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Sport-Union Neckarsulm steht sich in Tübingen lange selbst im Weg

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Der Neckarsulmer Handball-Bundesligist unterliegt der TuS Metzingen im ersten Spiel nach der WM-Pause auf unnötige Art und Weise mit 29:30. Trainer Thomas Zeitz sieht eine Entwicklung, ist aber genervt von sich wiederholenden Fehlern.

Alicia Soffel, die in dieser Szene von Svenja Hübner (rechts) und Naina Klein bearbeitet wird, hätte die Sport-Union in der Schlussphase in Führung bringen können. Doch die Gäste standen sich zu oft selbst im Weg.
Alicia Soffel, die in dieser Szene von Svenja Hübner (rechts) und Naina Klein bearbeitet wird, hätte die Sport-Union in der Schlussphase in Führung bringen können. Doch die Gäste standen sich zu oft selbst im Weg.  Foto: Sport-Union Neckarsulm/Stefan Michaelis

Als die spannende Schlussphase eine gute Viertelstunde hinter ihm lag, hatte sich auch Thomas Zeitz wieder beruhigt. „Das Spiel ist rum und ich bekomme die zwei Punkte nicht mehr. Ich habe mir abgewöhnt nach Hause zu fahren und deswegen drei Tage nicht zu schlafen; das ist ungesund“, sagte der 52-Jährige.

So emotional und aufgebracht wie am Samstagabend zeitweise in der Tübinger Paul-Horn-Arena hatte man den Trainer von Handball-Bundesligist Sport-Union Neckarsulm jedoch selten erlebt. Besonders in den ersten 30 Minuten gegen die TuS Metzingen hatte ihm vieles missfallen, was seine Spielerinnen auf dem Feld abgeliefert hatten.

Mehrfach war er energisch – laut und wild gestikulierend – darum bemüht gewesen, seine Mannschaft an den vereinbarten Matchplan zu erinnern. Weil diese jenem aber erst zu Beginn der letzten zehn Spielminuten folgte, unterlag sie folgerichtig mit 29:30 (15:18). „Wir haben viel zu viele Technische Fehler – Fangfehler und Passfehler – gemacht; das war der Grund, warum wir hier heute verloren haben“, haderte Torhüterin Lena Ivancok im Nachgang mit einer verpassten Siegchance.

Vier-Tore-Lauf bringt in der Schlussphase beinahe die Wende

50 Minuten lang hatte sich die Sport-Union Neckarsulm überraschend phlegmatisch und fehlerbehaftet präsentiert und war den ebenfalls wenig souveränen Gastgeberinnen daher auf dem Feld und der Anzeigetafel hinterhergelaufen – mal mit vier, mal mit fünf Toren Rückstand. Wenig deutete darauf hin, dass die Partie noch einmal spannend werden würde. Doch während sich der Neckarsulmer Abwehrverbund um Ivancok spät an den Zeitz’schen Plan erinnerte, kam mit der Hereinnahme von Angunn Gudmestad Schwung in den Angriff.



Die Norwegerin brachte eine Menge Dynamik ins Spiel, führte einen Vier-Tore-Lauf vom 23:27 (51. Minute) auf 27:27 (55.) mit drei eigenen Treffern an und stellte die Partie vier Minuten vor Schluss auch auf 28:28. „Das war genau die Angunn, die wir kennen: Hopp oder top, friss oder stirb. Wenn der erste Ball reingeht: super. Wenn die ersten drei nicht drin sind, kommt noch ein Stürmerfoul und ein Technischer Fehler und dann war’s das. Letzteres war aber heute nicht so, so dass man berechtigt fragen darf: Warum hat sie der Trainer nicht vorher gebracht?“, sagte Zeitz etwas süffisant.

Dass sich die Rolle der 24-Jährigen als Ergänzungsspielerin zeitnah ändert, zeichnet sich allerdings nicht ab. „Es gab einen Plan und eine Idee, warum wir das so gemacht haben; und ich denke, Angunn wird diese Rolle weiterhin haben“, erklärte Zeitz.

