Stimme+
Nach Insolvenz
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Kritik an Falken: Was die „Fanszene Heilbronn“ in ihrem Statement anprangert und fordert

   | 
Lesezeit  5 Min
Erfolgreich kopiert!

In einem sechsseitigen Flyer erklärt die „Fanszene Heilbronn“, was aus ihrer Sicht in den vergangenen rund acht Monaten seit der Lizenzverweigerung für die Heilbronner Falken passiert ist und welche Schlussfolgerungen sie daraus zieht.


Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Mit einem sechsseitigen schriftlichen Statement mit dem Titel „Die Fanszene deckt auf! Die Wahrheit über die Heilbronner Falken GmbH“, das vor dem Oberliga-Heimspiel der Heilbronner Falken gegen die Stuttgart Rebels an diesem Freitag im Eisstadion am Europaplatz verteilt und auch im Internet veröffentlicht wurde, hat sich die „Fanszene Heilbronn“ an die Öffentlichkeit gewandt. Darin beschreibt sie die Geschehnisse der vergangenen knapp acht Monate seit der Lizenzverweigerung für die Falken durch den Deutschen Eishockey-Bund (DEB) und macht auch klar, welche Schlussfolgerungen sie daraus zieht.

Fans äußern Kritik an Heilbronner Falken – und fordern Neuanfang

Diese lauten: „Aus unserer Sicht ist der Punkt erreicht, an dem es unter der aktuellen Führung der Heilbronner Falken GmbH keine tragfähige Zukunft gibt. Vertrauen ist vollständig verloren gegangen. Transparenz wurde über Monate hinweg verweigert. Notwendige strukturelle Veränderungen wurden nicht umgesetzt, sondern ausgesessen.“ Und weiter heißt es in dem Statement: „Wir sind uns der Tragweite dieser Aussage bewusst, dennoch bleibt aus unserer Sicht nur noch ein letzter Ausweg. Dieser lautet Insolvenz der bestehenden Falken GmbH und ein konsequenter Neuanfang mit neuen Strukturen und neuen Verantwortlichen. Ein solcher Schritt ist schmerzhaft, aber notwendig, um das Heilbronner Eishockey langfristig zu erhalten und wieder auf ein solides Fundament zu stellen.“

Falken-Gesellschafter verscherzt es sich mit „Fanszene Heilbronn“ direkt nach Lizenzverweigerung

Davor werden die Geschehnisse seit der Lizenzverweigerung aus Sicht der „Fanszene Heilbronn“ minutiös aufgezählt. Die Intention dahinter: „Da das Schweigen der Falken GmbH kein Ende nimmt und die Fans, welche die GmbH im Sommer noch gerettet hatten, für dumm verkauft werden, wollen wir Euch heute mit all unserem vorliegenden Wissen über die Wahrheit der Falken GmbH aufklären.“

Professionell gedruckt und gebunden war das sechsseitige Statement der "Fanszene Heilbronn", das vor dem Heimspiel gegen die Stuttgart Rebels im Eisstadion am Europaplatz verteilt wurde.
Professionell gedruckt und gebunden war das sechsseitige Statement der "Fanszene Heilbronn", das vor dem Heimspiel gegen die Stuttgart Rebels im Eisstadion am Europaplatz verteilt wurde.  Foto: Ralf Seidel

Direkt nach der Lizenzverweigerung wurden zwei Vertreter der „Fanszene“ an einem Samstag um 8 Uhr zum Eisstadion gebeten, um Videos für eine Spendenkampagne aufzunehmen. Dabei laut der Erzählung der Ultras der erste Schock. Denn statt der Verantwortlichen der Falken GmbH waren nur Vertreter der Fan-Gruppierung „Die Treuen Heilbronn“, zwei Spieler, Geschäftsstellenmitarbeiter und das Social-Media-Team vor Ort. „So viel zum Thema, wie hoch die Interessen am nachträglichen Lizenzerhalt tatsächlich waren“, heißt es im Statement. Der geschäftsführende Gesellschafter Franz Böllinger hätte sich erst gegen 9:30 Uhr die Ehre gegeben, sei aber nur ein paar Minuten geblieben.

