Wie und wo Lena Ivancok zwischen WM und Liga-Alltag Kraft getankt hat
Lena Ivancok, Torhüterin der Sport-Union Neckarsulm, ist beim 23:24 gegen den SV Halle-Neustadt „Spielerin des Spiels“, worüber sie sich nicht freuen kann.

Welch bizarre Situation. Aus Höflichkeit lächelt Lena Ivancok wenigstens für einen Moment, als sie am Samstagabend ihr Präsent für die Auszeichnung „Spielerin des Spiels“ entgegengenommen hat. Ein bittersüßer Moment, über den die 24-Jährige nach der 23:24-Niederlage ihrer Sport-Union Neckarsulm in der Bundesliga gegen den SV Halle-Neustadt ehrlicherweise sagt: „Ich bin zu enttäuscht, um mich zu freuen. Das hätten zwei Punkte sein müssen.“
„Ich bin zu enttäuscht, um mich zu freuen. Das hätten zwei Punkte sein müssen.“
Lena Ivancok
Ihr Frust ist nachvollziehbar. Trotz zwölf Paraden, die der Torfrau die Ehrung überhaupt erst eingebracht haben, steht sie nun als Verliererin in der Ballei. Die Enttäuschung darüber ist in ihrem Gesicht abzulesen. Dabei hat die junge Frau mit dem Pferdeschwanz und dem mintgrünen Trikot zuvor mit ihren Extremitäten und reflexartigen Bewegungen versucht, ihren Part zu einem Erfolgserlebnis beizutragen – vergebens.
SUN-Torhüterin Lena Ivancok versucht ihren Vorderleuten Tipps zu geben
„Ich versuche zu schreien, das Team zu motivieren und Tipps zu geben, aber vorne kann ich leider nicht angreifen“, sagt Lena Ivancok. Doch die Torhüterin, die in der Schlussphase ihre Position mit Johanna Fossum getauscht hat, gibt sich auch selbstkritisch: „Wir haben zu viele einfache Tore bekommen, die für mich auch 50:50-Chancen sind. Da hatte ich nicht immer Glück.“
Lena Ivancok ist zurück in der Bundesliga – nach mehr als sechs Wochen. Denn sie ist eine jener Auserwählten in Österreichs Nationalteam gewesen, die von Ende November an bei der Weltmeisterschaft in Deutschland und in den Niederlanden mit Platz 16 auf dem internationalen Parkett geglänzt hat.
Die Österreicherin hat eine gute WM gespielt, urteilt Oliver Rieth
„Lena hat eine gute WM gespielt. Das hilft“, sagt der Neckarsulmer Torwart-Trainer Oliver Rieth über die Umstellung vom Saisonhöhepunkt auf den Liga-Alltag. Keine leichte Sache für den geschlauchten Körper, allen voran aber für den gestressten Geist. Da ist schon manch Profi erstmal in ein tiefes Loch gefallen. Umso wichtiger ist für Lena Ivancok die Weihnachtspause gewesen: „Der Trainer hat uns viel freigegeben, daher konnte ich mich ausruhen, regenerieren.“

Ihr Ritual, um nach einem aufreibenden Großereignis wieder runterzukommen: die Familie. „Meine Schwester Ines, die ja auch in der Nationalmannschaft spielt, meine andere Schwester Karla, die von zu Hause und vor Ort mit unterstützt hat“, sagt Ivancok. „Wir sind eine Handball-Familie, da steht der Sport im Mittelpunkt. Aber nach einer WM sagen wir auch mal, jetzt ist Schluss und reden über andere Dinge.“
Weihnachten in Kroatien, der Heimat der Eltern
Es hat ja auch Weihnachten in Kroatien angestanden, der Heimat von Lena Ivancoks Eltern. Die Festtage bei den Großeltern, Tante und Onkel sind perfekt zum Abschalten. „Meine Familie motiviert mich auch jedes Mal, wenn es weitergehen muss“, sagt die Frau, deren Zuhause Wien ist, denn: „Es war schon ein bisschen schwer wieder reinzukommen. Aber bei der Sport-Union funktioniert das, es ist das Vertrauen da.“
Nicht zuletzt auch dank Oliver Rieth. Dessen Rezept, um im Liga-Alltag wieder den Fokus zu halten, ist simpel: „Weiterarbeiten, viel und bewusst trainieren“, sagt er und lächelt. Routinen geben Sicherheit. Schon vor einem Jahr, nach der Europameisterschaft, hat Lena Ivancok den Dreh zurück prima hinbekommen. „Daher habe ich mir da gar keine Gedanken gemacht“, sagt Oliver Rieth.
Rieth und Ivancok waren während der WM in Kontakt
Zumal Andreas Wiese, Torwart-Trainer-Kollege beim SV Union Halle-Neustadt und in Österreichs Nationalteam, durchaus ähnlich arbeitet wie er. Und während der Weltmeisterschaft haben Oliver Rieth und Lena Ivancok ohnehin Kontakt gehalten. „Er hat mir Nachrichten geschrieben, mich aufgebaut“, sagt Lena Ivancok und ihre Augen drücken Dankbarkeit aus.
„Oli Rieth ist immer da, wenn man ihn braucht.“
Lena Ivancok
„Oli ist immer da, wenn man ihn braucht.“ Auch nach ihrer Rückkehr nach Neckarsulm ist er Stütze – mit Videoanalysen – und Motivator – in Gesprächen – gewesen. „Er ist wirklich fleißig und macht das sehr gut.“
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