29:28-Führung zum Greifen nah: „Dann gewinnen wir das Spiel“

Beim Stand von 28:28 hätte die Sport-Union dann tatsächlich die Führung übernehmen können, doch ohne Munia Smits, die nach einem Zweikampf mit Gabriela Bitolo in den letzten drei Minuten am Auge behandelt werden musste, waren die Gäste zu ausrechenbar. „Wir müssen die Situation, die Alice (Alicia Soffel, Anm. d. Red.) abschließt, besser ausspielen. Da müssen wir das Tor machen; dann gewinnen wir das Spiel“, sagte Zeitz später. Stattdessen übernahmen die Gastgeberinnen wieder die Kontrolle.

Während Antje Döll volle 60 und Lena Ivancok immerhin 30 Minuten spielten, standen die beiden anderen Neckarsulmer WM-Teilnehmerinnen Paulina Uscinowicz und Kamila Kordovská nur phasenweise auf dem Feld – meist dann, wenn Thomas Zeitz in Hälfte eins mit den anderen unzufrieden gewesen war.


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Sport-Union Neckarsulm steht sich immer wieder selbst im Weg

Kreisläuferin Kim Hinkelmann bekam die eindringlichen Hinweise des 52-Jährigen im Besonderen zu hören. Da half es ihr nicht, dass sie nach 40 Minuten alleine auf Sára Suba zulief und mit einem halbherzigen Heber an der Metzinger Torhüterin scheiterte. Zeitz tobte – und schickte anschließend Merle Albers auf das Feld, die sich allerdings nach 50 Sekunden eine Zwei-Minuten-Strafe einhandelte.

Es war eine Episode die stellvertretend für den Neckarsulmer Auftritt in Tübingen stand: aus viel wenig gemacht und sich dabei auch noch selbst im Weg gestanden. „Wir machen dumme Fehler oder nehmen Würfe, von denen wir vorher gesagt haben, sie nicht nehmen zu wollen. Das nervt mich und das habe ich der Mannschaft auch gesagt. Wenn du dann 29:30 verlierst musst du dich ärgern“, stellte Zeitz fest.


Sport-Union Neckarsulm: Fossum (7 Paraden); Ivancok (9 Paraden) − Ossenkopp (1), Soffel (4), Hinkelmann (2), Bruggeman (1), Smits (7), Döll (9/5); Gudmestad (5), Kordovská, Holtman, van der Linden, Albers, Holste, Uscinowicz.

Erfolgreichste Werferinnen TuS Metzingen: Charlotte Cholevová (7/1), Svenja Hübner (5), Nele Franz (5).

Schiedsrichter: Marvin Cesnik/Jonas Konrad.

Siebenmeter: TuS Metzingen: 3/3; Sport-Union Neckarsulm: 5/6.

Zeitstrafen: 2/3.

Zuschauer: 1733.


Personeller Austausch mit der Regionalliga-Mannschaft

Auch wenn drei Spielklassen zwischen dem Bundesliga-Team und der Regionalliga-Zweiten der Sport-Union Neckarsulm liegen, gibt es zunehmend Überschneidungen zwischen beiden Mannschaften – nicht nur beim gemeinsamen Plätzchenbacken kurz vor Weihnachten. So half Erstliga-Spielerin Lynn Holtman kürzlich der Sport-Union II mit drei Treffern in der Partie gegen die SF Schwaikheim (28:24) aus.

Den anderen Weg gehen die Rückraum-Akteurinnen Rebecca Schäfer, Finia Sigle und Elena Schacht, die die Mannschaft von Thomas Zeitz im Trainingsbetrieb unterstützen. Schäfer, mit 99 Treffern derzeit beste Torschützin der Regionalliga, war 2022/2023 unter Interimstrainer Mart Aalderink sogar zu drei Bundesliga-Einsätzen und einem (Siebenmeter-)Tor gekommen.

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