Man kann den Mädels nicht lange sauer sein, weil sie in einer ruhigen Minute auch sehr reflektiert sind und jede einzelne Spielerin weiß, was sie in welchen Situationen falsch gemacht hat. Einige sind auch frustriert, weil sie wenig oder gar nicht gespielt haben; das ist auch okay. Wichtig ist, dass wir als Mannschaft trotzdem eine Reaktion auf dem Feld gezeigt haben und hier nach einem Fünf-Tore-Rückstand nicht mit minus zehn rausgegangen sind.“

…über die Entwicklung der Mannschaft: „Wir haben uns entwickelt, aber wenn wir als Mannschaft und die einzelnen Spielerinnen den Anspruch haben, den nächsten Schritt zu machen, dann muss ich das in solchen Situationen wie heute auch sehen. Wenn wir das nicht lernen, dann bedeutet das, dass die Gruppe die wir jetzt haben, dort angekommen ist, wo sie jetzt ist. Dann musst du darüber nachdenken, wen du vielleicht dazuholen kannst, damit es besser geht. Ich glaube immer noch, dass Potenzial vorhanden ist, aber wir müssen es zeigen. Das tun wir aber zu selten.“



…über die fehlende Konstanz im Entwicklungsprozess: „Es ist eine Frage der Zeit und des Umgangs mit Stress. Oder du stellst nach zwei oder drei Jahren, in denen du viel investiert hast, die Frage der Qualität: dass du das bekommst, was da ist, und vielleicht nicht mehr erwarten kannst. Aber bei Spielerinnen wie Munia und Alice (Smits und Alicia Soffel, Anm. d. Red.) weiß ich, dass da noch etwas ist. Bei der ein oder anderen ist es aber vielleicht auch nicht so. Das kann sein, deswegen verändert sich so ein Kader über die Jahre auch immer wieder.“

…über seine vier zurückgekehrten WM-Teilnehmerinnen: „Lena (Ivancok, Anm. d. Red.) war in der zweiten Hälfte super; man hätte sie vielleicht früher bringen können, wobei ich Johanna (Fossum, Anm. d. Red.) jetzt auch nicht bodenlos schlecht fand. An den Torhüterinnen hat es heute sicherlich nicht gelegen. Wir wollten Johanna auch siganlisieren, dass sie sich das nach den viereinhalb Wochen, in denen sie alleine und wirklich gut und hart gearbeitet hat, verdient hat. Über diese Praxis kann man sicherlich streiten, aber ich fand es okay. Paulina und Kamila (Uscinowicz und Kordovská, Anm. d. Red.) hatten nur ein Training mitgemacht; mit beiden hatte ich am Freitag schon gesprochen, dass wir sie heute noch nicht von Anfang an einsetzen werden und sie am Montag noch zwei Einheiten mitmachen. Antje (Döll, Anm. d. Red.) hat natürlich wenig falsch gemacht, aber für eine Außen ist es auch immer ein bisschen einfacher als für eine Rückraum-Spielerin, sich wieder einzufinden. Von daher bin ich mit allen zufrieden. Und alle sind fit zurückgekommen.“


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…über Angunn Gudmestad und ihren großen Einfluss auf die Partie in der Schlussphase: „Sie hat in der Schlussphase einen absoluten Mehrwert in unser Spiel gebracht. Wir hatten sie ja in der ersten Hälfte schon einmal in Unterzahl kurz drin. Da macht sie aber leider einen Technischen Fehler und wir hatten danach den Eindruck, dass Munia, Anni und Alice (Smits, Annefleur Bruggeman und Alicia Soffel, Anm. d. Red.) das im Rückraum die Woche über schon ganz gut gemacht hatten. Angunn auf der rechten Seite verteidigen zu lassen, war okay. Auf der linken hatten wir eine etwas spezielle Aufgabe, das hat Munia super gemacht. Aber in der zweiten Hälfte war es dann genau die Angunn, die wir kennen: Hopp oder top, friss oder stirb. Wenn der erste Ball reingeht: super. Wenn die ersten drei nicht drin sind, kommt noch ein Stürmerfoul und ein Technischer Fehler und dann war’s das. Letzteres war aber heute nicht so, es ist gutgegangen, so dass man berechtigt fragen darf: Warum hat sie der Trainer nicht vorher gebracht? Aber es gab einen Plan und eine Idee, warum wir das so gemacht haben; und ich denke, Angunn wir diese Rolle weiterhin haben.“


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…über die Wichtigkeit der Partie gegen den BSV Sachsen Zwickau (Dienstag, 19.30 Uhr): „Wir müssen und wollen gewinnen. Dann haben wir 10:10 Punkte und eine vernünftige Hinrunde gespielt, die besser hätte sein können – aber dafür hätten wir besser sein müssen. Und das sind wir noch nicht und das müssen wir lernen.“


Lena Ivancok

…über die Gründe für die knappe Niederlage: „Es waren die Technischen Fehler, die das Spiel entschieden haben. Wir haben viel zu viele Technische Fehler – Fangfehler und Passfehler – gemacht; das war der Grund, warum wir hier heute verloren haben.“

…über den verletzungsbedingten Ausfall von Spielführerin Munia Smits in den letzten drei Minuten: „Natürlich ist das ein schwerer Ausfall; sie ist unser Captain. Aber daran hat es nicht gelegen. Es lag im Angriff, in dem wir zu schnell zu hektisch waren und uns zu viele Fangfehler geleistet haben.“

…über den nächsten Gegner BSV Sachsen Zwickau: „Wir können aus dem Spiel heute einiges mitnehmen, können aber auch aus unseren Fehlern lernen. Wir müssen zu Hause in unserer Heim-Halle Gas geben und mit der Unterstützung unserer Fans noch einmal ein bisschen was drauflegen.“


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Svenja Hübner

…über das mit 30:29 gleiche Resultat wie am 21. Dezember gegen den VfL Oldenburg: „Für uns war es super wertvoll zu wissen, dass wir schon einmal so ein spannendes Spiel überstanden und es für uns auf die richtige Seite gedreht haben. Das hat uns heute Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein in der spannenden und engen Schlussphase gegeben.“

…über die hohe Zahl von 13 eigenen Ballverlusten: „Wir wissen, das unser Rückzugsverhalten etwas ist, an dem wir arbeiten müssen. Manchmal sind es die zu schnellen Abschlüsse vorne, die uns fast gar keinen guten Rückzug mehr ermöglichen. Manchmal ist es auch die Wechsel-Thematik, die noch nicht so ganz einwandfrei funktioniert. Und manchmal ist es auch das fehlende Gas in der Rückwärtsbewegung; wir spielen mit super viel Tempo nach vorne, aber nach hinten fehlt uns das manchmal.“

…über die anstehende Partie bei Frisch Auf Göppingen (Dienstag, 19 Uhr): „Das wird wahrscheinlich auch ein super enges Spiel; wir haben nur wenig Zeit, um uns darauf vorzubereiten. Wir versuchen jetzt, den Körper schnell wieder fit zu bekommen und dann in Göppingen vor auch sehr vielen Zuschauern die letzten zwei Punkte für dieses Jahr zu holen.“

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