Stimme+
Nach Insolvenz
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Fans der Heilbronner Falken sorgen für denkwürdiges Heimspiel gegen Stuttgart Rebels

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Obwohl die Anhänger der Heilbronner Falken einen Spielabbruch provozieren, wird die Partie zu Ende gespielt – aber unter ganz kuriosen Umständen. Der Support in den ersten 40 Minuten ist aber phänomenal.


Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Nach der Schlusssirene waren sich alle einig: So eine Partie hatten sie noch nie erlebt. Mit einem gellenden Pfeifkonzert und dem Werfen von Gegenständen - vor allem Ein-Cent-Münzen - auf das Spielfeld hatten die Fans der Heilbronner Falken zwar versucht, im dritten Drittel der Oberliga-Begegnung gegen die Stuttgart Rebels einen Spielabbruch zu provozieren. Die Schiedsrichter Erich Singaitis und Tim Heffner fanden aber eine elegante Lösung, nachdem sich die beiden Mannschaften den Puck nur noch freundschaftlich gegenseitig zugeschoben hatten und an eine Fortführung der Partie nicht mehr zu denken war.

Heilbronner Falken gegen Stuttgart Rebels: Teams schieben sich Puck zu, statt Spielabbruch

In Absprache mit beiden Mannschaften ließen sie die Uhr herunterlaufen, während die Spieler bereits in die Kabinen gegangen waren. Auf dem Eis zurück blieben nur die beiden Goalies, Franz Jokinen für die Falken und Nick Vieregge für die Rebels, die sich ein Penaltyschießen von jeweils der eigenen blauen Linie lieferten. So kamen beide auch jeweils noch zu einem Treffer. Die Alternative wäre ein Spielabbruch mit einer 5:0-Wertung für die Rebels. Doch dann würden auch alle Spieler, die Scorerpunkte erzielt hatten, diese nicht gewertet bekommen.


„Wir haben vollstes Verständnis für die Frustration der Fans. Wir fühlen mit ihnen, denn auch wir sind genauso frustriert wie sie“, berichtet Falken-Trainer Niko Eronen.

Heimspiel in Heilbronn: Falken-Fans schweigen aus Protest gegen die Clubführung

Die Falken-Fans sorgten aber nicht nur durch ihre Aktionen im Schlussabschnitt für ein denkwürdiges Heimspiel der Falken. Auch die ersten 40 Minuten waren ein starkes Statement. Zwar herrschte bei der Vorstellung der Mannschaft zum Oberliga-Heimspiel gegen die Stuttgart Rebels, das die Unterländer mit 2:7 (1:3, 0:3, 1:1) verloren, noch eine Totengräber-Stimmung im Eisstadion am Europaplatz, nachdem am Mittwoch die Insolvenz des Eishockey-Drittligisten bekannt geworden war. Doch nach den ersten zwei Minuten, in denen die Anhänger den Falken wie gewohnt die Unterstützung aus Protest gegen die Clubführung verweigerten, wurde es richtig laut.

Genau nach zwei gespielten Minuten flogen Krepppapier-Rollen in den Vereinsfarben rot, weiß und blau auf das Spielfeld. Gleichzeitig entrollten die Fans ein Banner mit der Aufschrift „Die Farben, die wir lieben“ und begannen zu skandieren „Auf geht’s Heilbronn, wir wollen Euch siegen sehen“.

Falken-Trainer von Fan-Support beeindruckt – "was für eine Atmosphäre die Fans heute im Eisstadion erzeugen"

„Zwischen dem ersten und dem zweiten Drittel haben wir uns darüber unterhalten, was für eine Atmosphäre die Fans heute im Eisstadion erzeugen. Daraus sollten wir eigentlich Energie ziehen und dankbar sein, was sie für uns nicht nur heute, sondern schon die gesamte Saison über tun.“

Auch nach der ersten Drittelpause schwiegen die Fans wieder zwei Minuten lang. Dann setzte die Unterstützung wieder ein. Dazu wurde ein Banner entrollt mit der Aufschrift „Die Pfeifen, die wir kriegen“ und ein Konterfei von Franz Böllinger mit einer langen Pinocchio-Nase gezeigt – in Anspielung darauf, dass sich die Fans vom geschäftsführenden Gesellschafter in den vergangenen Monaten hinters Licht geführt fühlten. Später wurde Böllinger auf einem weiteren Spruchband sowie mit Gesängen übel beleidigt.

