Audi-Betriebsrat: „Diskussionen über Werkschließungen sind schlichtweg überflüssig“
Der VW-Konzern will einem Medienbericht zufolge den Sparkurs massiv ausbauen. Auf einmal stehen angeblich auch wieder Werksschließungen im Raum. Der Audi-Betriebsrat äußert sich zu den Standorten Neckarsulm und Ingolstadt.
Flaute in China, hohe Belastungen aufgrund der US-Zölle und massive Investitionen in die parallele Entwicklung von Verbrenner- und E-Autos: Der VW-Konzern steckt tief in der Krise. Daran ändert sich auch nichts, obwohl sich der Cashflow, also die tatsächliche Liquidität, unlängst um sechs Milliarden Euro verbessert hat. Dennoch: Bis Ende 2028 sollen die Kosten konzernweit um 20 Prozent gesenkt werden, berichtet das „Manager Magazin“.
Unseren Informationen zufolge ist aktuell keiner der weltweit mehr als 100 Standorte zufriedenstellend ausgelastet. Es könnten daher in Zukunft auch Werksschließungen zur Debatte stehen, heißt es in dem Bericht.
Audi-Betriebsrat: „Haben klare Zusagen für Ingolstadt und Neckarsulm“
Das sorgt in Teilen der Belegschaft für Unruhe, auch bei Audi. Seitens der Arbeitnehmervertreter besteht aber kein Grund zur Sorge. „Wir haben klare und verbindliche Zusagen zur langfristigen Entwicklung und Transformation der Standorte Ingolstadt und Neckarsulm durch Investitionen in moderne Produktionslinien, Digitalisierung, technische Innovationen, neue Produkte und Auslastung in der Audi Zukunftsvereinbarung mit dem Unternehmen vereinbart“, sagt Jörg Schlagbauer, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates. „Daran gibt es nichts zu rütteln und deswegen sind Spekulationen über eine Werksschließung bezüglich der heimischen Audi-Standorte – von wem auch immer – schlichtweg überflüssig.“
Zuletzt hatte Audi-Chef Gernot Döllner bestätigt, dass in den nächsten Jahren acht Milliarden Euro in die deutschen Standorte fließen. Unlängst hatte der 57-Jährige klargestellt, dass der geplante Elektro-Sportwagen (Projekt C-Sport) entgegen anders lautender Gerüchte wie geplant ab 2027 in Heilbronn gefertigt wird.
„Neckarsulm ist zusammen mit den Böllinger Höfen in Heilbronn einer unserer Schlüssel-Standorte“, hatte Döllner im Interview mit der Heilbronner Stimme gesagt. „Ich bin sehr zufrieden mit dem, was das Team bei den Anläufen von A5, A6 und der Produktaufwertung des E-Tron GT geleistet hat.“

Audi: Auslastung in Ingolstadt und Neckarsulm war 2025 unter Plan
Dennoch gibt es ungelöste Probleme an den deutschen Standorten, was die Auslastung angeht. Zum Hintergrund: Nach Informationen der Heilbronner Stimme wurden im vergangenen Jahr in Ingolstadt deutlich unter 300.000 Fahrzeuge gefertigt, in Neckarsulm knapp an die 180.000 Autos. In beiden Fällen sind die Produktionszahlen deutlich weg von der maximalen Kapazität – sie liegt am Audi-Stammsitz in Bayern bei 450.000 Fahrzeugen jährlich, in der Region (Neckarsulm und Böllinger Höfe in Heilbronn) bei 225.000 Einheiten.
Daher wird auch ein mögliches Audi-Werk in den USA kritisch beäugt. Rainer Schirmer, Vorsitzender des Betriebsrats bei Audi in Neckarsulm, betont: „Unsere Kolleginnen und Kollegen leisten jeden Tag hervorragende Arbeit. Sie haben ein Anrecht darauf zu wissen, wohin die Reise geht. Solange zentrale Fragen der Standortsicherung in Deutschland nicht beantwortet sind, ist für uns kein Raum für Entscheidungen über Produktionsausbau im Ausland.“ Besonders wichtig sei dem Betriebsrat, dass globale Wettbewerbsfähigkeit nicht gegen Beschäftigungssicherheit ausgespielt wird.
Audi-Standort Neckarsulm: Zusagen für weiteres E-Auto steht noch aus
Unruhe herrscht im VW-Konzern und insbesondere bei Audi auch deshalb, weil sich die aktuelle Planungsrunde wohl bis tief in den Sommer ziehen wird. In ihr wird festgelegt, welche neuen Modelle an welchen Standorten gefertigt werden. Bei den Überkapazitäten rund um den Globus ein schwieriges Unterfangen. Bei Audi in Neckarsulm sorgen zwar die beiden Verbrennermodelle A5 und A6 für eine stabilere Auslastung als in den Vorjahren. Nach wie vor fehlt aber die Zusage für ein volumenstarkes E-Auto, das die Arbeitnehmerseite schon länger fordert. „Bis zum Herbst wird alles im gesamten Konzern sortiert. Neckarsulm bekommt definitiv ein weiteres Fahrzeug“, sagt einer aus dem Umfeld des Konzern-Aufsichtsrats.
Audi selbst verweist auf laufendes Sparprogramm - 7500 Stellen weniger
Bei Audi selbst kommentiert man die Gerüchte um Werkschließungen nicht. „Seit 2023 haben wir einen fundamentalen Erneuerungskurs im Unternehmen eingeschlagen. Wir stellen unser Geschäftsmodell zukunftssicher und resilient auf“, sagt eine Sprecherin auf Anfrage unserer Zeitung. „Der herausfordernden gesamtwirtschaftlichen Lage und dem verschärften Wettbewerb begegnen wir mit konsequenter Kostenarbeit und arbeiten weiter an unserer finanziellen Performance.“ Die Zahlen für das vergangene Jahr gibt der Autobauer Mitte März bekannt, der Gewinn dürfte deutlich gesunken sein. „Audi wird die Komplexität deutlich reduzieren und so auch die Kosten optimieren“, so die Sprecherin weiter. Kurz- und mittelfristig gehe es darum, die Wettbewerbspositionierung im Markt weiter zu verbessern.
Zum Sparprogramm gehört auch der Abbau von 7500 Stellen bis Ende 2029. Die Personal-Transformation ist bisher gut vorangekommen. „Wir haben mit der Zukunftsvereinbarung Weichen gestellt, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagt Audis Transformationschefin Yvonne Bettkober im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. „Mittlerweile sind mehr als 1000 Vorruhestandsverträge unterschrieben worden.“ Mittelfristig will das Unternehmen bei den Personalkosten eine Milliarde Euro jährlich sparen. Zudem verweist die Audi-Sprecherin auf die Schließung des Standorts Brüssel im vergangenen Jahr, „ein schmerzhafter Schritt“, Damals sind rund 3000 Jobs weggefallen.
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