Falken-Ultras prangern an: Warum es aus ihrer Sicht zur Lizenzverweigerung kam

Ein Grund für die Lizenzverweigerung, so das Statement, sei das Fehlen eines Kooperationsvertrags mit dem Stammverein Heilbronner EC gewesen. Deshalb wurde der HEC „in den kommenden Tagen von Herrn Böllinger unter Druck gesetzt, diesen zu unterzeichnen“. Und weiter heißt es: „In voller Dreistigkeit forderte er auch einen Kooperationsvertrag zu günstigeren Bezügen im fünfstelligen Bereich. Der HEC kam dieser Forderung am Ende nach.“


In einem anderen Punkt hätte es dagegen keine Kommunikation zwischen dem HEC und der Falken GmbH gegeben. Denn der HEC habe laut des Statements als „möglicher Caterer bei den Falken angeboten“. Auf ein schriftliches Angebot an Böllinger hätte es allerdings „keinerlei Reaktion“ gegeben.

Ultras organisieren trotz aller Ressentiments Kundgebung mit Fanmarsch

Obwohl sich die „Fanszene Heilbronn“ schon früh vor den Kopf gestoßen gefühlt hat, organisierte sie unter dem Motto „Eishockey-Standort Heilbronn bewahren“ eine Kundgebung mit anschließendem Fanmarsch durch die Stadt. „Unser Ziel war es, öffentlich sichtbar zu machen, welche Bedeutung das Eishockey für Heilbronn hat, und gleichzeitig Druck auf die Verantwortlichen auszuüben“, wird im Statement erklärt. Die Kundgebung wurde aus Sicht der „Fanszene Heilbronn“ zum Erfolg, ein Schulterschluss aus Fans, Unterstützern, Sponsoren, Sympathisanten sowie Vertretern aus Politik und Gesellschaft.

Franz Böllinger enttäuschte sie allerdings wieder. „Der Redebeitrag von Franz Böllinger blieb erneut inhaltlich leer. Statt konkreter Aussagen zur finanziellen Lage, zu strukturellen Problemen oder zu belastbaren Zukunftsplänen beschränkte sich seine Ansprache auf allgemeine Floskeln und ausweichende Aussagen“, wirft sie dem geschäftsführenden Gesellschafter der GmbH in ihrem Statement vor. Und auch beim „abschließenden Beisammensein“ am Eisstadion am Europaplatz hat sich Böllinger wieder den Unmut der Ultras zugezogen, indem er die Veranstaltung aus ihrer Sicht viel zu früh verlassen habe.

„Fanszene“ kritisiert: Aufarbeitung und Neuausrichtung fehlen nach Lizenzverweigerung

Gesellschafter Tom Bucher wird dagegen in dem Statement ausdrücklich gelobt. „An dieser Stelle halten wir ausdrücklich fest, dass die Planung und Umsetzung der Kundgebung in dieser Größenordnung und Qualität ohne die massive Unterstützung von Tom Bucher nicht möglich gewesen wäre. Sein Einsatz im Hintergrund war entscheidend für den reibungslosen Ablauf dieser Veranstaltung.“

Geändert hat aus Sicht der Ultras aber weder die immense Spendenbereitschaft, der öffentliche Druck durch die Kundgebung und den Fanmarsch noch das Entgegenkommen des DEB durch die nachträgliche Lizenzierung der Heilbronner Falken etwas. „Die notwendige Aufarbeitung der Ursachen für die Lizenzverweigerung blieb aus. Ebenso fehlten konkreten Maßnahmen für eine nachhaltige und professionelle Neuausrichtung“, wird in dem Statement moniert.

Protestaktionen von Ultras beim ersten Falken-Heimspiel organisiert

Als Reaktion veröffentlichte die „Fanszene Heilbronner“ unter dem Titel „Zwei vor zwölf“ einen Forderungskatalog. „Wir wiesen ausdrücklich darauf hin, dass nach dem Lizenzerhalt zwingende strukturelle Veränderungen innerhalb der GmbH notwendig sind“, hieß es in dem Schreiben. Und weiter: „Besonders kritisch bewerteten wir die weiterhin geplante nebenberufliche Führung der Spielbetriebs-GmbH durch Franz Böllinger.“ Doch wieder einmal fühlten sich die Ultras nicht ernstgenommen. Und auch der Umgang mit Sponsoren und Partnern sei thematisiert worden. Abschließend forderten sie „die Bestellung eines hauptamtlichen Geschäftsführers, eine klare Trennung von Kapital und Kontrolle innerhalb der GmbH, eine offene und transparente Kommunikation gegenüber den Fans sowie die vollständige Offenlegung der Verwendung der von Fans gespendeten Gelder“.

Dazu gab es Protestmaßnahmen beim ersten Saisonheimspiel der Falken. Beispielsweise verweigerten die Ultras bei Partien am Europaplatz in den ersten beiden Spielminuten den Support. „Diese Stille sollte verdeutlichen, was droht, wenn weiterhin Zeit verloren und Verantwortung vermieden wird“, heißt es dazu im Statement. Außerdem wurde Böllinger vom Eis gepfiffen, als er vor dem ersten Bully der Saison auf heimischem Eis das Mikrofon ergriffen hatte.

