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Exklusive Einblicke bei Audi: „Herz der Technischen Entwicklung in Neckarsulm“

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Am Audi-Standort Neckarsulm arbeiten Ingenieure und Spezialisten für Benzin- und Dieselmotoren sowie Batterie-Experten für E-Autos unter einem Dach. Das ist nicht die einzige Besonderheit. Die Heilbronner Stimme konnte einen exklusiven Blick hinter die Kulissen werfen.


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Mehr als 1600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Audi in Neckarsulm sind in der Technischen Entwicklung (TE) beschäftigt. Rund 600 sitzen in einem der neuesten Gebäude, das es auf dem riesigen Werksgelände gibt. Nur, wer den richtigen Ausweis hat, kann eine Tür zu einem der geheimsten Orte von Audi öffnen. In dem Neubau mit der Gebäudebezeichnung C20 sind Werkstätten, Büros und Prüfstände untergebracht.

„Unser Multifunktionsgebäude ist das Herz der Technischen Entwicklung in Neckarsulm“, sagt Matthias Honzen, der die Entwicklung von Verbrennungsmotoren und Hybridsystemen leitet. Zum Gesprächstermin ist Jens Baumann dabei, der die Entwicklung von Energiesystemen verantwortet, also alles, was im weitesten Sinne mit elektrifizierten Fahrzeugen zu tun hat. Etwas salopp gesagt: Alte und neue Welt sitzen gemeinsam unter einem Dach.

Exklusive Einblicke in Batterietechnikum bei Audi in Neckarsulm

„Das gab es so noch nie bei Audi“, sagt Baumann. „Das sorgt für kurze Wege und eine optimale Vernetzung.“ Wobei alt relativ sei, wirft Matthias Honzen ein: „Wir entwickeln unsere Benzin- und Dieselmotoren hinsichtlich Leistung, Effizienz und künftiger Abgasnormen konsequent weiter.“ Es gebe noch viel Potenzial für Innovationen, so Honzen, der auf den neuen, mehrfach elektrifizierten Sechszylinder-Diesel verweist, der ab diesem Jahr für die Modelle A6 und Q5 erhältlich sein wird.

Verantworten bei Audi in Neckarsulm die Verbrenner- und Hochvoltentwicklung: Matthias Honzen (links) und Jens Baumann vor dem Multifunktionsgebäude C20.
Verantworten bei Audi in Neckarsulm die Verbrenner- und Hochvoltentwicklung: Matthias Honzen (links) und Jens Baumann vor dem Multifunktionsgebäude C20.  Foto: Audi

Gänzlich neu in dem fünfstöckigen Gebäude C20 ist das sogenannte Batterietechnikum zur Entwicklung und Erprobung von Hochvoltspeicher-Technologien. „In diesem Technikum erproben besonders geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zum Teil zuvor im Prüftechnikum für Verbrennungsmotoren tätig waren, neue Hochvoltspeicher-Module für verschiedene E-Fahrzeuge“, erzählt Jens Baumann. Das bedeutet: Akkus für E-Autos der Zukunft werden hier in der Region entwickelt. Vieles ist noch geheim und nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Aber das erste fertige Produkt, blickt Baumann in die Zukunft, solle eine Batterie für ein vollelektrisches SUV-Modell von Audi sein.

Audi-Werk in Neckarsulm: Wie die Entwicklung von Akkus für künftige E-Autos läuft 

Die Mannschaft würde aktuell in enger Abstimmung mit dem Konzern an verschiedenen Projekten arbeiten – nicht nur für Audi selbst, sondern auch für andere Marken des VW-Konzerns. „Bei Batterien passiert aktuell sehr viel“, so Baumann. „Wir richten den Blick bei der Entwicklung technologisch weit nach vorne.“ Man habe in Neckarsulm die Kompetenz aufgebaut, um alle Bereiche abdecken zu können. Zudem sei die Mannschaft der Antriebssysteme ein Beispiel für gelebte Transformation, erläutert Matthias Honzen: „Viele Entwickler, die jetzt an Hochvoltsystemen arbeiten, haben davor an Verbrennungsmotoren geforscht.“

„Wir fertigen die Systeme, führen Analysen durch und zerlegen die Batterien im Anschluss wieder, um zu untersuchen, wie sich die einzelnen Komponenten verhalten“, erklärt Thomas Dorsch, der das Anlaufcenter für Hochvoltbatterien leitet.
„Wir fertigen die Systeme, führen Analysen durch und zerlegen die Batterien im Anschluss wieder, um zu untersuchen, wie sich die einzelnen Komponenten verhalten“, erklärt Thomas Dorsch, der das Anlaufcenter für Hochvoltbatterien leitet.  Foto: Audi

Enge Vernetzung zwischen Entwicklung und Produktion in Neckarsulmer Audi-Werk

Eine weitere Besonderheit im Gebäude C20 ist, dass neben den Entwicklern auch Experten aus der Produktion arbeiten. „Diese Vernetzung hilft ungemein für die Umsetzung von der Entwicklung in die Serie“, sagt Ingenieur Baumann. „Fast täglich nutzen die Entwickler die kurzen Wege und erarbeiten mit den Kollegen der Produktion, wie neue technische Ideen oder notwendige Änderungen baulich umgesetzt werden können.“ Für die Produktion sei es extrem wichtig, dass die Dinge, die entwickelt werden, in der Serienfertigung gut umsetzbar sind. Hier sind die Kollegen von Anfang an dabei. Eine so enge Verzahnung verschiedener Unternehmensbereiche sei dafür ein Erfolgsfaktor.

