Gerüchte um Sparpläne bei Audi in Neckarsulm – jetzt äußert sich der Vorstand
Gerüchte um ein weiteres Sparprogramm haben bei Audi zuletzt für Unruhe gesorgt. Im Fokus dabei: der Standort Neckarsulm. Wir berichten exklusiv, was der Vorstand dazu sagt.
Audi kommt nicht zur Ruhe. Für Verunsicherung unter den Beschäftigten sorgte zuletzt ein Handelsblatt-Bericht, wonach eine weitere Sparrunde eingeläutet werden soll. Dabei wird explizit der Standort Neckarsulm genannt. „Da macht jemand über die Medien gezielt Stimmung gegen Audi“, sagte ein Manager aus dem Umfeld des Aufsichtsrats im Gespräch mit der Heilbronner Stimme.
Die Angelegenheit hat intern große Kreise gezogen. Nun äußert sich Audis Produktionsvorstand Gerd Walker im Intranet des Unternehmens zu den Gerüchten. Der Beitrag liegt unserer Zeitung vor. Darin bezeichnet Walker die Inhalte des Berichts als „Gerüchte und unseriöse Spekulationen“.
Gerüchte um Audi-Werk in Neckarsulm: „Aktuell keine Entscheidungen zu weiteren Sparmaßnamen“
Fakt sei: Audi habe in den vergangenen Jahren stark an der Effizienz gearbeitet. „Beispielsweise haben wir die Produktionskapazitäten an den deutschen Standorten angepasst und wir bauen Personal sozialverträglich ab“, so Walker.
Zum Hintergrund: 2019 wurde beschlossen, dass die Produktionskapazität in Deutschland um 25 Prozent reduziert wird – am Stammsitz Ingolstadt von 600.000 auf 450.000, in Neckarsulm (inklusive Heilbronn) von 300.000 auf 225.000. „Aktuell gibt es keine Entscheidung zu weiteren Sparmaßnahmen oder gar Werkschließungen. Dennoch müssen wir weiter und sehr konsequent an den Kosten arbeiten, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu sein. Da sind wir alle gefragt.“
Audi-Vorstand dementiert Gerüchte: „Neckarsulm ist Kompetenzzentrum für KI“
Audi-Vorstand Walker hebt in dem internen Beitrag die erfolgreichen Anläufe der Modellfamilien A5 und A6 in Neckarsulm hervor. Mit dem E-Modell, das ab 2027 in den Böllinger Höfen in Heilbronn produziert wird, seien weitere Investitionen verbunden. Der 56-Jährige bezieht sich auf den noch namenlosen Elektro-Sportwagen, der erstmals die neue Formensprache der Marke zeigt. „Neckarsulm ist modern, leistungsfähig und strategisch hoch relevant. Wir haben hier in den letzten Jahren gezielt investiert – die neue Montagehalle und die neue Lackiererei sind nur zwei Beispiele“, betont Gerd Walker.
Außerdem habe der Standort strategisch wichtige Kompetenzen verortet, etwa das Hochvolt-Batterietechnikum und die Expertise für die Groß- und Kleinserien. „Als Kompetenzzentrum für KI und Digitalisierung wird Neckarsulm als Vorreiter in Deutschland wahrgenommen“, so Walker.
Audi-Vorstand: „Sehe Neckarsulm gut aufgestellt für die Planungsrunde
Bleibt aber die Frage, welche Modelle in Zukunft an welchem Standort gefertigt werden - vor allem auch bei Audi in Neckarsulm. „Die Werkebelegung wird im Volkswagen-Konzern im Rahmen der Planungsrunde festgelegt. Für die nächste Runde laufen aktuell die Vorbereitungen. Die Entscheidung erwarten wir im vierten Quartal“, so Audi-Vorstand Walker. Der Prozess sei komplex. Alle Marken würden ihre Vorschläge einreichen – diese würden im Konzern bewertet. Final entscheide der Konzern-Aufsichtsrat. „Der Fokus liegt aktuell stark auf Wirtschaftlichkeit und der optimalen Nutzung unseres Produktionsnetzwerks“, erklärt Walker. Für jedes Werk im Konzern gebe es unterschiedliche Szenarien.
Die seien streng vertraulich. „Aber ich sehe Neckarsulm gut aufgestellt für diese Planungsrunde. Der Standort erfüllt alle Voraussetzungen, künftig ein elektrisches Volumenmodell aus dem Konzern zu produzieren“, betont Walker. Nach Recherchen der Heilbronner Stimme kommen aktuell drei Modelle in Betracht: Die jeweils nächsten Generationen des Audi Q4 E-Tron, des Audi A6 E-Tron und des Cupra Formentor, den es künftig vollelektrisch geben wird. Start der genannten Modelle wäre jeweils zu Beginn des nächsten Jahrzehnts.
„Der gesamte Standort Neckarsulm hat in den vergangenen Monaten intensiv an seiner Kostenstruktur gearbeitet und im März die Ziele sogar deutlich unterschritten. Für dieses starke Ergebnis möchte ich mich im Namen des Vorstands bedanken“, wird Gerd Walker intern zitiert. „Es zeigt mir einmal mehr, wie leidenschaftlich sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für den Standort einsetzen und ihn konsequent weiterentwickeln.“
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