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Audi zwischen Krise und Aufbruchstimmung

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Nach einem schwachen Jahr will Audi 2025 wieder Boden gutmachen. Baustellen gibt es bei der Marke mit den vier Ringen viele, aber auch Dinge, die positiv stimmen.


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Als das Tuch vom Auto gezogen wurde, brandete Beifall auf, Gernot Döllner schaute in zufriedene Gesichter. Vor einigen Wochen hatte der Audi-Chef seine Manager unter größter Geheimhaltung in der Halle B am Stammsitz des Unternehmens in Ingolstadt versammelt. Höhepunkt der Veranstaltung: die interne Enthüllung des neuen Einstiegs-Stromers von Audi.

Die Optik des E-Autos kommt bei den Topleuten der VW-Tochter gut an. Entwickelt wird das Fahrzeug gerade unter dem Projektnamen A3 CUV. Der Begriff CUV steht für Cross Utility Vehicle. Damit ist gemeint, dass ein Fahrzeug mehrere Karosserieformen miteinander vereint. Insider sprechen von einem Audi A2 für die Generation E. Gebaut wird der Wagen im Stammwerk in Ingolstadt. Viel wichtiger aber: das Auto kommt nun schon 2026 auf den Markt – ein Jahr früher als geplant.

Audi mit turbulentem Jahresauftakt: Werkschließung und Stellenabbau

„Das waren endlich mal wieder gute Nachrichten“, sagt ein Vertriebsmanager im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir brauchen neue Impulse für die Marke.“ Und gute Nachrichten. Die gab es zuletzt kaum. CEO Döllner hat mit seiner Mannschaft einen turbulenten Jahresanfang hinter sich. Ende Februar musste das Werk in Brüssel schließen, 3000 Beschäftigte haben ihren Job verloren. Währenddessen verhandelten Unternehmen und Betriebsrat wochenlang über ein milliardenschweres Sparpaket. Am Ende war klar: Auch in Deutschland fallen 7500 Stellen weg. Sozialverträglich, wie beide Seiten betonen.

Wie nötig die Kostenoptimierungen sind, zeigt die Bilanz fürs vergangene Jahr. Der Gewinn der einstigen Ertragsperle des VW-Konzerns ist um ein Drittel eingebrochen. Mit einer Rendite von nur noch 4,6 Prozent liegt Audi sogar hinter der Nutzfahrzeugsparte von VW. Mittelfristig soll die Rendite auf elf, langfristig auf 13 Prozent steigen. Gleichwohl: „Die Märkte bleiben wettbewerbsintensiv“, sagt CEO Döllner mit Blick aufs laufende Jahr.

Audi: Vertriebsvorstand erwartet deutlichen Rückenwind durch neue Modelle

Im laufenden Jahr will Audi zwar den Absatz, Umsatz und Rendite wieder steigern. „Wir haben aber noch einen harten Weg vor uns“, sagte Finanzvorstand Rittersberger. Gleich im ersten Quartal gab es erneut einen Dämpfer, die Zahl der Auslieferungen gab abermals nach. Dennoch soll der Absatz bis Ende 2025 um rund sechs Prozent auf 1,77 Millionen Fahrzeuge steigen, wie die Heilbronner Stimme recherchiert hat. „Die Zunahme der Auftragseingänge in Westeuropa im ersten Quartal von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal weist bereits jetzt auf eine Steigerung der Auslieferung in den kommenden Monaten hin“, sagt eine Audi-Sprecherin.

Die Hoffnungen bei Audi ruhen nun auf der größten Modelloffensive in der Geschichte des Unternehmens, die bis Ende des Jahres insgesamt 20 neue Modelle bringt. Bereits im Handel erhältlich sind die Verbrennermodelle A5 und A6 aus Neckarsulm, die der Belegschaft am Standort in der Region seit Ende März erstmals eit langer Zeit wieder drei volle Schichten beschert. Dazu kommen sowie der Q5 aus Mexiko, im Sommer folgt dann der neue Q3. Aus Ingolstadt kommen die beiden neuen E-Autos Q6 E-Tron und A6 E-Tron. „Sowohl die Modelle als auch der Antriebsmix stimmen mich zuversichtlich“, sagte Audis Vertriebsvorstand Marco Schubert unlängst der „Automobilwoche“. „Damit können wir alle Kunden – und Marktbedürfnisse bedienen.“

Audi-Händler klagen über zu hohe Preise für die neuen Modelle

Ja und nein, heißt es aus den Kreisen der deutschen Händler. Zwar kommen die neuen Modelle, gerade die Neckarsulmer Baureihen A5 und A6, gut bei der Kundschaft an. „Allerdings haben wir uns vor allem bei typischen Dienstwagen zu weit nach oben bewegt“, beklagt ein Verkäufer aus dem Großraum Stuttgart.

Ein A4 Avant 2,0 TDI mit 204 PS und Allradantrieb hat im vergangenen Jahr noch mit rund 51.000 Euro zu Buche geschlagen, der gleichstarke Nachfolger A5 Avant steht nun mit 58.200 Euro in der Preisliste. Dieser Sprung sei bei vielen im Budget für ihren Dienstwagen nicht drin, so der Verkäufer. Dem Vernehmen nach plant Audi daher nun für die zweite Jahreshälfte einen günstigeren Einstiegsdiesel in den Handel zu bringen.

