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Thüringer Weisheiten könnten auch der Sport-Union helfen: „Machst du dein Ding, dann hilft dir auch der liebe Gott“

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Der Thüringer HC ist für Neckarsulms Handballerinnen eine Nummer zu groß − auch weil die Zahl der eigenen Fehler weiterhin groß ist, wie man im Lager der Sport-Union bemängelt. Die Stimmen zum Spiel.

Alicia Soffel (am Ball) brachte nach ihrer Hereinnahme Schwung ins Neckarsulmer Angriffsspiel, die Niederlage konnte jedoch auch sie nicht verhindern.
Alicia Soffel (am Ball) brachte nach ihrer Hereinnahme Schwung ins Neckarsulmer Angriffsspiel, die Niederlage konnte jedoch auch sie nicht verhindern.  Foto: Ralf Seidel

Die Sport-Union Neckarsulm sucht 2026 weiter nach ihrem Rhythmus. Die dritte Niederlage im vierten Januar-Spiel war am vergangenen Samstagabend gegen den Thüringer HC (23:33) ebenso eindeutig wie verdient. Zu souverän agierte der Europapokalsieger, zu weit wenig von der eigenen Normalform waren die Spielerinnen der Sport-Union. 


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Sport-Union Neckarsulm verzweifelt an Reichert und Kuske


Über die eindeutig verteilten Kräfteverhältnisse gab es im Nachgang keine zwei Meinungen. Die beiden Trainer Thomas Zeitz (Sport-Union Neckarsulm) und Herbert Müller (Thüringer HC) waren sich in ihrer Spielanalyse ebenso einig wie Paulina Uscinowicz und Alicia Soffel von den Gastgeberinnen. Matchwinnerin Laura Kuske freute sich hingegen über eine geglückte Revanche. Die Stimmen zum Spiel.

Thomas Zeitz

…über die Gründe für den Erfolg des Thüringer HC: „Sie hatten eine überragende Laura Kuske und eine sehr starke Johanna Reichert. Aber generell hat der THC ein gutes und über weite Strecken auch kluges Spiel gemacht, wenn man gesehen hat, wie der Ball gelaufen ist und wie sie sich ihre Chancen herausgespielt haben.“

…über die Leistung seiner Mannschaft: „Wenn du mit 23 Toren gewinnen willst, darfst du deinen Faden nicht verlieren, deinen Plan nicht aus der Hand geben und nicht so viele einfache Fehler machen. Denn sonst kassierst du zusätzlich zu den normalen, obendrein noch die einfachen Gegentore und dann sieht es im Ergebnis so aus wie heute. Wir hätten heute eine 250 Prozent bessere Leistung gebraucht, um diesen THC zu schlagen, aber hätten es auch ein bisschen freundlicher gestalten können.“

…mit einer Einordnung des zweiten verlorenen Heimspiels im Jahr 2026:Es war definitiv besser als gegen Halle, aber auch heute haben wir dem Gegner zu viele einfache Bälle gegeben. In solchen Spielen fehlt uns die Cleverness. Haben wir die, geht das Spiel 23:28 oder 23:29 aus. Es ist zwar dann auch verloren, sieht aber anders aus. Ich bin nicht unzufrieden mit den Teilen des Spiels, in denen wir umgesetzt haben, was wir umsetzen wollten. Aber ich bin nicht glücklich darüber, dass wir unseren Faden immer noch für kurze Phasen komplett verlieren und uns dadurch in eine noch schlechtere Position bringen.“

…über die zum Teil erfolgreichen taktischen Varianten im Angriffsspiel, die aber irgendwann nicht mehr weiterverfolgt wurden: „Wenn Paulina (Uscinowicz, Anm. d. Red.) reinkommt, ist es ein etwas anderes Spiel, weil sie Würfe aus dem Rückraum nimmt und auch in die Tiefe geht. Aber ansonsten habe ich nicht gesagt, die Mannschaft soll aufhören damit, weil das so gut funktioniert hat. (lacht) Wir hatten uns explizit mit zwei, drei Abläufen und Wechseln vorbereitet, haben die auch gemacht und sie haben auch zu Torerfolgen oder Abschlüssen geführt. Aber dann machen wir diese Dinge nicht mehr und spielen zum Beispiel doch wieder den Kreis im Gewühl an. Das müssen wir lernen – oder aber wir müssen identifizieren, wer es nicht mehr lernt…“

