Neue Pläne fürs Aquatoll: das ist die Historie des Neckarsulmer Freizeitbads
Für das Aquatoll in Neckarsulm gibt es einen neuen Investor. Doch wie hatte sich das beliebte Freizeitbad einst entwickelt? Die wichtigsten Stationen von Eröffnung bis zur Schließung.
Am 14. April 1989 legt der kürzlich verstorbene Neckarsulmer Oberbürgermeister Dr. Erhard Klotz den Grundstein für das 40 Millionen Mark teure Freizeitbad Aquatoll. Volles Haus herrscht dann rund eineinhalb Jahre später: ab 7. September 1990 ist das „kommunale Freizeitbad der neuen Generation“ geöffnet. Beim ersten Wochenende gibt es verbilligte Eintrittskarten. 5000 Besucher kommen, um das neue Bad zu bestaunen und alles auszuprobieren.
Beliebt ist der damals neuartige rasante Wildwasserbach, der allerdings schon kurz nach Eröffnung wieder entschärft wird. Das Aquatoll ist immer wieder gewachsen: 1998 wird die finnische Kelo-Sauna gebaut, 2002 wird das Aquatoll um die Saunalandschaft mit Solegrotte und Saunabar erweitert.
Aquatoll-Historie in Neckarsulm: Immer wieder kommen Attraktionen dazu
Im September 2008 eröffnet die neue „Piratenwelt“ für Kinder mit Panoramasauna auf dem Dach. Wasserkanone, Hängebrücke, Grotte, Tropfsteinhöhle und Kletterfelsen – das Inselreich für die jungen Besucher hat viele Attraktionen zu bieten.
Im August 2011 wird unter Beteiligung des Neckarsulmer Freizeitbads Aquatoll ein Weltrekord im 24-Stunden-Distanzrutschen aufgestellt. Dort sammeln hunderte Rutscher auf der 80 Meter langen Bahn knapp 110 Kilometer.
Von März 2013 bis zur Einweihung am 29. Juni 2014 entsteht neben dem Aquatoll das neue Sporthallenbad: Ein mächtiger Bau, hinter dem das einst so imposante Aquatoll fast verschwindet. Auch die Saunawelt wird erweitert.
Sportbad am Neckarsulmer Aquatoll bleibt bestehen
Im September 2015 feiert der städtische Eigenbetrieb das 25. Jubiläum des Erlebnisbades mit Sonderaktionen für die Besucher und einem Geburtstagsempfang mit Wegbegleitern und Betriebsangehörigen. Im Januar 2017 begrüßt das Auqatoll-Erlebnisbad den zwölfmillionsten Badegast.
Ab 2018 wendet sich das Blatt: Die hohen Betriebskosten im Freizeitbad werden hinterfragt, es wird klar, dass Investitionen vernachlässigt wurden und nun ein hoher Millionenbetrag investiert werden muss. Dennoch wird 2019 noch die Weinsauna als Ersatz für die alte Blockhaussauna eröffnet.
Es werden immer wieder Stimmen laut, man hätte das Aquatoll retten können, wenn man rechtzeitig investiert hätte. Dem Vorwurf des „Kaputtsparens“ widerspricht die Stadtverwaltung später: Man habe in das Aquatoll-Erlebnisbad in Summe 5,7 Millionen Euro, in die Saunalandschaft 6,5 Millionen Euro investiert, so der Neckarsulmer Oberbürgermeister Steffen Hertwig in einer Mitteilung aus dem Jahr 2022.
Freibad- und Hallenbad-Diskussionen in Neckarsulm
Diskutiert wurden eine Machbarkeitsstudie und die Entwurfsplanung für die Sanierung. Im Gespräch waren auch die Optionen eines neuen Bades am derzeitigen Standort. Ein neues Freibad hätte nach Kostenschätzungen aus dem letzten Quartal des Jahres 2021 zirka zehn bis 15 Millionen Euro gekostet, ein neues Hallenbad sogar 20 bis 25 Millionen Euro. Beide Optionen hat der Rat mit deutlicher Mehrheit abgelehnt und sich stattdessen für einen Bürgerpark unter teilweiser Einbeziehung der Gebäude entschlossen.
Am 16. Mai 2022 wird das Freizeitbad Aquatoll endgültig geschlossen. Zuvor hatte es vier Vorschläge von Investoren gegeben, das Bad in unterschiedlichen Varianten weiter zu betreiben. Die Interessenten forderten einen jährlichen Zuschuss von der Stadt. Die Sanierung wurde auf 37,5 Millionen Euro geschätzt, allein die Planung hätte 1,6 Millionen Euro gekostet. Eine Gruppe um den Ingenieur für Bäderbetriebe Jürgen Kannewischer geht von deutlich niedrigeren Sanierungskosten von etwa 20 Millionen Euro aus.
Wunsch in Neckarsulm nach Freibad am Aquatoll-Gelände
Zur Zukunft des Aquatoll hatten sich bei einer Ideenwerkstatt im Frühjahr 2023 32 von 45 Teilnehmenden und damit eine deutliche Mehrheit für ein neues Freibad als Nachnutzung ausgesprochen.
Das Aquatoll befinde sich seit der Schließung im Mai 2022 im „technischen Dornröschenschlaf“, so die Stadtverwaltung auf Stimme-Nachfrage. „Die Regeltechnik wurde auf ein Mindestmaß reduziert, um die Bausubstanz zu erhalten.“ Sobald der finale Projektvertrag jetzt unterzeichnet und Bad und Gelände an den neuen Investor übergeben wurden, müsse dieser entscheiden, wie er mit der vorhandenen Bausubstanz umgeht.
Wie wirken sich die neuen Aquatoll-Pläne auf den anvisierten Bürgerpark aus?
Der Bürgerpark war als Nachnutzung für das Aquatoll-Gelände geplant. „Der neue Investor plant, das Aquatoll im Bestand zu sanieren und umzubauen. Das Bad soll also erhalten bleiben“, so die Information der Stadtverwaltung. Damit stelle sich die Frage einer Nachnutzung nicht mehr.
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