Sparprogramm für Audi-Werk Neckarsulm? – „Da macht jemand gezielt Stimmung“
Einmal mehr sorgt ein Medienbericht über ein Sparprogramm bei Audi für Unruhe. Im Fokus steht dieses Mal der Standort Neckarsulm. Unternehmen, Betriebsrat und das Umfeld des Aufsichtsrats beziehen Stellung.
Schwache Geschäfte auf den weltgrößten Automärkten China und den USA haben Audi einen wenig erfreulichen Jahresauftakt beschert. Im ersten Quartal sank der Absatz weltweit um 6,1 Prozent.
„In China und den USA haben gerade alle Probleme“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer.
Absatzrückgang bei Audi: Schwäche in China und den USA belastet den Jahresstart
Klar ist auch, dass gerade im ganzen VW-Konzern auf die Kostenbremse getreten wird. Sparprogramm gibt es quer über alle Marken. Unter anderem werden konzernweit 50.000 Stellen bis 2030 abgebaut, 7500 davon an den beiden deutschen Standorten Ingolstadt und Neckarsulm.
Für Unruhe sorgt nun ein „Handelsblatt“-Bericht, wonach eine weitere Sparrunde eingeläutet werden soll. Dabei wird explizit der Standort Neckarsulm genannt.
Sparprogramm für Audi-Werk Neckarsulm? „Da macht jemand gezielt Stimmung“
„Da macht jemand über die Medien gezielt Stimmung gegen Audi“, sagt einer aus dem Umfeld des Aufsichtsrats im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. „Natürlich ist die Lage für alle Marken schwer, aber Audi hat in den vergangenen Jahren bereits viele Weichen gestellt und große Sparpotenziale gehoben.“ Nun sei es an anderen Marken, ihren Beitrag zu leisten.
„Neckarsulm ist eines der modernsten Werke im gesamten Konzernverbund. Die haben zuletzt einen guten Job gemacht“, sagt ein Mitglied des Konzern-Aufsichtsrats. Dem Standort komme zu Gute, dass in den vergangenen Jahren kräftig investiert wurde – unter anderem in eine hochmoderne Lackiererei und in eine neue Montagehalle, die bereits auf eine Mischfertigung von Verbrenner und E-Autos ausgelegt ist.
Durch Werkschließung in Brüssel sind Jobs und Kapazitäten weggefallen
„Globale Ereignisse wie US‑Handelszölle und der harte Wettbewerb in China belasten unser Geschäft zunehmend. Diese Rahmenbedingungen verstärken die Notwendigkeit, unsere Kostenstrukturen in Deutschland weiter zu verbessern“, sagt eine Audi-Sprecherin auf Anfrage. Aktuell gebe es jedoch keine Entscheidung zu weiteren Kapazitätsanpassungen an deutschen Audi‑Standorten. Die im Rahmen der Vereinbarung Audi.Zukunft von 2019 abgesenkten und in der Zukunftsvereinbarung im vergangenen Jahr bestätigten Kapazitäten würden fortbestehen.
Seinerzeit wurde beschlossen, dass die Produktionskapazität in Deutschland um 25 Prozent reduziert wird: in Ingolstadt von 600.000 auf 450.000, in Neckarsulm (inklusive Heilbronn) von 300.000 auf 225.000. „Durch die Werksschließung in Brüssel wurde die Gesamtkapazität zusätzlich reduziert – Audi ist damit auf einem guten Weg zu mehr Effizienz“, so die Sprecherin. Bei der Schließung des Standorts in Belgien im vergangenen Jahr sind 3000 Jobs und eine Fertigungskapazität von 100.000 Fahrzeugen jährlich weggefallen. Insgesamt hat Audi damit in den vergangenen Jahren eine Kapazität von 325.000 Autos pro Jahr abgebaut. Bis Ende des Jahrzehnts sind in Summe mehr als 10.000 Jobs weg.
Audi-Betriebsrat: „Jetzt geht es nicht um kurzfristige Renditeeffekte“
Die im Artikel des „Handelsblatts“ dargestellten Überlegungen zu weiteren Spar- oder Kapazitätsmaßnahmen an den beiden deutschen Audi-Standorten nimmt auch der Audi-Betriebsrat „mit großer Aufmerksamkeit zur Kenntnis“. Für den Betriebsrat des Standorts Neckarsulm sei dabei klar: „Die Zukunftsvereinbarung 2025, die zwischen Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertretung geschlossen wurde, bildet eine verbindliche Grundlage für die weitere Entwicklung unseres Standorts“, teilt ein Sprecher auf Anfrage mit. „Auf der jüngsten Betriebsversammlung hat der Audi-Vorstandsvorsitzende Gernot Döllner nochmals unmissverständlich die strategische Bedeutung des Standorts Neckarsulm innerhalb der Audi- Strategie hervorgehoben“, betont der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Alexander Reinhart.
Die Zukunftsvereinbarung umfasse ausdrücklich die Absicherung der Beschäftigung, festgelegte Produktionskapazitäten sowie Investitionen in die Zukunftsfähigkeit der beiden deutschen Standorte. Dazu würden unter anderem die langfristige Auslastung beider deutschen Werke und Investitionen in neue Technologien zählen. Vor diesem Hintergrund seien einseitige zusätzliche Sparprogramme oder weitere Einschnitte am Standort Neckarsulm für den Betriebsrat nicht akzeptabel. „Jetzt geht es nicht um kurzfristige Renditeeffekte, sondern um Planungssicherheit, Verlässlichkeit und die konsequente Umsetzung der gemeinsam vereinbarten Strategie“, so Reinhart.
Audi: Acht Milliarden Euro für die beiden deutschen Standorte
Der Betriebsrat machte im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich, dass sich der Audi-Vorstand gemeinsam mit dem Gesamtbetriebsrat geschlossen für den Standort Neckarsulm einsetzt. Audi-CEO Döllner habe wiederholt die zentrale Bedeutung des Standorts für die Audi-Strategie unterstrichen. Diese Position müsse auch auf Ebene des Volkswagen-Konzerns vollumfänglich anerkannt werden. „Die Zukunftsvereinbarung 2025 ist ein verbindliches Papier, eine gemeinsam mit dem Unternehmen getroffene Zusage“, sagt Alexander Reinhart. „Neckarsulm steht für Innovationskraft, Qualifikation und Leistungsfähigkeit, genau das braucht Audi jetzt mehr denn je.“
In den nächsten Jahren sollen acht Milliarden Euro in die deutschen Werke investiert werden - Neckarsulm soll unter anderem zum KI-Zentrum ausgebaut werden. „Der Gesamtbetriebsrat und der Audi Vorstand stehen geschlossen hinter dem Standort Neckarsulm. Wir setzen uns gemeinsam dafür ein, dass die strategische Bedeutung dieses Standorts nicht nur bei Audi, sondern auch im Volkswagen-Konzern die notwendige Rückendeckung erhält“, sagt Rainer Schirmer, stellvertretender Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Audi AG.
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