…über die amtierende Bundesliga-Torschützenkönigin und 14-malige Torschützin Johanna Reichert: „Sie hat einen unheimlichen Zug zum Tor und, Stand jetzt, ein überbordendes Selbstbewusstsein. Sie hat die Überzeugung, die uns beim ein oder anderen Abschluss noch ein bisschen fehlt und wirft mit der Überzeugung aufs Tor, dass der Ball reingeht. Das klingt dumm, ist aber genau der Unterschied. Ihre Bälle gehen dann auch mal vom Pfosten ins Tor oder trudeln mal abgefälscht rein. Und wenn sie mal zwei Bälle wirft, und Lena (Ivancok, Torhüterin der Sport-Union, Anm. d. Red.) die hält, dann nimmt sie einfach den nächsten. Das ist einer der Gründe dafür, warum die einen ein bisschen weiter oben spielen und die anderen noch nicht.“


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Wie und wo Lena Ivancok zwischen WM und Liga-Alltag Kraft getankt hat


…über die Höhe der Niederlage: „Es kann dir passieren, dass du zu Hause gegen den THC mit zehn Toren verlierst; die sind noch ein ganzes Stück von uns weg. Aber wir hätten nicht mit zehn Toren Unterschied verlieren müssen, wenn wir ein bisschen cleverer gewesen wären. Es ist aber kein Grund großartig verzweifelt zu sein.“

…über die kurze Vorbereitung auf das nächste Spiel am Mittwoch (19.30 Uhr) gegen die HSG Blomberg-Lippe: „Für uns geht es am Montag wieder an die Arbeit und in den halbwegs normalen Trainingsalltag. Wir machen dann zwei Einheiten und am Dienstag eine und werden uns ganz normal vorbereiten. Außerdem haben wir einen breiten Kader, aus dem sich hier heute auch niemand kaputt gespielt hat. Es bringt nichts, über solche Spiele wie heute zu lange zu sprechen. Wir werden uns natürlich das ein oder andere angucken, aber ansonsten heißt es Mund abputzen und weiter geht’s.“

…über das, was vor dem Duell mit der HSG Blomberg-Lippe für seine Mannschaft spricht: „Gut wäre, wenn wir am Mittwoch nicht noch einmal so ein Spiel machen. Für uns spricht, dass wir es schon besser gezeigt haben und gar nicht so viel Zeit haben, über das Spiel heute und was dabei alles nicht funktioniert hat, nachzudenken. Wir müssen in das Spiel mit dem Hintergedanken der Wiedergutmachung gehen. Wir sind momentan in einer Phase, bei der es bei der ein oder anderen Spielerin ‚Klick‘ machen muss.“

…mit einer Botschaft an die Neckarsulmer Fans: „Es tut mir leid, dass wir in den letzten zwei Heimspielen nur wenig zur guten Stimmung in der Halle beitragen konnten, aber ich glaube, wir haben euch vorher viel Freude gemacht und wir werden euch auch wieder Freude machen.“

 

Paulina Uscinowicz

…über die Gründe für die Niederlage: „Wir waren im Abschluss nicht konsequent und haben uns nicht gut genug an unseren Matchplan gehalten. Dazu haben in der Abwehr einige Dinge nicht so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt hatten. Das war heute unser größtes Problem.“

 

Alicia Soffel

…über die Leistung der Mannschaft: „Die Phasen, in denen wir es nicht so schlecht gemacht haben, waren einfach zu kurz. Dagegen waren die Phasen, in denen wir es nicht so gut gemacht haben, zu dominant und zu fehlerbehaftet. Gegen den THC sollte man so viele Fehler und Fehlwürfe vermeiden; das haben wir heute aber nicht umgesetzt.“

