Fan-Ultimatum abgelaufen: Welche Aktionen drohen bei den Heilbronner Falken?
Die Fans der Heilbronner Falken forderten von der Clubführung, am 29. Januar „die ganze Wahrheit“ ans Licht zu bringen, sonst würden im Heimspiel gegen die Stuttgart Rebels „die letzte Stufe unserer Maßnahmen zünden“.
Das Ultimatum von Mitte Januar ist an diesem Donnerstag verstrichen. Zufrieden dürfte die „Fanszene Heilbronn“ mit den Statements der Verantwortlichen der Heilbronner Falken nicht sein. Die bis 29. Januar eingeforderte „ganze Wahrheit“, was auch immer die Fan-Gruppierung des Unterländer Eishockey-Oberligisten darunter versteht, ist definitiv nicht ans Licht gekommen.
Auch mit den Statements der Falken zur Insolvenz dürfte sich die „Fanszene Heilbronn“ nicht zufrieden geben. Denn statt etwas eigenes zu formulieren, veröffentlichte der Drittligist auf seinen Kanälen nur die Pressemitteilung der Pluta Rechtsanwalts GmbH, dessen Gesellschafter Peter Roeger als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt wurde.
Noch vor Falken-Insolvenz hat die „Fanszene“ Maßnahmen beim Heimspiel gegen Stuttgart angedroht
Als Ultima Ratio hat die „Fanszene Heilbronn“ deshalb Maßnahmen beim Oberliga-Heimspiel der Heilbronner Falken gegen die Stuttgart Rebels an diesem Freitag (19.30 Uhr) im Eisstadion am Europaplatz angekündigt. Es ist die Rede davon, „konsequent die letzte Stufe unserer Maßnahmen zu zünden“. Was darunter zu verstehen ist, ließ die Gruppierung offen. Die Begründung: „Transparenz ist keine Verhandlungsmasse, sondern eine Pflicht.“
Schon die gesamte Saison über wird mehr Offenheit von der Falken-Führung um den geschäftsführenden Gesellschafter Franz Böllinger und seine Gesellschafterkollegen Tom Bucher und Rainer Maurer von den Fans eingefordert. Deren Großzügigkeit hatte es dem Drittligisten im Sommer erst ermöglicht, auf juristischem Weg die Lizenz für die Oberliga-Saison 2025/26 zu erstreiten. Über eine Crowdfunding-Kampagne sammelten die Falken-Anhänger mehr als 100.000 Euro an Spenden.

Erste kritische Stimmen über die Kommunikationsstrategie der Falken-Führung wurden bereits im Sommer laut
Doch so groß die Unterstützung für die Falken auch war, es kamen schon im Sommer erste kritische Stimmen auf. Frank Grau, Beisitzer im Fanclub Neckarpower, sagte beispielsweise direkt nach der Lizenzerteilung: „Ich würde mir noch wünschen, dass die Kommunikation im Allgemeinen zwischen der GmbH und den Fans beziehungsweise der Öffentlichkeit besser wird.“
Die Kommunikationsstrategie der Heilbronner wurde allerdings nicht besser. Und mit jeder Woche, die verstrich, ohne dass Informationen über die tatsächliche finanzielle Situation der Falken veröffentlicht wurden, wurde das Verhältnis zwischen GmbH und Fans eisiger. Erstmals eskaliert ist die Situation beim ersten Saison-Heimspiel der Falken. Dieses nutzten die Anhänger der Unterländer, um ihrem Ärger über die Führung des Clubs freien Lauf zu lassen. Bereits vor Spielbeginn skandierten sie „Wir haben die Schnauze voll“ und entrollten ein Transparent, auf dem „Gesellschaftsstrukturen ändern jetzt!“ gefordert wurde.
Mehrmals veröffentlichten die Fans der Falken in den Sozialen Medien Forderungskataloge
Zudem wurde in den Sozialen Medien ein Forderungskatalog unter dem Titel „Es ist zwei vor zwölf!“ veröffentlicht. Darin wird explizit der geschäftsführende Gesellschafter Franz Böllinger kritisiert. Vier zentrale Forderungen will die aktive Fanszene erfüllt sehen: einen hauptamtlichen Geschäftsführer, die Trennung von Kapital und Kontrolle innerhalb der GmbH, eine transparente und offene Kommunikation zu den Fans und die Offenlegung der Verwendung der durch die Crowdfunding-Kampagne der Anhängerschaft eingenommenen 100.000 Euro. Als Böllinger sich vor Spielbeginn für diese Unterstützung bedankte, hallte ihm ein gellendes Pfeifkonzert entgegen.
In der Folge verweigerten die Fans der Falken auf der Stehplatztribüne bei jedem Heimspiel ihre Unterstützung in den ersten knapp drei Minuten. Fan-Gesänge wurden erst danach angestimmt.
Auch die Ankündigung des geschäftsführenden Gesellschafters, sich zurückzuziehen, brachte keine Ruhe
Mitte November kündigte dann Franz Böllinger seinen Rückzug an. Der geschäftsführende Gesellschafter erklärte „in absehbarer Zeit nicht länger als Gesellschafter und Geschäftsführer beteiligt“ zu sein. Präzisierungen? Fehlanzeige. Das ließ Gerüchte sprießen, weshalb auch Christian Hörtkorn mehr Klarheit forderte. Der Versicherungsunternehmer ist einer der Premium Partner des Eishockey-Oberligisten und prominent auf dem Trikot der Profis vertreten. „Ich fordere, dass alle Fakten auf den Tisch kommen und die Öffentlichkeit über die aktuelle Situation informiert wird“, teilte Hörtkorn bereits vor dem angekündigten Böllinger-Rückzug mit.
Genutzt hat es nichts. Kurz vor Weihnachten im Heimspiel gegen den EC Peiting dann der endgültige Bruch. Mit einem Trillerpfeifen-Konzert wurde beinahe ein Spielabbruch provoziert. Dazu wurde ein Spruchband entrollt, auf dem „Böllinger, Bucher, Maurer, wir haben genug von euch Pfeifen!“ zu lesen war und Flyer mit dem Titel „Jetzt ist Schluss“ verteilt. Darin wurden die Zuschauer aufgefordert, die Proteste zu verschärfen.
Bisheriger Höhepunkt der Fan-Aktionen: Trillerpfeifen-Konzert beim Heimspiel gegen Peiting
„Nachdem in den letzten Wochen erneut etliche besorgniserregende Dinge von Seiten der Gesellschafter unkommentiert durch die Eishalle und deren Umfeld geisterten, sehen wir uns heute zur nächsten Stufe des Protests gezwungen“, heißt es eingangs des Statements. „Jeder Falkenfan ist von den Gegebenheiten, die rund um die Heilbronner Falken GmbH aktuell herrschen, genervt. Genauso muss auch ein Protest nerven, um Aufmerksamkeit zu erlangen“, geht das Statement weiter.
Als zweite Proteststufe wurde in der verbliebenen Zeit des ersten Spielabschnitts gegen Peiting geschwiegen: „Um zu zeigen, dass wir uns nicht länger verarschen lassen“, hieß es dazu im Flyer. Flankiert wurde diese Aussage mit einem zweiten Banner, welches während der Powerbreak-Unterbrechung entrollte wurde. Darauf stand: „Wir machen es euch nach und schweigen uns zu Tode“.
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