Sport-Union Neckarsulm zittert sich in Buxtehude zum Sieg: Wenn das Was wichtiger ist als das Wie
Mühsam, zäh und am Ende mehr als glücklich fährt die Sport-Union Neckarsulm einen Auswärtssieg beim Buxtehuder SV ein. Ein Befreiungsschlag ist der Pflichtsieg nicht; vielmehr wird endgültig klar: Platz neun ist der Sport-Union näher als Platz vier.

Es gibt diese Tage, an denen das Was wichtiger ist als das Wie. Der Samstag in Buxtehude war für die Sport-Union Neckarsulm ein solcher Tag. Nicht mehr zu nehmen sind dem Handball-Bundesligisten aus dem Unterland die zwei Punkte gegen das Tabellenschlusslicht Buxtehuder SV – dem 28:27 (12:15)-Auswärtserfolg sei dank.
Dessen Zustandekommen warf hingegen Fragen auf. Denn wer erwartet hatte, dass die Sport-Union nach dem Heimdebakel gegen den SV Union Halle-Neustadt mit dem sprichwörtlichen Messer zwischen den Zähnen auftreten würde, um die Niederlage als einmaligen Ausrutscher zeitnah wieder in Vergessenheit geraten zu lassen, wurde enttäuscht.
Munia Smits personifiziert den Neckarsulmer Auftritt in Buxtehude
Vielmehr blieb die Erkenntnis: Halle war kein einmaliger Ausrutscher, sondern lieferte bloß auch im Endergebnis die Gewissheit, das die Sport-Union als Tabellensechste derzeit zuvorderst darauf bedacht sein muss, den Vorsprung auf die in der Tabelle hinter ihr stehende Konkurrenz auszubauen und weniger auf Rang fünf und die damit verbundene beste Ausgangsposition für die im April beginnenden Playoffs zu schielen.
„Momentan, das hat man heute gesehen, sind wir noch zu weit weg“, bestätigte Trainer Thomas Zeitz als er nach der Partie in der Neuen Halle Nord gar auf mögliche Top-Vier-Ambitionen seiner Mannschaft angesprochen worden war.
„Wir hatten die Pflicht, hier zwei Punkte zu holen. Diesen Druck haben wir uns aber selbst aufgebaut.“
Munia Smits
„Wir hatten die Pflicht, hier zwei Punkte zu holen. Diesen Druck zu haben, ist einerseits hart, andererseits haben wir ihn uns aber selbst aufgebaut, nachdem wir vergangene Woche gegen Union Halle-Neustadt zwei Punkte liegengelassen hatten“, wusste Munia Smits, deren rechte Hand aufgrund ihrer Kapselverletzung zwar bandagiert war, die Neckarsulmer Spielführerin aber nicht von acht Treffern und vier Vorlagen, aber auch fünf Technischen Fehlern abhielt.
Gudmestad und Bruggeman besiegeln kurz vor Schluss den Auswärtssieg
Damit stand die 26-Jährige am Samstagnachmittag stellvertretend für die gesamte Neckarsulmer Mannschaft: Phasenweise vielversprechend, phasenweise unerklärlich. Gerade der Spielbeginn, „bei dem man kurz gedacht hat ‚Oh Gott, oh Gott‘“, wie Smits es formulierte, gehörte in letztere Kategorie. Viele kopflose Aktionen reihten sich aneinander, die spielerische Linie ging verloren und im Angriff kam eine ideenlose Sport-Union kaum zu klaren Abschlüssen. Hinzu kam Pech mit drei Pfostentreffern und eine noch nicht auf Betriebstemperatur gekommene Torhüterin Lena Ivancok.
Erst unmittelbar vor dem Seitenwechsel deuteten die Gäste bei einem 4:0-Tore-Lauf an, was möglich sein könnte. Ein 6:1-Start direkt nach Wiederbeginn untermauerte diesen Eindruck und brachte die Mannschaft von Thomas Zeitz beim 26:21 (50.) angesichts eines Fünf-Tore-Vorsprungs dann doch in eine eigentlich recht komfortable Position. Smits ging nun voran und Iva van der Linden präsentierte sich zum wiederholten Mal in den vergangenen Wochen treffsicher.
Doch nach nur einem eigenen Tor in zehn Minuten bedurfte es dennoch zweier Einzelaktionen, um den Auswärtssieg ins Ziel zu retten: Angunn Gudmestad antizipierte einen Pass Isabelle Dölles und gab den eroberten Ball an Annefleur Bruggeman weiter, die ihn vom eigenen Kreis zum vorentscheidenden 28:26 ins verwaiste Buxtehuder Tor warf.

Trainer Thomas Zeitz verbleibt mit positiver Entwicklung seiner Mannschaft
„Meine Mannschaft ist auf dem Weg sich zu entwickeln, macht das gut und hat jetzt zwölf Punkte. Vergangenes Jahr hatten wir Ende Januar vier“, erinnerte Thomas Zeitz. Zwar hatte sein Team zum gleichen Zeitpunkt 2025 sechs Punkte auf dem Konto, den Tenor der Aussage änderte das aber nicht: wir machen Fortschritte.
„Heute war es wichtig, dem Widerstand von letzter Woche zu trotzen. Das haben die Mädels mit Bravour gemacht, worauf ich ziemlich stolz bin“, sagte der 52-Jährige. Es gibt Tage, an denen sind zwei Punkte und der Stolz des Trainers genug. Ab Montag sieht das allerdings wieder anders aus.
Sport-Union Neckarsulm: Ivancok (10 Paraden); Fossum – Ossenkopp, Gudmestad (2), Hinkelmann, Bruggeman (1), Soffel (1), Döll (5/1); van der Linden (6), Albers, Kordovská (1), Holtman, Smits (8), Holste (1), Uscinowicz (3/3).
Erfolgreichste Werferinnen Buxtehuder SV: Anika Hampel (8/3), Isabelle Dölle (4).
Schiedsrichter: Steven Heine/Sascha Standke.
Siebenmeter: Buxtehuder SV: 4/5; Sport-Union Neckarsulm: 4/5.
Zeitstrafen: 0/2.
Zuschauer: 1316.
Ein doppelt wertvoller Auswärtssieg
Die beiden Punkte, die die Sport-Union in Buxtehude eingefahren hat, wurden im Verlaufe des Samstagabends noch wertvoller, weil die Konkurrenz im Tabellenmittelfeld strauchelte. Nach dem Sieg in der Ballei gewann Union Halle-Neustadt durch ein Tor von Lea Gruber ins leere Tor in der Schlusssekunde nämlich auch gegen Frisch Auf Göppingen (25:24). Und die TuS Metzingen teilte sich in Sachsen mit dem BSV Zwickau die Punkte (32:32), weil Metzingens Sabrina Tröster sieben Sekunden vor Schluss per Heber nur die Latte traf. Das Mittelfeld ist somit weiter zusammengerückt.
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