Audi: Stabilität in die großen Märkte China und USA bringen

Das Einpreisen überlässt der Audi-CEO seinem Vertrieb. Die wichtigsten Wachstumsmärkte China und USA hat der 56-Jährige hingegen zur Chefsache erklärt. Ausgerechnet das Reich der Mitte, Audis größter Einzelmarkt und Garant für jährliche Gewinne von einer Milliarde Euro und mehr, strauchelt schon länger. Nicht nur die Marke mit den vier Ringen, auch der Rest der deutschen Autobauer gilt in China mittlerweile als etwas altbacken, gerade bei jüngeren, kaufkräftigen Kunden. In einer Rekordzeit von nicht mal ganz drei Jahren hat der Autobauer mit dem Staatskonzern SAIC ein E-Auto speziell für die Kundschaft in China entwickelt. Wie Döllner gerne sagt: „Mit China-Speed.“

Eine eigene Marke haben die Ingolstädter gleich mitgegründet: AUDI. Ohne vier Ringe, dafür modern, digital und auf einer eigenen Plattform. Ein kompaktes SUV und eine große Limousine sollen in schneller Abfolge bis nächstes Jahr folgen. Noch schneller wird klar sein, wie Audi in den USA weitermacht. Eine eigene Fabrik werde es wohl kaum geben, so Insider. Audis Konzernmutter Volkswagen verfügt über ein Werk in Chattanooga, im US-Bundesstaat Tennessee, etwa 214 Kilometer südöstlich von Nashville. Wahrscheinlichste Variante sei, dass Audi dort auch fertigt – vermutlich einen Teil des Q5, der aktuell in Mexiko vom Band läuft sowie das Elektro-SUV Q4 E-Tron.

Modellplanungen für die Audi-Standorte Neckarsulm und Heilbronn

Die Neuauflage des Q4 E-Tron könnte – zumindest in einer gewissen Stückzahl – nach Neckarsulm kommen. Im Rahmen der Zukunftsvereinbarung wurde dem Werk in der Region ein „volumenstarkes E-Modell“ zugesagt. Zeitlich etwas nach hinten verzögern sich die beiden Luxusautos Landyacht und Landjet. Die beiden E-Autos für die Oberklasse sollten ursprünglich 2027 in Neckarsulm starten. Da es aber nach wie vor Verzögerungen bei der Software und der entsprechenden Plattform gibt, rückt das Projekt Landyacht (Limousine) dem Vernehmen nach wohl auf mindestens Ende 2027, wenn nicht gar ins Jahr 2028.

Mit mindestens einem Jahr Verzögerung folgt dann das SUV Landjet. Hintergrund ist, dass bei der Entwicklung der entsprechenden Plattform SSP61 Porsche den Hut aufhat. Die Stuttgarter planen ebenfalls einen großen Geländewagen (Projekt K1). „Die haben immer wieder Sonderwünsche und sollen vor uns auf den Markt kommen. Das verzögert auch bei uns die Entwicklung“, klagt ein Ingenieur aus Ingolstadt. Schnell dürfte es nun hingegen gehen, was das Prestigeprojekt C-Sport angeht.

Bei Audi sind die Rahmenbedingungen für einen vollelektrischen Sportwagen geschaffen. Nun wartet man auf grünes Licht aus der Konzernzentrale in Wolfsburg. Die Entscheidung soll in den nächsten Wochen fallen. Bei einem positiven Bescheid gelten die Böllinger Höfe in Heilbronn als Produktionsstätte gesetzt.

Audi: Diese Lücken im Modellprogramm sollen gefüllt werden

Während im Hier und Jetzt zahlreiche Probleme zu lösen sind, denkt man bei Audi bereits über eine Erweiterung des Modellprogramms nach. Ganz unten fallen die Einstiegsmodelle A1 und Q2 in den nächsten Jahren weg, dafür wird es vollelektrische Modelle wie den A3 CUV geben. In der gehobenen Mittelklasse schiebt Audi vermutlich in zwei bis drei Jahren den A4 E-Tron als Elektro-Pendant zum Verrbrenner-A5 nach. Die andere Lücke, die geschlossen werden muss, liegt am oberen Ende des Portfolios – mit einem Konkurrenten zum BMW X7 und dem Mercedes GLS. Audi-Chef Döllner bestätigt nicht den vielfach kolportierten Namen Q9, wohl aber, dass ein solches Modell kommt: „Wir arbeiten daran.“ 

Immer wieder diskutiert wird intern dem Vernehmen nach ein Luxus-Van für Märkte wie China. Und das Projekt Hardqore? „Zu künftigen Modellen und Spekulationen äußern wir uns grundsätzlich nicht“, so ein Audi-Sprecher. Beim Hardqore (das Q in Anlehnung an die Q-Modelle von Audi) handelt es sich um einen rustikalen Geländewagen, der als Konkurrent zur Mercedes G-Klasse auf den Markt kommen soll. Oder vielleicht auch nicht. Mal sehen, was die Audi-Manager beim nächsten Mal in der Halle B in Ingolstadt von ihrem Chef gezeigt bekommen.

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