…über die erneut schwache Chancenverwertung: „Es ist weiterhin ein Problem, an dem wir unbedingt arbeiten müssen, denn es wird uns sonst das Genick brechen, wenn wir unsere freien Chancen nicht reinmachen. Ich weiß gar nicht, warum wir uns damit so schwertun. Es sind mehr die Abschlüsse an sich als das Herausspielen von Chancen, denn wir spielen uns ja teilweise gute Möglichkeiten heraus. Vielleicht liegt es auch daran, dass sich die gegnerische Torhüterin gut auf uns einstellt und wir dann teilweise nicht variabel genug sind.“


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Sport-Union-Neuzugang Alicia Soffel: „Wir müssen konstanter werden“


…über die Suche nach einem Gegenmittel gegen Johanna Reichert: „Das fragt sich, glaube ich, jede Mannschaft. Sie macht ja immer mindestens ihre zehn Tore. Sie wirft aus dem Rückraum super variabel, teilweise auch sehr frei, und wir schaffen es dann nicht, ein gescheites Blockspiel dagegenzustellen. Und dann haben es unsere Torhüterinnen natürlich auch umso schwerer.“

…über das bevorstehende Duell mit der HSG Blomberg-Lippe: „Wir müssen es auf jeden Fall besser machen als heute, das ist klar. Sonst werden wir auch am Mittwoch keine Chance haben. Es muss für uns ein perfekter Tag werden, wenn wir die Chance haben wollen, die zwei Punkte hierzubehalten. Das ist natürlich unser Ziel, aber es wird schwierig.“

 

Herbert Müller

…über die Bedeutung des Auswärtssieges: „Die Punkte, die wir (im Hinspiel, Anm. d. Red.) zu Hause liegengelassen haben – und die hatte Neckarsulm damals wirklich verdient –, haben wirklich geschmerzt, weil wir dadurch den Anschluss (an die Spitzengruppe, Anm. d. Red.) verloren haben. Es ist nun mal nur ein Vierer-Playoff, so dass du auf deine Punkte achten musst. Darum war das heute für uns ein ganz, ganz wichtiger Sieg.“

…über die spielentscheidenden Laura Kuske und Johanna Reichert: „Wir hatten eine überragende Laura Kuske im Tor, die unfassbare Bälle, gerade auch aus der Nahwurf-Zone, gehalten und uns dadurch immer wieder die nötige Sicherheit gegeben hat. Dadurch konnten wir uns auch im Angriff mal den ein oder anderen Fehler leisten. Und Johanna Reichert hat bis auf die ersten fünf, sechs Minuten in der zweiten Hälfte sehr, sehr gut getroffen.“


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HBF-Vereine einigen sich auf neuen Bundesliga-Modus


…über die Ziele des Thüringer HC für die verbleibenden Spiele in der Bundesliga-Hauptrunde: „Wir schauen ängstlich über die linke Schulter in Richtung Oldenburg und gucken freundlich über die rechte Schulter in Richtung Bensheim. Dortmund ist für mich die stärkste Mannschaft in dieser Liga; die werden marschieren und wenn alles normal läuft, auch etwas Greifbares mitnehmen. Wir aber müssen in beide Richtungen schielen und dann gucken, was dabei herauskommt. Aber am besten ist es immer, wenn du deine eigenen Hausaufgaben machst, weil machst du dein Ding, dann hilft dir auch der liebe Gott.“

Laura Kuske

…über die Motivation der Mannschaft und ihre starke Leistung: „Auf unserem Zettel stand schon vor dem Spiel, dass wir eine kleine Revanche wollten. Die Niederlage zu Hause (im Hinspiel, Anm. d. Red.) war nicht das, was wir uns vorgestellt hatten. Deswegen sind wir sehr froh, dass wir hier heute gewinnen konnten. Zusammen mit einer guten Abwehr hatte ich natürlich auch ein einfacheres Spiel und bin sehr froh, dass es heute als Mannschaft so gut geklappt hat.“

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