Bei Audi im Batterietechnikum werden die Vorserien-Akkus gebaut

Im neuen Batterietechnikum herrscht geschäftiges Treiben. Überall, wo gelb-schwarzes Flatterband einen Bereich umrandet, ist Vorsicht geboten: Hier fließt gerade Strom. Ein Roboter nimmt mit einem Greifarm gerade wieder einen Zellblock und setzt ihn neben einige andere. Stück für Stück entsteht eine Hochvoltbatterie mit neuer Technologie.

„Wir fertigen die Systeme, führen Analysen durch und zerlegen die Batterien im Anschluss wieder, um zu untersuchen, wie sich die einzelnen Komponenten verhalten“, erklärt Thomas Dorsch, der das Anlaufcenter für Hochvoltbatterien leitet. „Wir geben unsere Vorseriensysteme an die Kollegen der TE, wo sie im Dauerlauf erprobt werden.“ Einige Module gehen zum Test auch an externe Institute.

2024 erfolgte der Aufbau der ersten Audi-Module und kompletten Batterien

„Wir arbeiten hier ganz klar mit einem Projekthausgedanken“, so Dorsch, ab und zu „fast ein bisschen wie ein Startup“. Im Januar 2023 wurde das Projekt Batterietechnikum gestartet, im April 2024 war die Qualifikation der Beschäftigten abgeschlossen, einen Monat später wurden die Anlagen in Betrieb genommen. „Ein Meilenstein war im November 2024 der Aufbau des ersten Musters, also der ersten Module und kompletten Batterien“, blickt Dorsch zurück.

In der Klimahöhenkammer von audi in Neckarsulm herrschen je nach Testbetrieb Temperaturen von 30 Grad unter Null bis zu 55 Grad über Null. Zudem sind Höhensimulationen von bis zu 5200 Metern möglich.
In der Klimahöhenkammer von audi in Neckarsulm herrschen je nach Testbetrieb Temperaturen von 30 Grad unter Null bis zu 55 Grad über Null. Zudem sind Höhensimulationen von bis zu 5200 Metern möglich.  Foto: Audi

Nun wechselt seine Truppe aktuell auf das nächste Muster. „Wir sind eine Innovationsschmiede“, freut sich Thomas Dorsch über die bisherigen Fortschritte im Batterietechnikum. „Wir haben da noch viel Potenzial, um Innovationen im Kleinen zu testen“, so Dorsch. „Die Beschäftigten geben ganz viel Input, wir nehmen derzeit richtig Geschwindigkeit auf.“

Multifunktionsgebäude mit Büros, Werkstätten und Klimahöhenkammer

Ein paar Stockwerke höher brüten die Ingenieure über den neuesten Ideen. Im Multifunktionsgebäude C20, das rund eine Fläche von 60 mal 60 Metern einnimmt und etwa 35 Meter hoch ist, arbeiten gut 500 Angestellte in modern eingerichteten Büros. Weitere 120 haben ihren Arbeitsplatz in den Werkstätten und Prüfständen im unteren Gebäudebereich. Ein technisches Highlight des neuen Komplexes, zu dessen Kosten Audi keine Angaben macht, ist unter anderem die sogenannte Klimahöhenkammer. Dort werden Fahrzeuge während der Testläufe extremen Bedingungen ausgesetzt. „Unsere Klimahöhenkammer gehört zu den modernsten Prüfständen weltweit“, sagt Matthias Honzen. In der Kammer herrschen je nach Testbetrieb Temperaturen von 30 Grad unter Null bis zu 55 Grad über Null. Die Leuchtfeuchtigkeit kann von zehn bis 90 Prozent variabel reguliert werden. Zudem sind Höhensimulationen von bis zu 5200 Metern möglich.

Und das alles bei Geschwindigkeiten von bis zu 260 km/h, wenn das Auto auf einer Fahrzeugrolle steht. So will man sicherstellen, dass neue Audi-Modelle unter allen denkbaren Bedingungen einwandfrei funktionieren. „Das ist gerade im Hinblick auf künftige E-Autos ein wichtiges Testumfeld, um Haltbarkeit und Funktionstüchtigkeit der Hochvoltsysteme unter Extrembedingungen zu testen“, sagt Jens Baumann. Das gelte für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren natürlich ebenfalls. So oder so sei die Bündelung der Antriebskompetenzen in Neckarsulm eine deutliche Aufwertung der Technischen Entwicklung am Standort.

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