Nimmt Vandalismus an Wahlplakaten zu? Parteien nennen Vorfälle
Im Wahlkampf werden Plakate anderer Parteien und Kandidaten verunstaltet, zerstört oder gar gestohlen. Politiker aus Heilbronn-Franken beurteilen die Vandalismus-Entwicklung.
Durchgestrichene Gesichter, abgerissene Plakate, gekritzelte Beleidigungen. Wenn, wie seit Ende Januar, die Zeit der Wahlplakate für die Landtagswahl am 8. März begonnen hat, kommt es auch immer wieder zu Zerstörungen der prominent platzierten Werbung. Wie nehmen die Kandidaten im Stadt- und Landkreis Heilbronn sowie im Hohenlohekreis den Umgang mit den Plakaten und den Wahlkampf generell wahr?
Vandalismus an Wahlplakaten: Parteien beziehen Stellung
„Nach meiner Ansicht kommt es weniger häufig zu Beschädigungen der Wahlplakate als etwa im Vergleich zur Bundestagswahl vor einem Jahr“, sagt Nico Weinmann, FDP-Landtagsmitglied und Kandidat für den Wahlkreis Heilbronn.
Jegliche Form des Schadens an Wahlplakaten lehnt er kategorisch ab: „Das ist weder ein Scherz noch ein Kavaliersdelikt. Über alle Parteien hinweg kämpfen die Mitglieder um die Stimmen, Ehrenamtliche hängen die Plakate auf. Es ist ein Zeichen der Schwäche, die Werbung der Konkurrenz zu beschädigen. Egal, ob als Parteimitglied oder als Privatperson, die eine bestimmte politische Richtung ablehnt.“
Wahlplakat-Vandalismus: AfD-Vertreter hängen Werbung bewusst hoch
Wahlplakate in der Din-A0-Größe haben etwa einen Wert von fünf Euro. „Eine Zerstörung ist immer auch ein materieller Verlust. Das Ärgerliche ist aber vor allem der dann verpuffte Aufwand der ehrenamtlichen Helfer“, sagt Dennis Klecker. Er ist AfD-Kandidat für den Wahlkreis Eppingen.
Seine Partei sei immer wieder von Plakat-Zerstörung betroffen. Die Häufigkeit unterscheide sich aber von Kommune zu Kommune. Klecker: „Wir hängen unsere Plakate nach Möglichkeit bewusst hoch, um Beschädigungen zu erschweren.“
Im Stadt- und Landkreis Heilbronn habe die AfD laut Klecker rund 1600 Wahlplakate aufgehängt. „Etwa zwei Drittel davon sind in der Größe A1, ein Drittel hat die doppelte Größe A0“, berichtet Klecker. Besonders ärgerlich sei es, wenn Bauzaun-Banner abgerissen oder anderweitig zerstört werden. Da sei man rasch bei einem Schaden von je 50 Euro.
Wahlplakate gezielt abgerissen? Grünen-Kreisverband Heilbronn erstattet Anzeige
So sieht es auch Kleckers Parteikollege Maximilian Decker, AfD-Kandidat für den Wahlkreis Heilbronn. „Im Zuge dieses Wahlkampfs wurde uns bereits ein Bauzaun mit Wahlwerbung komplett gestohlen.“ Der 38-Jährige findet: Die Zerstörung der Wahlplakate kommt häufiger vor als noch vor einem Jahr bei der Bundestagswahl. „Teilweise kochen die Emotionen schon hoch.“

Erwin Köhler ärgert sich besonders: Der Landtagsabgeordnete der Grünen für den Wahlkreis Eppingen hat entdeckt, dass in Eppingen und Gemmingen mehrere seiner Wahlplakate abgerissen wurden. An den entsprechenden Plätzen hänge nun Werbung anderer Parteien, vor allem von der AfD. Zudem seien einige Grünen-Plakate verschoben worden – zugunsten der anschließenden Werbe-Platzierung der Konkurrenz. Köhler: „Unser Heilbronner Kreisverband der Grünen hat bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt erstattet.“
Landtagswahl 2026: Zerstörung von Wahlplakaten ist Sachbeschädigung
Decker und Klecker befürworten einen fairen Wahlkampf. „Wenn ich mitbekomme, dass Wahlkampfhelfer mit Sachbeschädigung gegen die Wahlwerbung der Konkurrenz vorgehen, würde ich sofort entsprechende Sanktionen gegen die Betreffenden in die Wege leiten“, erklärt Maximilian Decker.
