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Aquatoll-Sanierung: Investor ist in Worms aktiv – und hält sich gerne im Hintergrund

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Das beliebte Erlebnisbad soll 2028 wieder öffnen. Hinter den Kulissen wird eifrig diskutiert, wer alles seinen Beitrag dazu geleistet hat. Ein Überblick über die Chronologie der Ereignisse. 


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Bei der OB-Wahl 2016 hatte sich Steffen Hertwig noch klar zur Sanierung des Aquatoll bekannt. 2022 wurde dann aber unter seiner Ägide das Erlebnisbad geschlossen. Für Steffen Hertwig war das nie ein Widerspruch: Die aktuelle Lage habe sich eben geändert. 

Ausschlaggebend für die Schließung nach mehr als 30 Jahren war eine Kostenberechnung aus dem Jahr 2022, wonach die Sanierung rund 37,5 Millionen Euro gekostet hätte. Nun steht die Wiedereröffnung des beliebten Freizeitbades wieder auf dem Programm. Dieter Mörlein, der erste Werkleiter des Aquatoll und später langjähriger Bürgermeister von Eppelheim, war mit möglichen Investoren im Gespräch. Seiner Aussage nach habe er auch den Kontakt zu Piyer Lahdo hergestellt, der jetzt das Aquatoll sanieren will

Zukunftspläne für Aquatoll: Investor hält sich gerne im Hintergrund

Der hält sich gerne im Hintergrund, will beispielsweise nicht fotografiert werden. Die Firma PL-Immoinvest von Piyer Lahdo setzt rein äußerlich eher auf Bescheidenheit. Das Büro in Beindersheim (Rheinland-Pfalz) befindet sich in einer ehemaligen Filiale der Kreissparkasse. Persönlich mit der Presse wollte man bei einem Besuch nicht sprechen. Im benachbarten Frankenthal ist die Firma vielen nicht bekannt.

Einer aus der Branche erklärt, dass Lahdo alte Immobilen kaufe, renoviere und sie dann halte. „Es ist nicht schlecht, was er macht.“ Dass er die Öffentlichkeit scheut, kann er nicht nachvollziehen. „Das wäre doch eigentlich eine gute Werbung.“ Wie das Unternehmen die Aquatoll-Investitionen schultern möchte, könne er nicht einschätzen.

Sanierung des Aquatoll auch für 20 Millionen Euro?

Mörlein stellt fest, dass die Sanierung des Aquatoll auch für 20 Millionen Euro machbar gewesen wäre. Ein von ihm, dem Ingenieur für Bäderbetriebe Jürgen Kannewischer und einigen weiteren Mitstreitern vorgelegtes Konzept sei aber nicht zum Zug gekommen. 

Projekte von PL-ImmoinvestEs ist gut ein Jahr her, als bekannt wurde, dass PL-Immoinvest das Palm-Gebäude in Heilbronn gekauft hat. Eine Markthalle und Wohnungen sollen dort entstehen. Das Commerzbank-Areal soll PL-Immoinvest ebenfalls besitzen.Das in Beindersheim (Rehinland-Pfalz) ansässige Unternehmen orientiere sich nach Auskunft eines Branchenkollegen eher in Richtung Worms. Dort hat es nach Auskunft der „Wormser Zeitung“ ein leerstehendes Ladengeschäftt gekauft, das acht Jahre leer stand. Im oberen Stockwerk sollen Wohnungen gebaut werden.Im August 2024 hatte das Unternehmen ein Hotel gekauft, das mittlerweile wieder betrieben wird.

Über die Gründe dafür gibt es unterschiedliche Ansichten. Die Befürworter sind der Ansicht, dass ihr Konzept abgelehnt worden ist, weil die Schließung des Aquatoll längst beschlossene Sache gewesen sei. Die Stadtverwaltung verweist darauf, dass alle bisher vorgelegten Investorenpläne einen Zuschuss von städtischer Seite erfordert hätten. Dies sei der Grund, warum bisher kein Sanierungskonzept zum Zug gekommen ist. Die aktuellen Sparpläne in Neckarsulm zwingen zu deutlichen Einschnitten. 

Ist es in der Gruppe der Aquatoll-Retter zum Streit gekommen?

Klaus Grabbe, Baubürgermeister in Neckarsulm von 1998 bis 2015, ist nach eigener Aussage erst im Spätsommer 2025 zu der Gruppe dazu gestoßen, „weil ich gehört habe, dass der Abriss des Aquatoll drohen könnte“. Dies wollte er wie viele andere in Neckarsulm verhindern. 

Grabbe bestätigt auch, dass Dieter Mörlein den Kontakt zum Investor hergestellt hatte. Bei weiteren Gesprächen sei aber Mörlein nicht mehr dabei gewesen, wie auch Gerhard Böhm, der früher im Baudezernat der Stadt Neckarsulm tätig war. Mörlein und Böhm haben die Gruppe nach eigenen Angaben wegen interner Differenzen verlassen. Dass es Streit gegeben hat, wie zu hören war, will Grabbe nicht bestätigen. 

Sorge in Neckarsulm: Wird man sich den Eintritt ins sanierte Aquatoll noch leisten können?

Ob die Gründe für die Schließung – hohe Investitionen bei gleichzeitig defizitärem Betrieb – nun mit dem Sanierungskonzept des neuen Investors obsolet sind, wird von Beobachtern zumindest angezweifelt. Im Raum steht auch die Befürchtung, dass die Eintrittspreise in Regionen von mehr als 100 Euro steigen werden, was Piyer Lahdo aber gleich dementiert hat. Klar ist: Die Stadt wird keinen Zuschuss zur Sanierung geben. Dafür, so hat es auch OB Hertwig bestätigt, werden das Gelände und die Gebäude „für einen symbolischen Betrag“ an den Investor übereignet. 

„Das Aquatoll 2.0 soll für Familien, Singles und Senioren mit Fokus auf Gesundheit, Mobilität, Wellness und Begegnung“ im Jahr 2028 wieder eröffnen, so die Hoffnung von Klaus Grabbe. Mit im Boot ist der damalige Architekt Ulrich Bechler, der für ein Hotel und das geplante Oldtimer-Museum schon Skizzen gefertigt hat. Der „aussagekräftige Vorentwurf“ sei Grundlage der weiteren Gespräche und dem jetzt unterzeichneten „Letter of Intent“ mit dem Investor gewesen. 

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