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Autokrise

Audi-Chef äußert sich zu Sparplänen: „Das ist keine Phase, die einfach vorbeigeht“

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Der VW-Konzern muss weiter sparen. Gefragt sind alle Marken, auch Audi. Zur aktuellen Lage haben sich nun Vorstandschef Gernot Döllner und sein Produktionsvorstand Gerd Walker geäußert.


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Im VW-Konzern ist der Gewinn zuletzt deutlich eingebrochen. Vor allem die schwachen Geschäfte und die Belastungen durch die US-Zölle belasten Europas größten Autobauer. Bis Ende 2030 sollen 50.000 Stellen in Deutschland wegfallen, zudem soll die Produktionskapazität nochmal um eine Million Fahrzeuge sinken.

Zuletzt machten gar Gerüchte um Werkschließungen die Runde, dabei stand unter anderen der Standort Neckarsulm in den Schlagenzeilen. „Aktuell gibt es keine Entscheidung zu weiteren Sparmaßnahmen oder gar Werkschließungen“, sagte Audi-Produktionsvorstand Gerd Walker im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. „Dennoch müssen wir weiter und sehr konsequent an den Kosten arbeiten, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu sein. Da sind wir alle gefragt.“

Sparpläne bei Audi? Vorstand Gernot Döllner äußert sich

Bei Audi ist trotz einer großen Modelloffensive der Absatz auch im ersten Quartal um sechs Prozent gesunken. „Der Wettbewerbsdruck ist hoch – insbesondere in China. Dazu kommen geopolitische Spannungen, neue Handelszölle und insgesamt deutlich gestiegene Kosten“, sagte Audi-CEO Döllner unserer Zeitung. „Das ist keine Phase, die einfach vorbeigeht. Das ist die neue Realität unserer Branche.“ Audi wolle nicht dahin zurück, wo die Marke einmal war, denn die Welt sei eine fundamental andere.

„Es gilt, dort stark zu sein, wo der Markt morgen entscheidet: in der Software, in der elektrischen Antriebstechnik, in der Verbindung von Produkt und Erlebnis. Lokal, wo der Kunde ist. Global, wo der Markt ist“, so der 57-Jährige. „Und in Deutschland als Heimat, die wir wieder wettbewerbsfähig machen. Nicht als Museum, das wir konservieren, sondern mit einer verlässlichen Vision für die Zukunft und die Generationen, die nach uns kommen.“

Audi-Chef Döllner: „Um Audi langfristig erfolgreich aufzustellen, braucht es mehr“

Sparen sei bei Audi kein Selbstzweck, so Döllner. „Wir haben in den vergangenen Jahren schwierige Entscheidungen getroffen: von Audi.Zukunft bis hin zur Schließung des Werks in Brüssel“, blickt der Audi-Chef zurück. Zum Hintergrund: Bereits 2019 wurde beschlossen, dass die Produktionskapazität in Deutschland um 25 Prozent reduziert wird:  in Ingolstadt von 600.000 auf 450.000, in Neckarsulm (inklusive Heilbronn) von 300.000 auf 225.000.

„Durch die Werksschließung in Brüssel wurde die Gesamtkapazität zusätzlich reduziert. Bei der Schließung des Standorts in Belgien im vergangenen Jahr sind 3000 Jobs und eine Fertigungskapazität von 100.000 Fahrzeugen jährlich weggefallen. Insgesamt hat Audi damit eine Kapazität von 325.000 Autos pro Jahr abgebaut. Bis Ende des Jahrzehnts sind in Summe mehr als 10.000 Jobs weg.

„Das waren harte Schritte. Aber sie haben Audi handlungsfähiger gemacht und zeigen: Konsequenter Wandel wirkt. Gleichzeitig gehört zur Wahrheit: Um Audi langfristig erfolgreich aufzustellen, braucht es mehr“, sagt Döllner. Audi müsse die Kosten weiter senken, Komplexität reduzieren und schneller werden – in Entscheidungen und in der Umsetzung. „Klar ist auch: Den Standort Deutschland sichern wir nur, wenn wir global wettbewerbsfähig sind. „Local for Local ist kein Widerspruch dazu – es ist eine Voraussetzung. Auch Investitionen in andere Regionen sichern am Ende Arbeitsplätze hier“, so Döllner. 

Audi-Vorstand Walker über Modell-Planung: „Wir bewerten verschiedene Szenarien sorgfältig“

Bleibt aber die Frage, welche Modelle in Zukunft an welchem Standort gefertigt werden – vor allem auch bei Audi in Neckarsulm. Im Unternehmen geht man davon aus, dass die Planungsrunde des VW-Konzerns, in der auch die Werkbelegung entschieden wird, sich bis weit ins vierte Quartal hineinziehen wird. Für Neckarsulm geht es konkret um die Entscheidung, welches volumenstarke E-Auto mittelfristig am Standort gefertigt wird. 

„Wir schauen uns das gesamte Produktionsnetzwerk im Konzern an. Wir drehen dabei jeden Stein um, bewerten verschiedene Szenarien sorgfältig“, sagt Audi-Produktionsvorstand Gerd Walker im Hinblick auf die Planungsrunde und die Möglichkeiten, die Produktionskapazitäten zu senken. „Unser gemeinsames Ziel ist es, unser Kerngeschäft zu sichern und ‚Made in Germany‘ zukunftsfähig zu machen. Wir sind uns unserer großen Verantwortung gegenüber unseren Standorten und allen Audianerinnen und Audianern sehr bewusst.“

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