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Sport-Union Neckarsulm rutscht mit einem Vereinsrekord ins Jahr 2026

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Drei Tage nach dem schwachen Auftritt gegen die TuS Metzingen gelingt der Sport-Union Neckarsulm gegen Sachsen Zwickau ihr höchster Bundesliga-Sieg. Die Gründe sind vielfältig, aber offensichtlich − und sorgen für Vorfreude auf einen anspruchsvollen Januar.

Dafür dass Kim Hinkelmann nicht als unbesungener Held ins neue Jahr rutscht, sorgte Teamkollegin Angunn Gudmestad, die der arbeitseifrigen Kreisläuferin ein Sonderlob aussprach.
Dafür dass Kim Hinkelmann nicht als unbesungener Held ins neue Jahr rutscht, sorgte Teamkollegin Angunn Gudmestad, die der arbeitseifrigen Kreisläuferin ein Sonderlob aussprach.  Foto: Seidel, Ralf

Zwei, drei große Schritte, vorbei an applaudierenden Fans auf der Tribüne und einigen frustrierten Zwickauer Akteurinnen am Spielfeldrand, und schon hatte sich Steffen Hertig am Dienstagabend noch schnell eingereiht in die lange Reihe der Gratulanten, die mit den Spielerinnen der Sport-Union Neckarsulm nach ihrem erfolgreichen Jahres- und Hinrunden-Abschluss abklatschten.

Auch der Neckarsulmer Oberbürgermeister war sichtlich begeistert von dem, was die Handballerinnen „seiner“ Stadt beim 35:22 (18:10) gegen weitgehend chancenlose Zwickauer Gäste geboten hatten. So ging es vielen in der mit 1318 Zuschauern bestens gefüllten Ballei, die sich nach einem solchen überzeugenden wie selbstbewussten Start-Ziel-Sieg geradezu gesehnt hatten. „Es ist endlich einmal so gelaufen, dass wir gut angefangen haben und es dann auch durchgezogen haben“, sagte Neckarsulms Trainer Thomas Zeitz.


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Sport-Union Neckarsulm zündet das Feuerwerk schon einen Tag vor Silvester


Frust gegen Oldenburg und Metzingen, Freude gegen den THC

Auch er war nach vier verlorenen Pflichtspielen in Folge froh, einen möglichen Abwärtstrend noch in dessen Entstehung vorzeitig gestoppt zu haben. Doch richtig gelöst schien der 52-Jährige zum Hinrunden-Ende nicht. Die 10:10 Punkte seien gut, keine Frage, aber es seien eben auch eigentlich noch zwei Zähler zu wenig.

Eine Bilanz von 12:8 Punkten wäre durchaus möglich gewesen, doch in Tübingen gegen die TuS Metzingen (29:30) und beim Gastspiel beim VfL Oldenburg (24:31 nach guter erster, aber schwacher zweiter Hälfte) hatten er und seine Mannschaft mögliche Punktgewinne jeweils liegengelassen. Andererseits: Die beiden Zähler aus dem 33:31 beim Thüringer HC am vierten Spieltag hatten vor dem Saisonstart die wenigsten in Neckarsulm eingeplant.

Sport-Union Neckarsulm fährt ihren höchsten Bundesliga-Sieg ein

Der geglückte, Selbstbewusstsein gebende Spielbeginn, das mit schnellem Umschaltverhalten verbundene bewegliche, zupackende Abwehrspiel und die mit sechs − jeweils drei in jeder Hälfte − rekordverdächtig niedrige Zahl an Technischen Fehlern waren die Gründe für den aus Neckarsulmer Sicht gelungenen Dienstagabend, der am Ende gar im höchsten Bundesliga-Sieg der Vereinsgeschichte gemündet war. Mit 13 Toren Differenz hatte die Sport-Union bislang noch nie ein Bundesliga-Spiel gewonnen. Ein Heim-28:16 gegen die HSG Blomberg-Lippe und ein 35:23 bei der HSG Bad Wildungen, beide im Januar 2024 während Thomas Zeitz’ erster Saison im Unterland erspielt, waren bisher die Rekordsiege.



„Wir hatten einen wirklich tollen Flow, haben von Anfang an richtig gut gespielt und dann hatte ich das Gefühl, dass wir das Spiel auch gleich zu Beginn auf unsere Seite gezogen haben. Wir lagen die ganze Zeit in Führung, unsere Pässe kamen dort an, wo sie hin sollten und wir haben unsere Chancen genutzt und die Tore gemacht“, sagte Angunn Gudmestad, die mit ihren frühen Toren maßgeblich zum gelungenen Jahresausklang beigetragen hatte.

Angunn Gudmestad nutzt ihre Chance in der Start-Sieben

Dass Thomas Zeitz die Norwegerin nach vielen Wochen mal wieder von Anfang an auf das Feld geschickt hatte, tat der 24-Jährigen sichtlich gut. Mit dem Vertrauen des Trainers und der Gewissheit, nicht jede Aktion nutzen zu müssen, um sich angesichts von wenig Spielzeit in Erinnerung zu rufen, spielte es sich für Gudmestad leichter, was wiederum der gesamten Mannschaft zugute kam. „Sie und auch Lena Ivancok haben heute ein super Spiel gemacht. Angunn hatte auch in Metzingen ihre Sache gut gemacht, weswegen sie heute angefangen hat“, sagte Zeitz.

Die Gelobte selbst reichte die Lorbeeren bereitwillig weiter und wollte ihre Teamkolleginnen nicht vergessen wissen, ohne die der Rekordsieg nicht möglich gewesen wäre: „Es hat mich natürlich gefreut, heute von Anfang an spielen zu dürfen, aber für mich ist das Wichtigste, dass das Team gut spielt. „Annefleur (Bruggeman, Anm. d. Red.) hat ihren Job in der Rückraum Mitte gut gemacht und mich dadurch erst in diese guten Eins-gegen-eins-Situationen gebracht, so dass es für mich dann einfacher wurde. Und das trifft auch auf Kim (Hinkelmann, Anm. d. Red.) zu, die es am Kreis ebenfalls wirklich gut gemacht hat. Sie macht vielleicht selbst nicht die meisten Tore, leistet aber dafür für alle anderen mit ihren Blocks und Läufen viel Vorarbeit.“


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Paulina Uscinowicz und Meret Ossenkopp machen auf sich aufmerksam

Abgerundet wurde der Dienstagabend schließlich von Meret Ossenkopp und Paulina Uscinowicz, die jeweils eines ihrer bisher besten Spiele im Neckarsulmer Trikot absolvierten. Die Rechtsaußen, die angesichts von Antje Dölls alles überstrahlender Präsenz auf der linken Außenbahn und den vielen Rückraum-Spielerinnen nicht immer die erste Anspielstation im Neckarsulmer Angriffsspiel ist, vergab vor der Pause noch ihre ersten beiden Wurfgelegenheiten, behielt anschließend aber die Ruhe und traf bei den acht darauffolgenden Würfen sieben Mal das Tor und einmal den Pfosten.

Uscinowicz hingegen war nach ihrer Hereinnahme für die etwas unglückliche Munia Smits nach 20 Minuten sofort da, demonstrierte mit ihren kompromisslosen Distanzwürfen und dem engagierten Deckungsverhalten ihren Mehrwert für die Mannschaft und präsentierte sich auch bei den Strafwürfen − mal frech, mal überlegt − eiskalt.

Gerade die Abwehrleistung, die Uscinowicz, Brugeman und Hinkelmann gut wie selten koordiniert hatten, gefiel Thomas Zeitz: „Zwickaus gute Kreisläufer-Kooperation haben wir heute wirklich sehr gut gelöst – gerade im Sieben-gegen-sechs, das sie normalerweise viel spielen und womit sie gegen den THC 15 Tore gemacht haben. Auch dass wir sie über die Außen haben anspielen lassen, hat gut funktioniert: sie hatten da viele Ballverluste und wir haben Bälle gewonnen.“


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Sport-Union Neckarsulm steht sich in Tübingen lange selbst im Weg


Auf die Sport-Union Neckarsulm wartet ein anspruchsvoller Januar

Dass die Sport-Union am regulär letzten Hinrunden-Spieltag am nächsten Wochenende spielfrei pausieren kann, ist der Insolvenz der HB Ludwigsburg geschuldet, bei der das Zeitz-Team laut Spielplan eigentlich zu Gast gewesen wäre. Entsprechend bleiben Harz und Ball nun bis zum 5. Januar erst einmal im Schrank. Gelegen kommt die Pause für Trainer und Spielerinnen allemal, denn der Januar hat es mit vier richtungsweisenden Partien in sich.

Im Heimspiel gegen Aufsteiger SV Union Halle-Neustadt (17. Januar) und beim Gastspiel in der neuen Halle Nord beim Buxtehuder SV eine Woche später am 24. Januar zählen für die Sport-Union Neckarsulm eigentlich nur Siege, will sie bis zum Saisonende ein Wörtchen um die Plätze im oberen Mittelfeld mitreden. Beide Gegner stehen am Tabellenende, sind bislang noch sieglos und dürften nach dem Neckarsulmer Selbstverständnis und dem bisherigen Saisonverlauf nicht zu Stolpersteinen werden.

Offensivstarke HSG, wütender THC: Top-Gegner zur Monatsmitte

Weit höher hängen die Trauben hingegen bei den Partien, die die Duelle mit den Kellerkindern einrahmen: Am 10. Januar geht es, wie schon im DHB-Pokal-Viertelfinale, zum Tabellenzweiten HSG Bensheim/Auerbach, der seinen großen Personalsorgen seit Wochen mit schierer Offensivpower trotzt. Weil sich Mannschaften nicht nur aufgrund diverser (Test-)Spiele in der jüngeren Vergangenheit bestens kennen, wissen sie in Neckarsulm um die Höhe der Auswärtshürde Weststadthalle. Zum Monatsende am 31. Januar wird dann im Thüringer HC ein in dieser Spielzeit überraschend unbeständiger Europapokal-Sieger in der Ballei aufschlagen − nach der 31:33-Heim-Niederlage in der Hinrunde zudem mit mächtig Wut im Bauch.

Mit vier Punkten und zwei guten Auftritten gegen die Top-Teams aus Bensheim und Bad Langensalza wäre für die Sport-Union zu Jahresbeginn also schon viel gewonnen. Mit den Lerneffekten aus dem verlorenen Spiel gegen die TuS Metzingen, dem Rückenwind des Rekordsieges gegen Sachsen Zwickau und dem Tatendrang eines neuen Jahres wollen Thomas Zeitz und Co. ihre Fans und Oberbürgermeister Steffen Hertwig auch im Januar 2026 wieder begeistern.


Sport-Union Neckarsulm: Ivancok (6 Paraden); Fossum (3 Paraden) – Ossenkopp (6), Gudmestad (4), Bruggeman (2), Hinkelmann, Smits (4), Döll (7/3); Soffel, Kordovská, Holtman (3), van der Linden (2), Albers, Holste, Uscinowicz (7/4).

Erfolgreichste Werferinnen BSV Sachsen Zwickau: Romy Steverink (4), Victoria Hasselbusch (3).

Schiedsrichter: Moritz Hartmann/Nils Hennekes.

Siebenmeter: Sport-Union Neckarsulm: 7/10; BSV Sachsen Zwickau: 3/5.

Zeitstrafen: 1/3.

Zuschauer: 1318.

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