Böllinger zu Gespräch nach Protestaktionen beim ersten Saisonheimspiel bereit

Das Schreiben „Zwei vor zwölf“ und die Protestaktionen im Eisstadion hatten aus Sicht der „Fanszene Heilbronn“ aber in soweit Erfolg, dass es zu einem Gespräch zwischen ihnen und dem geschäftsführenden Gesellschafter der Falken kam. In diesem „offenbarte Böllinger uns, dass er sich durch die Pfiffe während seiner Rede vor dem ersten Saisonheimspiel beleidigt und in der Ehre gekränkt fühlte“.

Gesprächsthemen waren unter anderem Sponsorengewinnung und -betreuung, die finanzielle Situation der GmbH, die bestehenden Strukturen der Spielbetriebsgesellschaft sowie die Kommunikation der Falken-Verantwortlichen gegenüber den Fans. „Wir machten deutlich, dass viele Fans bereit sind, erhebliche persönliche Opfer für den Erhalt des Standorts zu bringen. Statt Wertschätzung erleben sie jedoch regelmäßig eine Kommunikation von oben herab. Transparenz, Einbindung und ehrlicher Austausch finden nicht statt. Dieses Verhalten trägt maßgeblich zur Entfremdung zwischen Fans und Geschäftsführung bei“, erklären die Ultras in ihrem Statement. 

Ein konkretes Angebot der Ultras zur finanziellen Beteiligung an der Falken GmbH sei ignoriert worden. Sie brachten eine Genossenschaft ins Spiel. „Jeder Fan hätte sich an dieser Genossenschaft beteiligen können. Die Genossenschaft hätte anschließend als Kommanditist der Falken GmbH fungiert. Auf diese Weise wäre bereits im September eine erhebliche Tilgung bestehender Verbindlichkeiten möglich gewesen“, berichtet die „Fanszene Heilbronn“.

Gesprächsthemen sind unter anderem Sponsoren, finanzielle Situation und Geschäftsführersuche

Auch die Wiedersprüche in den öffentlichen Äußerungen von Böllinger in Bezug auf die Suche nach einem hauptamtlichen Geschäftsführer wurden in dem Gespräch zwischen der „Fanszene Heilbronn“ und dem geschäftsführenden Gesellschafter seien thematisiert worden. 

Zum Abschluss dieses Themenkomplexes in dem Statement der Ultras heißt es: „Der Hammer dieses Gesprächs war jedoch, dass Herr Böllinger in aller Dreistigkeit von uns als Fanszene forderte, dass wir uns aktiv um die Sponsorengewinnung kümmern sollen. Wir hätten damit keinerlei Probleme gehabt, dies für unseren Herzensverein zu tun, doch ist uns das nicht möglich, wenn wir potenziellen Sponsoren nur von Lügen und Intrigen der Führung der Falken GmbH berichten können und keinerlei konkrete Aussagen über den finanziellen Stand der Falken GmbH liefern können.“

Nächste Eskalationsstufe angekündigt: „Fanszene Heilbronn“ will Proteste hochfahren

Im weiteren Verlauf geht das Statements der „Fanszene Heilbronn“ noch ausführlich auf die Geschehnisse im Dezember 2025 und Januar 2026 ein mit den Fanprotesten beim Heimspiel gegen den EC Peiting kurz vor Weihnachten mit dem Trillerpfeifenkonzert, die die Ultras als „vorletzte Stufe“ bezeichnen, und dem kurzfristig einberufenen Sponsorentreffen Mitte Januar, um die Insolvenz der Falken GmbH auf den letzten Metern doch noch abzuwenden.


Mehr zum Thema


Das scheiterte aber, was die Ultras zu ihren Schlussfolgerungen führte Darüber hinaus zündeten sie beim Heimspiel gegen die Stuttgart Rebels an diesem Freitag „die nächste Eskalationsstufe an Protesten“: „Unsere öffentliche Warnung an die Führung der Heilbronner Falken GmbH wurde klar und deutlich formuliert. Sie ist bekannt. Sie ist dokumentiert. Und sie wurde nicht aus der Emotion heraus ausgesprochen, sondern aus der Notwendigkeit heraus. Der 30. Januar 2026 markiert den Tag, an dem die nächste Eskalationsstufe unserer Proteste erreicht wird“, heißt es als Warnung in dem Statement.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben