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Sport-Union Neckarsulm kämpft mit Ungleichgewicht in den Mannschaftsteilen

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Top-Werte im Abwehr-, viel Luft nach oben im Angriffsspiel: Neckarsulmer Handball-Bundesligist ist noch auf der Suche nach der richtigen Balance und betriebt intensivse Ursachsenforschung.

Kim Hinkelmann, Annefleur Bruggeman und Paulia Uscinowicz (in blau, von links) bilden bei der Sport-Union Neckarsulm einen starken Abwehrverbund.
Kim Hinkelmann, Annefleur Bruggeman und Paulia Uscinowicz (in blau, von links) bilden bei der Sport-Union Neckarsulm einen starken Abwehrverbund.  Foto: Sport-Union Neckarsulm / Lumens

Zum Lachen war Thomas Zeitz vor anderthalb Wochen nicht zumute gewesen, als seine Sport-Union Neckarsulm gerade mit 23:24 gegen den SV Union Halle-Neustadt verloren hatte. Von einem Witz war beim Neckarsulmer Trainer dennoch die Rede, denn „dass du bei 24 Gegentoren ein Spiel nicht gewinnst, ist eigentlich ein Witz“, hatte Zeitz kopfschüttelnd festgehalten – und damit indirekt ein Problem benannt, nach dessen Lösung beim Handball-Bundesligisten derzeit noch gesucht wird: die eklatanten Unterschiede zwischen eigenem Angriffs- und Abwehrspiel.

Am vergangenen Samstag verbuchte die Sport-Union beim 28:27-Erfolg in Buxtehude erneut eine durchaus zufriedenstellende Zahl an Gegentoren, musste aber dennoch bis zur Schlusssirene zittern, weil im Angriff vieles nicht so rund lief, wie es hätte laufen sollen. „Wir haben dort allein in der ersten Viertelstunde fünf freie Bälle verworfen“, sagt Zeitz mit dem Abstand von zwei Tagen und eines Videostudiums der Partie.


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Angriff-Abwehr-Diskrepanz wird in Buxtehude beinahe zum Problem

Der 52-Jährige sieht die Leistung seiner Mannschaft deswegen im Rückblick gar nicht allzu negativ. „Zwischendrin war es wirklich okay; ich hatte auf der Rückfahrt nicht nur Fragezeichen im Kopf“, sagt Zeitz und erinnert daran, dass seine Mannschaft gegen den Buxtehuder SV in einer Viertelstunde rund um die Halbzeit aus einem Drei-Tore-Rückstand einen Fünf-Tore-Vorsprung gemacht hatte.

Über die gesamte Bundesliga-Spielzeit hinweg steht die Sport-Union bei einem durchschnittlichen Torverhältnis pro Spiel von 28,31:29:23. Das ist im Vergleich mit den zehn Ligakonkurrenten der zweitschlechteste Wert in der Offensive, aber auch der drittbeste in der Defensive. Weniger Tore wirft im Durchschnitt einzig Schlusslicht Buxtehuder SV (25,62), das damit im direkten Duell mit der Sport-Union sogar noch über seinem eigenen Durchschnittswert lag. Eine bessere Abwehr haben hingegen nur Spitzenreiter HSG Blomberg-Lippe (24,92) und Verfolger Borussia Dortmund (29,09).

Abwehrarbeit stand bereits im Vorbereitungstrainingslager im Mittelpunkt

Die Ursachenforschung für die große Angriff-Abwehr-Diskrepanz ist ein steter Prozess und noch in vollem Gange. „Es wäre ein bisschen zu einfach zu sagen, dass es daran liegt, dass wir an dem einen relativ früh gearbeitet haben“, sagt Thomas Zeitz. Bereits während der Saisonvorbereitung im Trainingslager in Bad Blankenburg hatte ein Schwerpunkt auf dem Verinnerlichen der Abläufe im Abwehrspiel gelegen.

Doch natürlich werde seitdem im Trainingsalltag am Verhalten in beiden Mannschaftsteilen gefeilt, sagt Zeitz. Gerade im Angriff bestünde durchaus Raum für die individuelle Arbeit an persönlichen Wurftechniken der Spielerinnen. Doch auch der Trainer räumt unumwunden ein: „Die Abwehr funktioniert ganz gut, der Angriff funktioniert nicht.“


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Sport-Union verwandelt nicht einmal jede zweite ihrer Chancen

Dass seine Mannschaft schon seit Saisonbeginn übermäßig viele Chancen auslässt, wurmt Thomas Zeitz besonders. „Unsere Wurfquote ist einfach schlecht, vielleicht ist sie sogar die schlechteste der gesamten Liga.“ So überrascht es trotz der guten Abwehr, dass die Sport-Union in der laufenden Saison angesichts einer Trefferquote von 47,18 Prozent nicht einmal jede zweite ihrer Chancen verwertet und dennoch auf Platz sechs der Tabelle rangiert. Doch wo könnte sie stehen, wäre die Abschlussquote nur um zehn Prozent besser?

Die Gründe für die Offensivschwäche der Sport-Union Neckarsulm sind vielschichtig. „Schlechte Würfe aus schlechten Positionen“, benennt Trainer Thomas Zeitz deren zwei. Auch der mentale Aspekt spiele eine Rolle, sagt der Trainer. Zu viele technische Fehler verhindern außerdem mitunter schon die Entstehung von Torabschlüssen. In Teilen trägt auch die Linkslastigkeit im Neckarsulmer Spiel ihren Teil dazu bei, denn Lilli Holste, einzige Linkshänderin für den rechten Rückraum im Neckarsulmer Kader, steht aufgrund von Verletzungen und Leistungsschwankungen bei mageren neun Saisontreffern.


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Vielfältige Offensiv-Power kommt (noch) nicht zum Tragen

Dass sich die Sport-Union Neckarsulm in der Offensive so schwer tut, verwundert, schließlich gehört Munia Smits seit Jahren zu den treffsichersten Spielerinnen der Liga, Paulina Uscinowicz hat als amtierende Zweitliga-Torschützenkönigin nachgewiesen, dass sie weiß, wo das Tor steht, und die Würfe einer zuvor gut in Szene gesetzten Angunn Gudmestad sind eigentlich kaum zu halten. Kamila Kordovská und Annefleur Bruggeman haben ebenfalls Abschlussqualitäten, die sie eher zu selten als zu häufig zeigen, und die drei Außenspielerinnen liegen in ihren jeweiligen Abschlussquoten allesamt weit über dem Mannschaftsdurchschnitt.

Soll es für die Sport-Union in den nächsten Wochen in der Tabelle also nach vorne anstatt nach hinten gehen, gilt es, die Qualität der eigenen Chancen zu verbessern – und damit die Chancen zu erhöhen, die eigenen Chancen verwerten zu können.

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