Droht im Kochertal neuerlicher Verzug beim Glasfaser-Ausbau?
Die Deutsche Giganetz vermeldete zwar den nahenden Baustart für weitere sechs Kommunen, aber am wichtigen Knotenpunkt Künzelsau hakt es gewaltig. Was das Problem ist – und warum der angekündigte Zeitplan ins Wanken geraten könnte.

Die entsprechende Pressemitteilung des Hamburger Konzerns ist erst wenige Tage alt - und doch bereits in Teilen wieder von den aktuellen Entwicklungen eingeholt: "Nächste Meilensteine für den flächendeckenden Glasfaserausbau" ist jene übertitelt. Die Deutsche Giganetz (DGN) kündigt dort an: Im Hohenlohekreis soll innerhalb des nächsten Halbjahrs in weiteren sechs Kommunen mit der eigenwirtschaftlichen Installation des Glasfaser-Internets begonnen werden.
"Mit stetigem Blick auf unser Ziel, den Hohenlohekreis großflächig auszubauen, haben wir trotz vieler Herausforderungen bedeutende Fortschritte gemacht", betont Giganetz-Geschäftsführer Wolfram Thielen. Nun könne man in Forchtenberg, Ingelfingen, Niedernhall, Weißbach, Kupferzell und Künzelsau demnächst loslegen.
Glasfaser der Deutschen Giganetz: Schon wieder Fragezeichen
Martin Herkommer, Leiter der strategischen Geschäftsentwicklungen bei jenem Konzern, dessen Tun und Kommunikation im Hohenlohekreis seit langer Zeit schon kritisch beäugt wird, formuliert die Ziele dort wie folgt: "In den Kochertaler Kommunen Forchtenberg, Ingelfingen, Niedernhall und Weißbach haben die Bauplanungen begonnen." Hier sei der Ausbau-Start im Mai fix. Und: "Abhängig von den Wetterbedingungen planen wir, in Kupferzell und Künzelsau spätestens im April mit den Tiefbauarbeiten zu beginnen."
Doch hinter dem Zeitplan fürs Kochertal steht offenbar nun schon wieder ein Fragezeichen: Denn bereits in genannter Pressemitteilung war auf noch ausstehende "letzte Abstimmungen" mit der Künzelsauer Stadtverwaltung verwiesen worden. Und jene sind aus Perspektive von Giganetz anders als gewünscht ausgegangen: "In Künzelsau verzögert ein laufendes Betreiberauswahlverfahren unseren eigenwirtschaftlichen Ausbau", sagt Giganetz-Sprecherin Simone Gerrits auf Stimme-Nachfrage nun. "Trotz unserer Bemühungen, eine konstruktive Lösung zu finden, und bereits getroffener Vorbereitungen für einen Start im Jahr 2023 stößt unser Dialogwunsch bei der Stadtverwaltung auf Widerstand", so die Konzernvertreterin weiter. Dies behindere nicht nur den Ausbau in Künzelsau, sondern beeinträchtige auch weitere Gemeinden im Kocher- und Jagsttal, welche per sogenannter Backbone-Anbindung auf den Ausbau des Glasfasernetzes von Künzelsau aus angewiesen seien.
Gegenseitige Beschuldigungen zwischen Giganetz und Künzelsau
Woran also hakt es in der 16500-Einwohner-Start noch? Konfrontiert mit den Äußerungen des Telekommunikationskonzerns schiebt Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann den Schwarzen Peter zurück zur DGN: "Der Breitbandausbau hat in Künzelsau oberste Priorität. Nachdem es jedoch beim privatwirtschaftlichen Ausbau zu Verzögerungen seitens des Unternehmens kam und auch viele Details noch abzustimmen waren, haben wir uns dazu entschieden, das Ergebnis der aktuell laufenden Ausschreibung des städtischen Breitbandnetzes abzuwarten", so der Künzelsauer Bürgermeister.
Was ist damit konkret gemeint? Besagtes geförderte Ausschreibungsverfahren betrifft die bereits vorhandene Netz-Infrastruktur, die sich im städtischen Besitz befindet. Für sie wird ein Betreiber gesucht. Die andere Säule - die Verlegung neuer Rohre und Kabel auf Basis bereits geschlossener Verträge mit den Kunden - ist das Hauptanliegen von Giganetz. Die Hamburger Firma könnte sich freilich auch an der Betreiber-Ausschreibung fürs städtische Netz beteiligen, hat aber natürlich das Interesse, möglichst zeitnah mit dem eigenwirtschaftlichen Ausbau zu starten und die - teils längst verärgerten - Kunden damit an sich zu binden.
Ist der Giganetz-Ausbau ab April in Künzelsau in Gefahr?
Folgt man der Aussage des Künzelsauer Bürgermeisters, dass zunächst das Ende besagter Ausschreibung abgewartet werden soll, ehe Giganetz seinerseits loslegen darf, könnte dies womöglich noch zu monatelanger Verzögerung führen. Denn laut Künzelsaus Sprecherin Elke Sturm wird das Verfahren erst "voraussichtlich im zweiten Quartal" abgeschlossen sein. Jenes Prozedere diene der Wahrung der Interessen der Stadt, heißt es.
Ist also der für April annoncierte Ausbau-Start in Künzelsau in Gefahr - und damit womöglich auch die Anbindung der Orte hinter dem wichtigen Knotenpunkt? Nach Stimme-Informationen scheint dies durchaus wahrscheinlich. Giganetz-Sprecherin Simone Gerrits sagt: "Aktuell setzen wir alle Hebel in Bewegung - auch über die Stadt hinaus - um den geplanten Baubeginn einhalten zu können." Sie zeigt sich noch optimistisch, zu einer "positiven Lösung in Künzelsau" gelangen zu können und den Ausbau im Kochertal "nicht stoppen" zu müssen.
Wie geht es mit Giganetz im Jagsttal und in Kupferzell weiter?
In Kupferzell wurde der Giganetz-Glasfaser-Ausbau bekanntlich in zwei Phasen aufgeteilt - und der örtliche Gemeinderat hatte nach mehrfacher Verzögerung die Gemeindeverwaltung im November aufgefordert, die Zusammenarbeit zu überdenken. Nun ist klar: Neben dem ersten Bauabschnitt, der vor Ort laut Konzern "ab April/Mai" begonnen werden soll, wird Giganetz auch an der entsprechenden, bereits initiierten, Ausschreibung für die Phase zwei teilnehmen. "Der Zeitplan und Umfang unseres Ausbaus der Phase zwei hängt somit vom Ausgang dieses Verfahrens ab", so Sprecherin Gerrits.
Und was gibt es Neues im Jagsttal, wo der Konzern die Pläne für Schöntal, Krautheim und Dörzbach im Oktober auf Eis gelegt hatte? Noch immer existiere hier "kein fester Zeitplan", sagt Gerrits. Und dies werde sich mindestens bis zur Jahresmitte auch nicht ändern. "Die Deutsche Giganetz hat nach wie vor das Ziel, das Jagsttal auszubauen", bekundet die Konzernrepräsentantin.
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