„Fanszene Heilbronn“ zündet Eskalationsstufe am Ende des Falken-Heimspiels

Im letzten Drittel zündete die „Fanszene Heilbronn“ dann aber ihre angekündigte Eskalationsstufe. Diese hatte sie in einem sechsseitigen Statement mit dem Titel: „Die Fanszene deckt auf! Die Wahrheit über die Heilbronner Falken GmbH“ angekündigt, dass sie vor Spielbeginn im Eisstadion verteilt und auch im Internet veröffentlicht hat. Darin wurde gewarnt: „Unsere öffentliche Warnung an die Führung der Heilbronner Falken GmbH wurde klar und deutlich formuliert. Sie ist bekannt. Sie ist dokumentiert. Und sie wurde nicht aus der Emotion heraus ausgesprochen, sondern aus der Notwendigkeit heraus. Der 30. Januar 2026 markiert den Tag, an dem die nächste Eskalationsstufe unserer Proteste erreicht wird.“

Die Partie war da bereits entschieden. Den Heilbronnern, bei denen die Verteidiger Leon Fern und Jeroen Plauschin sowie die Stürmer Sebastian Hon und Niklas Jentsch (alle krank), der nach dem Warmmachen passen musste, fehlten, war deutlich anzumerken, wie verunsichert sie nach den Ereignissen in dieser Woche waren. Bereits nach 19 Sekunden musste Jokinen zum ersten Mal hinter sich greifen. Jack Bloem war der Torschütze zum 1:0. Nico Geidl (3.) und Florian Renner (8.) ließen noch im ersten Drittel weitere Tore zur Stuttgarter 3:0-Führung folgen. Zwischenzeitlich hatte Thore Weyrauch, der entgegen der Stimme-Informationen doch noch keine Freigabe erhalten hat, auf 1:2 (5.) verkürzt.

Heilbronner Falken kassieren Gegentor in wenigen Sekunden im Heimspiel gegen Stuttgart Rebels

Im Mittelabschnitt ging es weiter mit dem Scheibenschießen. Dieses Mal waren nur 17 Sekunden nach Beginn des Drittels gespielt, ehe Renner auf 4:1 erhöhte. Geidl (24.) und Bloem (27.) legten weiter nach. Die letzten beiden Treffer ließen Vieregge (56.) und Jokinen (57.) folgen. „Hut ab vor den Jungs, die trotz der emotionalen Achterbahnfahrt in dieser Woche ihre Schutzausrüstung und die Trikots angezogen haben und den Club repräsentiert haben. Außerdem haben sie ihr Bestes versucht. Doch physisch und psychisch ist die Situation eigentlich untragbar für die Spieler“, berichtet Eronen.

Tor: Jokinen, Berger; Abwehr: Mapes – Krenzlin, Berry – Schiller, Drothen – Schams; Angriff: Anderson – Weyrauch – Skvorcovs, Just – Cabana – Jentsch, Ludin – Wagner – Fabian.

Tore: 0:1 Bloem (1.), 0:2 Geidl (3.), 1:2 Weyrauch (5.), 1:3 Renner (8.), 1:4 Renner (21.), 1:5 Geidl (24.), 1:6 Bloem (27.), 1:7 Vieregge (56.), 2:7 Jokinen (57.).

Schiedsrichter: Erich Singaitis/Tim Heffner.

Strafminuten: 0/6.

Zuschauer: 2135.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben