Reichlich Erkenntnisse für die Sport-Union Neckarsulm nach der Niederlage gegen den Union Halle-Neustadt
Nach 20 Minuten verliert die Sport-Union Neckarsulm gegen Aufsteiger SV Union Halle-Neustadt den Faden: Die 23:24-Niederlage schmerzt Spielerinnen wie Verantwortliche − und könnte dennoch etwas Positives bewirken.

Blamage“ ist ein großes Wort. Nicht nur, weil es ein Substantiv ist – auch im übertragenen Sinne ist schon Besonderes vonnöten, um etwas als Blamage zu titulieren. „Blamabel“ klingt dagegen ein wenig freundlicher, obwohl es als Adjektiv im Grunde denselben Inhalt trägt. Denn „blamabel“ hat noch etwas Unvorhergesehenes in sich, etwas unangenehm Peinliches. „Blamage“ dagegen klingt nach gänzlich selbstverschuldet, nach unzulänglich und mangelhaft. Die 23:24 (10:10)-Niederlage von Handball-Bundesligist Sport-Union Neckarsulm gegen den SV Union Halle-Neustadt hatte am Samstagabend von beidem etwas: eine blamable Blamage sozusagen.
Auch wenn niemand, mit dem man nach der verlorenen Partie gegen den Aufsteiger, der in dieser Spielzeit in der Liga zuvor erst einen Sieg hatte bejubeln können, sprach genau diese Worte wählte, so waren sich im Lager der Sport-Union doch alle sehr schnell darüber bewusst, dass sie sich vor dem eigenen Publikum in der heimischen Ballei nicht nur nicht mit Ruhm bekleckert hatten, sondern den eigenen Ansprüchen auch nicht gerecht geworden waren. Das wiederum machte die ganze Tristesse irgendwie leichter zu verdauen, weil umgehend das Gefühl und die mit ihm verbundene Hoffnung entstanden war, dass das eigene Tun selbstkritisch und reflektiert hinterfragt werden und somit einen Lerneffekt haben wird.
Enttäuscht, ärgerlich, undiszipliniert: Neckarsulmerinnen hadern mit zwei verlorenen Punkten
„Wir haben es nicht geschafft, Halle-Neustadt knallhart für ihre Fehler zu bestrafen und sind nicht diszipliniert genug gewesen, genau das durchzuspielen, was zwei oder drei Angriffe lang funktioniert hat. Im Gegenteil: Halle hat uns bestraft. Das ist extrem ärgerlich, weil ein solches Spiel musst du gewinnen“, sagte etwa Kreisläuferin Kim Hinkelmann.
Auch Paulina Uscinowicz sprach von fehlender Konsequenz und „vielen Kleinigkeiten“, die letztlich den Unterschied ausgemacht hätten: „ein bisschen die Disziplin, ein bisschen das fehlende Nachsetzen“. Torhüterin Lena Ivancok war trotz ihrer zwölf Paraden einfach nur „sehr enttäuscht“.

Gleiches galt auch für Rolf Härdtner, den Vorstandsvorsitzenden der Sport-Union Neckarsulm, der den Abend seines 83. Geburtstages in der Ballei verbrachte und an dessen Ende ob des Resultats mächtig geknickt war. Zwar bekam der Jubilar von Spielführerin Munia Smits nach der Partie ein kleines Geschenk der Mannschaft überreicht, machte jedoch keinen Hehl daraus, dass ihm zwei Punkte lieber gewesen wären.
Sport-Union verteilt Geschenke an die falschen Adressaten
Die Neckarsulmer Spielerinnen fühlten ähnlich, hatten die Punkte-Präsente aber stattdessen dem Gegner überreicht und waren nach 20 Spielminuten vom Erfolgsweg abgekommen. „Wir haben auf neun Meter attackiert, aber uns ist in der Kürze der Zeit keine Lösung gegen ihre sehr aggressive Abwehr eingefallen. So machst du gegen keine Bundesliga-Mannschaft Tore, geschweige denn gewinnst gegen sie“, beschrieb Hinkelmann die Probleme.
„Wir verlieren im Angriff erst Tempo und Konsequenz und dann dadurch das gesamte Spiel. Halle nimmt uns beides in den letzten zehn Minuten der ersten Hälfte. Dass du bei 24 Gegentoren ein Spiel nicht gewinnst, ist eigentlich ein Witz“, monierte auch Trainer Thomas Zeitz.
Trainer Thomas Zeitz: Favoritenrolle darf keine Belastung sein
Zehn torlose Minuten der Sport-Union hatten aus einer 10:5-Führung (20.) bis zur Halbzeit ein 10:10 werden lassen. „Mir hat schon da die Spannung gefehlt. Es stand 10:5, wir sind aber auf dem Feld herumgelaufen als stünde es 10:3“, sagte Zeitz. Nach Wiederbeginn folgte eine kurze Phase auf Augenhöhe, bevor die Gäste die zunehmenden Neckarsulmer Unzulänglichkeiten bestraften. Von einem 18:22-Rückstand (51.) nach einem weiteren 0:5-Lauf erholte sich die Sport-Union in der Schlussphase trotz siebter Feldspielerin und offensiver Deckung dann nicht mehr.
Die klare Favoritenrolle als Bürde wollte Thomas Zeitz danach nicht als Ausrede gelten lassen: „Unser Anspruch muss es sein, dass wir zu Hause gegen Halle gewinnen. Wer mit diesem Druck nicht umgehen kann, ist dann vielleicht nicht für eine solche Mannschaft gemacht. Wir waren nicht in der Lage, diesen Gegner mit einer weniger guten oder durchschnittlichen Leistung zu Hause zu schlagen.“
Trainer und Fans erwarten in den nächsten Partien von der Mannschaft eine Reaktion, das war am Samstagabend in der Ballei schnell zu spüren – damit sich aus der blamablen Blamage und dem vermasselten Geburtstagsabend auf längere Sicht vielleicht doch noch etwas Positives ziehen lässt. Zumindest in der Rückschau.
Sport-Union Neckarsulm: Ivancok (12 Paraden); Fossum (1 Parade) – van der Linden (1), Gudmestad (3), Hinkelmann (1), Bruggeman (3), Soffel (6), Döll (7/5); Kordovská, Holtman, Ossenkopp (2), Smits, Albers, Holste, Uscinowicz.
Erfolgreichste Werferinnen Union Halle-Neustadt: Viktoria Marksteiner (6), Lea Gruber (5).
Schiedsrichter: Maximilian Engeln/Felix Schmitz.
Siebenmeter: Sport-Union Neckarsulm: 5/5; SV Union Halle-Neustadt: 1/1.
Zeitstrafen: 2/2.
Zuschauer: 1252.
Kommentare öffnen


Stimme.de
Kommentare