Mit dem Eingang des Insolvenzantrages übernimmt der vorläufige Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Peter Roeger aus Bayreuth, die Hoheit über die Finanzen der Heilbronner Falken GmbH und Co. KG. „Er hat die Aufgabe, durch Überwachung der Schuldnerin deren Vermögen zu sichern und zu erhalten, und hat zu prüfen, ob das Vermögen der Schuldnerin die Kosten des Verfahrens decken wird“, heißt es in dem Gerichtsbeschluss. Und weiter: „Der Schuldnerin wird verboten, über Bankkonten und über Außenstände der Schuldnerin ganz oder teil-weise zu verfügen.“
Heilbronner Falken insolvent – geht der Spielbetrieb in der Eishockey-Oberliga weiter?
Die Heilbronner Falken sind zahlungsunfähig – der vorläufige Insolvenzverwalter kennt die Oberliga Süd. Offenbar bestehen Außenstände in hoher sechs- bis siebenstelliger Höhe.
Eine Hängepartie über die vergangenen Tage ist seit Mittwoch um 17 Uhr zu Ende: Die Heilbronner Falken GmbH & Co. KG, vertreten durch die Komplementärin HF-Verwaltungs-GmbH, hat Antrag auf Insolvenz gestellt, wie das Amtsgericht Heilbronn öffentlich gemacht hat. Der Eishockey-Oberligist machte dagegen noch Stunden zuvor Business as usual.
Insolvenzverfahren der Heilbronner Falken: Geschäftsführer äußern sich nicht
Am Nachmittag ging die Ankündigung, wann der Ticketvorverkauf für die restlichen Heimspiele anläuft, online. Zum Insolvenzverfahren kein Ton über die offiziellen Kanäle. Auf Nachfrage unserer Zeitung auch keine weiteren Statements. „Ich möchte mich im Moment öffentlich nicht dazu äußern“, erklärt Tom Bucher, der mit Rainer Maurer und Geschäftsführer Franz Böllinger Gesellschafter bei der Falken GmbH ist.
„Ich möchte mich im Moment öffentlich nicht dazu äußern.“
Tom Bucher
Besorgte Blicke auch aus Stuttgart nach der Insolvenz der Heilbronner Falken
Ob die restlichen Partien der Hauptrunde – eine Teilnahme an den Playoffs ist laut Statuten den Clubs eh untersagt, wenn sie Insolvenz angemeldet haben – ausgetragen werden, ist offen. „Wir wissen nur, dass die Heilbronner Insolvenz angemeldet haben“, berichtet Roland Schmid, Geschäftsführer der Stuttgart Rebels, die am Freitagabend zu Gast am Europaplatz sein sollen.
„Das Wichtigste ist, dass die Heilbronner das Thema schnellstmöglich gelöst bekommen und die richtigen Schritte gehen“, sagt Schmid. „Wir müssen auch erst mal abwarten, was noch bekannt wird.“ Ein Indiz, dass die Falken die Hauptrunde zu Ende spielen und nicht direkt vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB) aus dem Spielbetrieb genommen werden, ist, dass Peter Roeger aus Bayreuth zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt wurde.
Peter Roeger soll Wunschkandidat der Falken-Verantwortlichen gewesen sein
Rechtsanwalt Peter Roeger hatte vor knapp zwei Jahren auch den Weg des Oberliga-Konkurrenten Bayreuth Tigers aus der Zahlungsunfähigkeit begleitet und soll Wunschkandidat der Falken-Verantwortlichen gewesen sein. Informationen dazu hat der Verband allerdings noch nicht veröffentlicht.
Die Insolvenz hatte sich schon seit Tagen angedeutet. Nach Informationen unserer Zeitung war letztlich ausschlaggebend für diesen Schritt, dass der Club am 10. Januar Außenstände beim Finanzamt nicht bezahlen konnte. Die Verbindlichkeiten der Heilbronner Falken sollen sich auf einen hohen sechsstelligen, eventuell sogar siebenstelligen Betrag belaufen.
Verpuffte Falken-Rettungsaktion im Vip-Raum des Heilbronner Eisstadions
Die letzte Rettungsaktion war rund um das Wochenende 17./18. Januar verpufft. Mit dem Mute der Verzweiflung hatten die Gesellschafter rund 60 Sponsoren und Partner kurzfristig auf jenen Freitag in den Vip-Raum des Eisstadions geladen. Bei diesem Termin sollte über den „aktuellen Stand“ der Dinge informiert und nach möglichen Lösungen „für die Rettung der Heilbronner Falken“ gesucht werden, wie es im Einladungsschreiben hieß.
„Das Wichtigste ist, dass die Heilbronner das Thema schnellstmöglich gelöst bekommen.“
Roland Schmid
Offenbar hatten „die bisherigen Aktivitäten“ nicht ausgereicht, um den Etat für die Saison 2025/26 sicherzustellen. „Ohne eine gemeinsame Kraftanstrengung werden wir es nicht schaffen, das Aus zu verhindern und neue Wege zu gehen“, hieß es weiter eindringlich in dem Schreiben. In den Gesprächen im Vip-Raum des Eisstadions, die Böllinger als „konstruktiv“ bezeichnete, wurde eine schriftliche Absichtserklärung verteilt.
Rettungsversuch der Heilbronner Falken: Vier Möglichkeiten zur finanziellen Unterstützung
In dieser sollten die Sponsoren die Höhe ihres beabsichtigten Engagements kundtun. In dem Papier hieß es: „Ich will die Heilbronner Falken mit einem finanziellen Beitrag unterstützen, um eine drohende Insolvenz abzuwenden. Ich bin daher bereit den Betrag von [...] Euro zeitnah einzubringen.“ Die gespendete Summe diene „ausschließlich der Rettung und Erhaltung der Heilbronner Falken und damit dem Profi-Eishockey in Heilbronn“.
Weiter unten konnten Sponsoren ankreuzen, in welcher Form sie Geld zur Verfügung stellen wollen. Zur Auswahl standen vier Möglichkeiten: Mittel zur Rettung ohne direkte Gegenleistung, Mittel zum Eintritt als Gesellschafter, Mittel als zusätzliches Sponsoring oder Mittel als langfristiges Darlehen.
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