Frust über Glasfaser-Ausbau: Probleme mit Deutsche Giganetz von Dörzbach bis Zaberfeld
Der Glasfaser-Ausbau läuft nicht überall reibungslos ab. In Hohenloher Kommunen und in Zaberfeld macht sich Frust breit, denn dort liegen die Bauarbeiten der Deutschen Giganetz auf Eis – oder wurden ganz abgeblasen.
„Nachdem uns die Deutsche Giganetz hat hängen lassen“, werde der Breitbandausbau die Gemeinde Millionen kosten. Das sagt der Dörzbacher Bürgermeister Andy Kümmerle sichtlich frustriert in einer Bürgerversammlung im Jahr 2024. Bereits damals ist klar: Im Jagsttal wird die Deutsche Giganetz (DGN) ihr Versprechen brechen, Glasfaser bis an jedes Gebäude zu bringen.
Frust in Dörzbach: Absage der Deutschen Giganetz beim Glasfaser-Ausbau
Wie viele andere Kommunen im Hohenlohekreis hatten die Dörzbacher eine Kooperationsvereinbarung mit der DGN geschlossen. Sie hatten sie bei der Vorvermarktung unterstützt und auf den eigenwirtschaftlichen Ausbau des Unternehmens gesetzt. Nach der Absage der DGN muss Dörzbach selbst tätig werden – mit Eigenmitteln und Zuschüssen: Obwohl der Glasfaser-Ausbau, wie Andy Kümmerle und viele seiner Bürgermeister-Kollegen immer wieder betonen, eigentlich keine kommunale Aufgabe sei.
Schöntal hatte indes ein Ass im Ärmel: Als die DGN den Ausbau nicht verbindlich zusagen wollte, berief man sich auf das Angebot eines Wettbewerbers: der Netcom. Teile des Gemeindegebiets sollen nun über deren eigenwirtschaftlichen Ausbau an schnelles Internet kommen.
„Unwirtschaftlichen Doppelausbau vermeiden“ – kein Glasfaser-Ausbau von Deutsche Giganetz im Kochertal
Nach dem Hohenloher Jagsttal legt die DGN nun auch das Kochertal auf Eis. Vorerst, wie man in einer aktuellen Pressemitteilung betont. „Nach intensiven Bemühungen sowie erheblichen bereits getätigten Investitionen in Vermarktung, Netzplanung und Bauvorbereitungen für ein hochmodernes Glasfasernetz haben sich die Rahmenbedingungen maßgeblich verändert“, erklärt die DGN. Trotz der Kooperationsvereinbarung mit der Stadt müsse das Projekt neu abgewogen werden, „um einen unwirtschaftlichen Doppelausbau zu vermeiden“. Angespielt wird hier auf die neuesten Pläne der Telekom, im Stadtgebiet von Künzelsau Glasfaser verlegen zu wollen.
„In Netzbereichen in der Größenordnung von Künzelsau und den weiteren Kommunen ist ein privatwirtschaftlicher Glasfaserausbau mit mehr als einem Glasfasernetz nicht wirtschaftlich darstellbar“, erläutert Martin Herkommer von der DGN. Durch den Wettbewerber schrumpfe in dem ohnehin dünn besiedelten Gebiet das Kundenpotenzial unter die Wirtschaftlichkeitsgrenze.
Glasfaser-Ausbau in Zaberfeld? Kaum Fortschritt in Teilorten
Den Status des Glasfaser-Ausbaus in Zaberfeld definiert die DGN formell als „im Bau“. Doch gebaut wird dort aktuell nicht. Deshalb herrscht auch dort Frust. Der Besuch von Giganetz-Vertretern sorgte zuletzt im Gemeinderat für erhitzte Gemüter. Im Ortskern und in den Teilorten verläuft der Glasfaser-Ausbau, der 2023 startete, schleppend und ruht stellenweise völlig.
So ist der Trassenbau in Ochsenburg erst zu 40 Prozent abgeschlossen, in Michelbach und Leonbronn ist noch gar nichts passiert. Das ursprüngliche Ziel, den Ausbau bis Ende 2024 abzuschließen, wurde nicht erreicht. Grund für die Verzögerungen seien unter anderem häufige Wechsel bei der Bauleitung gewesen.
Kritik an Kommunikation der Deutschen Giganetz – Gemeinde Zaberfeld hängt beim Glasfaser-Ausbau in der Luft
Hinzu kommt: Die Bürger fühlen sich von der DGN nicht genügend abgeholt. Sie kritisieren mangelnde Transparenz, was den Fortschritt und die Beseitigung von Mängeln angeht, etwa heraushängende Kabel und offene Straßengräben. „Für mich ist das alles sehr unzufriedenstellend“, betont Bürgermeisterin Diana Danner.
Trotzdem hält die DGN nach eigenen Angaben daran fest, dass der Ausbau gelingen kann. Als neues Ziel wird in der Sitzung der Sommer 2026 genannt. Einen Monat später ist diese Information bereits überholt: Die Arbeiten ruhen. Der Grund sei ein Streit zwischen der DGN und einem Subunternehmer über nicht beglichene Rechnungen. „Solange dieser Streit nicht beigelegt ist, herrscht bei uns Stillstand“, erklärt Diana Danner Anfang April.
Der Endverbraucher spiele für Giganetz keine Rolle, so ihr Eindruck. „Das hat mich sehr betroffen gemacht“, erklärt sie. Sie kritisiert: Wechselnd gebe es neue Ansprechpartner seitens der DGN, die Kommunikation laufe schlecht. Die Bürger wüssten nicht, ob sie ihre alten Internetverträge verlängern sollen oder nicht. Auch Danner kann ihnen das nicht beantworten, die ganze Gemeinde hängt so in der Luft.
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