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Sport-Union Neckarsulm verzweifelt an Reichert und Kuske

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Neckarsulmer Handball-Bundesligist kommt nicht an sein Leistungsmaximum und erhält vom Thüringer HC beim 23:33 in der Ballei stattdessen eine Lehrstunde in Sachen Effizienz. Zum Problem wird einmal mehr die Chancenverwertung.

Paulina Uscinowicz machte ein starkes Spiel, konnte sich über ihre neun Tore aber nur bedingt freuen. Zu klar war die Niederlage gegen den Thüringer HC zustande gekommen.
Paulina Uscinowicz machte ein starkes Spiel, konnte sich über ihre neun Tore aber nur bedingt freuen. Zu klar war die Niederlage gegen den Thüringer HC zustande gekommen.  Foto: Ralf Seidel

Die eine traf und traf und traf. Die andere hielt und hielt und hielt. Johanna Reichert und Laura Kuske haben der Sport-Union Neckarsulm am vergangenen Samstag den Abend verdorben.

Die amtierende Torschützenkönigin und die statistisch derzeit beste Torhüterin der Bundesliga sorgten mit jeweils herausragenden Leistungen dafür, dass ihr Thüringer HC in der Ballei nur wenig Mühe hatte, sich für die 31:33-Niederlage aus dem Hinspiel zu revanchieren: der 33:23 (17:11)-Erfolg des THC war in der Höhe vielleicht um zwei oder drei Tore zu hoch ausgefallen, aber nichtsdestotrotz völlig verdient gewesen. Er führte zudem eindrucksvoll vor Augen, wie viel noch zu tun ist, bevor die Sport-Union von ihrem soliden Mittelfeldrang aus ernsthaft auf die erweitere Spitzengruppe der Liga schielen kann.

Personell dezimierte THC lässt Sport-Union keine Chance

Trotz eines Mammut-Programms von acht Spielen im Januar und dem verletzungsbedingten Fehlen von Leistungsträgerinnen wie Spielmacherin Natsuki Aizawa, Spielführerin Josefine Hanfland und Rikke Hoffbeck Petersen bestimmen die Gäste aus Bad Langensalza Rhythmus und Intensität über 60 Minuten. Weil die Neckarsulmer Gastgeberinnen selbst nicht an ihr Leistungsmaximum herankamen und dementsprechend kaum eigene Akzente setzen konnten, war ihre achte Saisonniederlage bereits früh nicht mehr zu verhindern gewesen.


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14 Reichert-Tore und 21 Kuske-Paraden hatten die Sport-Union früh mürbe gemacht. „Wenn du mit eigenen 23 Toren gewinnen willst, darfst du deinen Faden nicht verlieren, deinen Plan nicht aus der Hand geben und nicht so viele einfache Fehler machen. Denn sonst kassierst du zusätzlich zu den normalen, obendrein noch die einfachen Gegentore und dann sieht es im Ergebnis so aus wie heute“, sagte Sport-Union-Trainer Thomas Zeitz.

Paulina Uscinowicz als einziger Neckarsulmer Lichtblick

Wie schon in den drei vorangegangenen Januar-Partien fand seine Mannschaft nur phasenweise zu ihrem Spiel. Stattdessen ließ sie sich von Fehlwürfen oder einfachen Technischen Fehler zu schnell aus der Ruhe bringen. So verwunderte es nicht, dass Paulina Uscinowicz im Nachgang analysierte, dass „wir uns nicht gut genug an unseren Matchplan gehalten haben. Dazu haben in der Abwehr einige Dinge nicht so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt hatten. Das war heute unser größtes Problem.“

Die Polin war der einzige echte sportliche Lichtblick aufseiten der Neckarsulmerinnen, bei denen fast alle anderen Akteurinnen nicht zu ihrer Normal- oder gar Top-Form fanden, die es für eine erneute Überraschung gegen den Thüringer HC aber fraglos gebraucht hätte.

Sport-Union Neckarsulm fehlt erneut die Präzision im Abschluss

Uscinowicz war die einzige, die die sehr agile und druckvolle THC-Deckung um Anika Niederwieser, Luca Faragó und auch Jana Scheib nie richtig in den Griff bekam. Die WM-Teilnehmerin stemmte sich mit neun Treffern gegen die Niederlage, doch als sie rund um die 20. Spielminute ihren Torriecher gefunden hatte, war der THC bereits auf 13:7 davongezogen.


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„Die Phasen, in denen wir es nicht so schlecht gemacht haben, waren einfach zu kurz. Die Phasen, in denen wir es nicht so gut gemacht haben, waren dagegen zu dominant und zu fehlerbehaftet. Gegen den THC sollte man so viele Fehler und Fehlwürfe vermeiden; das haben wir heute aber nicht umgesetzt“, monierte Alicia Soffel. Auch die 26-Jährige hatte nach ihrer Hereinnahme für Schwung gesorgt, aber mit einer 40-prozentigen Trefferquote offenbart, woran es der gesamten Neckarsulmer Mannschaft in diesen Tagen fehlt: an Toren und Effizienz.

Trainingsverletzung zwingt Kamila Kordovská zum Zuschauen

Weniger als 40 Prozent aller Sport-Union-Würfe fanden den Weg ins Tor, während Reichert aus allen Lagen munter drauflos feuerte. „Sie hat das, was uns noch ein bisschen fehlt: Sie wirft mit der Überzeugung aufs Tor, dass der Ball reingeht. Das klingt dumm, ist aber genau der Unterschied. Ihre Bälle gehen dann auch mal vom Pfosten ins Tor oder trudeln mal abgefälscht rein. Das ist einer der Gründe dafür, warum die einen ein bisschen weiter oben spielen und die anderen noch nicht“, bekannte Thomas Zeitz.

Gut für ihn: mit der im Sommer zu Gloria Bistrita nach Rumänien wechselnden Johanna Reichert bekommt es seine Mannschaft so schnell nicht mehr zu tun. Schlecht für ihn: mit der HSG Blomberg-Lippe gastiert am Mittwoch (19.30 Uhr) gleich der nächste Hochkaräter in der Ballei.

Ob dann Kamila Kordovská schon wieder mitwirken kann, ist jedoch noch offen. Die tschechische Nationalspielerin war am Donnerstag nach einem Zweikampf im Training unglücklich auf ihre linke Hand gefallen und gegen den THC daher nur Zuschauerin. Unter der dick bandagierten Hand befinde sich zwar eine unangenehme Prellung, aber wenigstens kein Bruch, sagte die 28-Jährige. Ob ein Platz auf der Bank oder gar ein Einsatz realistisch sind, sollen weitere Untersuchungen am Montag zeigen.


Sport-Union Neckarsulm: Ivancok (8 Paraden); Fossum (2 Paraden) – van der Linden (2), Gudmestad (1), Hinkelmann, Bruggeman (1), Smits (5), Döll (2); Soffel (2), Holtman, Ossenkopp, Albers (1), Holste, Uscinowicz (9/2).

Erfolgreichste Werferinnen Thüringer HC: Johanna Reichert (14/6), Jana Scheib (6).

Schiedsrichter: Christian vom Dorff/Fabian vom Dorff.

Siebenmeter: Sport-Union Neckarsulm: 2/3; Thüringer HC: 6/7.

Zeitstrafen: 2/4.

Zuschauer: 1064.

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