Döll-Euphorie verpufft nach 20 Minuten: Sport-Union strauchelt gegen Aufsteiger SV Halle-Neustadt
Die Sport-Union Neckarsulm verliert am Samstagabend überraschend ihr Heimspiel in der Handball-Bundesliga gegen den SV Union Halle-Neustadt. Lange Gesichter und ein vermasselter Geburtstag sind die Folge.

Angunn Gudmestad und Alicia Soffel hatten in der Stille der Ballei mit sich und dem Endergebnis ganz besonders zu kämpfen. Der Frust stand den Rückraum-Spielerinnen der Sport-Union Neckarsulm ins Gesicht geschrieben, als es Sekunden nach der Schlusssirene für einen kurzen Moment mucksmäuschenstill war. Kopfschütteln, Ungläubigkeit, ein leerer Blick, Ärger über sich selbst.
Dass kurz darauf der ekstatische Jubel der Gästespielerinnen des SV Union Halle-Neustadt losbrach und die Ballei wieder mit Leben füllte, verbesserte die Gefühlslage des Duos nicht: verloren. Mit 23:24 (10:10). Zu Hause. Gegen den Aufsteiger aus Sachsen-Anhalt. Ein Samstagabend zum Vergessen.
Aus dem Abwehr-Traum wird der Angriffs-Alptraum
„So machst du gegen keine Bundesliga-Mannschaft Tore, geschweige denn gewinnst gegen sie“, gab Kreisläuferin Kim Hinkelmann angesichts der Ideenlosigkeit und Trägheit des Neckarsulmer Angriffsspiels unumwunden zu. „Wir haben uns den Ball nur noch im Stand zugespielt und so viele Bälle weggeworfen, dass wir irgendwann auch nicht mehr in den geordneten Rückzug gefunden haben.“
Es war in der zweiten Spielhälfte förmlich zu spüren gewesen, wie der Sport-Union die eigentlich fest eingeplanten Punkte sehenden Auges entglitten waren. „Von 24 Gegentoren träumst du ja eigentlich“, sagte Trainer Thomas Zeitz mit Blick auf die gute Abwehr- und Torhüter-Leistung. „Aber wir verlieren im Angriff erst Tempo und Konsequenz und dann dadurch das gesamte Spiel.“
Alles war für eine Handball-Party angerichtet
Dabei war bereits vor der Partie eigentlich alles angerichtet gewesen für einen großen Party-Abend: Die Ballei? Mit 1252 Zuschauern bestens gefüllt. Der Vereinschef Rolf Härdtner? Feierte in der Halle seinen 83. Geburtstag. Der Gegner? Mit mageren zwei Punkten in den Tiefen des Tabellenkellers. Und Antje Döll? Die hatte unter der Woche nicht nur Grünes Licht für eine weitere Saison bei der Sport-Union Neckarsulm gegeben, sondern ihren Vertrag sogar gleich bis 2028 verlängert.
Die Grußworte der 37-jährigen Linksaußen, die vor dem Spiel bei der überraschenden Verkündung über die Videowand in der Ballei flackerten, gingen im kollektiven Jubel unter. Was sollte, was konnte angesichts dieser Gemengelage also überhaupt noch schiefgehen?
Motor der Sport-Union Neckarsulm gerät ins Stottern
Bis zur 20. Spielminute gab die Sport-Union den Takt vor, war bis auf 10:5 davongezogen und hatte dabei sogar noch den Eindruck hinterlassen, bei Bedarf noch ein bis zwei Gänge hochschalten zu können. Doch in der Folge einer anschließenden Unterzahl-Phase fand das Zeitz-Team nicht einmal mehr den ersten Gang zum Anfahren. Der Motor geriet heftig ins Stottern und die Gastgeberinnen blieben in den zehn Minuten vor der Halbzeit gänzlich ohne eigenen Treffer.
Union Halle-Neustadt zieht davon, Sport-Union läuft die Zeit davon
Nach Wiederbeginn hatten Antje Döll und die bemühte Alicia Soffel den Bann zwar schnell gebrochen, doch nach dem ersten Rückstand beim 15:16 (41.) kam die Sport-Union gegen eine immer robustere Gästeabwehr kaum noch über Einzelaktionen hinaus. Zehn Minuten vor Schluss führte der SV Union Halle-Neustadt beim 18:22 daher mit vier Toren.
Thomas Zeitz ließ in der Folge extrem offensiv verteidigen, doch die Hypothek war trotz vermehrter Ballgewinne letztlich zu groß. Der Zeitdruck stieg, Angunn Gudmestad musste den letzten Wurf unter Druck nehmen – und warf daneben. Der Rest war Leere, Stille. Und ein vermasselter Geburtstag des Vereinschefs.
Weitere Berichterstattung folgt.
Sport-Union Neckarsulm: Ivancok (12 Paraden); Fossum (1 Parade) – van der Linden (1), Gudmestad (3), Hinkelmann (1), Bruggeman (3), Soffel (6), Döll (7/5); Kordovská, Holtman, Ossenkopp (2), Smits, Albers, Holste, Uscinowicz.
Erfolgreichste Werferinnen SV Union Halle-Neustadt: Viktoria Marksteiner (6), Lea Gruber (5).
Schiedsrichter: Maximilian Engeln/Felix Schmitz.
Siebenmeter: Sport-Union Neckarsulm: 5/5; SV Union Halle-Neustadt: 1/1.
Zeitstrafen: 2/2.
Zuschauer: 1252.
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