Wer Wahlplakate zerstört, macht sich der Sachbeschädigung, die mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder Geldstrafe geahndet wird, schuldig. Beim Entwenden, etwa des genannten AfD-Bauzauns, liegt Diebstahl vor. Hierbei steht eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe im Raum.
„In Einzelfällen werden Wahlplakate auch mit Parolen oder Zeichen beschmiert. Hier können unter Umständen noch weitere Straftatbestände wie Beleidigung, Bedrohung oder das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verwirklicht sein“, berichtet Petra Rutz, Sprecherin der Polizei Heilbronn.
Mehrere Anzeigen wegen zerstörter Wahlplakate bei der Heilbronner Polizei
Ob sich die Beschädigung von Wahlplakaten im Rahmen des Wahlkampfs zur baden-württembergischen Landtagswahl 2026 häuft, sei polizeilich noch nicht feststellbar. Das sei laut Rutz erst nach Wahlkampfende klar, da entsprechende Anzeigen oft erst zeitverzögert eingehen. Allerdings liegen diesbezüglich bereits mehrere Anzeigen bei der Heilbronner Polizei vor.
Dabei sei es keineswegs ausgeschlossen, die Täter zu ermitteln. Petra Rutz räumt zwar ein, dass die Mehrzahl der Randalierer aufgrund fehlender Spurenlage unbekannt bleibt. In der Vergangenheit haben Polizisten allerdings gelegentlich Übeltäter auf frischer Tat ertappt.
Heilbronn-Franken: wie Politiker den Wahlkampf wahrnehmen
In Erwin Köhlers Wahrnehmung kommt es zu weniger Plakat-Beschädigung als noch im Bundestagswahlkampf 2025. Den grundsätzlichen Umgang im täglichen Wahlkampfdialog zwischen den Vertretern der Parteien sowie in Bezug auf die Bürger bezeichnet Nico Weinmann als positiv. „Da geht es erfreulich fair zu. Möge es auch in den kommenden Wochen so bleiben“, sagt der FDP-Landtagsabgeordnete.
Auch Tim Breitkreuz bezeichnet den Wahlkampf nach seinen bisherigen Erlebnissen als angenehm: „Aktuell sind uns mit wenigen Ausnahmen keine größeren Beschädigungen bekannt. Das spricht für den respektvollen Umgang miteinander – auch in der Bevölkerung“, berichtet der CDU-Landtagskandidat in Hohenlohe.
Allerdings seien ihm aus anderen Wahlkreisen Vorfälle bekannt, die mit massiver Zerstörung von Wahlplakaten und Bannern einhergehen. Auseinandersetzungen zwischen politischen Konkurrenten laufen sachlich zwar aufgeladen, im persönlichen Umgang jedoch fair ab.
Landtagswahl 2026: Dialog zwischen Politikern und Bürgern im Wahlkampf
Diese Einschätzung bestätigt auch Jonas Aberle, Hohenloher Direktkandidat der SPD. „Meiner Ansicht nach werden im momentanen Wahlkampf weniger Plakate zerstört als bei der zurückliegenden Kommunal- und bei der Europawahl. Das ist sehr erfreulich.“ Der Dialog mit den Bürgern und auch mit den Vertretern der Konkurrenz-Parteien sei nahezu ausnahmslos offen, fair und positiv. Aberle und sein Team haben in ihrem Wahlkreis an rund 400 Standorten plakatiert.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare