Sport-Union Neckarsulm ist weiterhin zu grün hinter den Ohren
Einmal mehr steht sich die Sport-Union Neckarsulm am Mittwochabend gegen Angstgegner VfL Oldenburg selbst im Weg. Spielführerin Munia Smits wird beim Bundesligisten zur tragischen Figur, doch die Fehlerkette ist länger.

Wertlos am Mittwochabend, womöglich aber noch wertvoll in sechs Wochen, wenn nach dem Ende der Bundesliga-Hauptrunde tabellarisch abgerechnet wird. Die Wertigkeit des einen Punktes, den die Sport-Union Neckarsulm beim 26:26 (14:13) in ihrem Heimspiel gegen den VfL Oldenburg eingefahren hat, unterschied sich je nach Betrachtungshorizont. „Mit ein bisschen Abstand kannst du auf den Punkt schauen und sagen: Gut, dass wir den einen Punkt haben. Aber heute musst du dich natürlich ärgern“, befand Trainer Thomas Zeitz.
Am Mittwochabend in der Ballei hatte der VfL Oldenburg einmal mehr den Party-Crasher gegeben, weil Pam Korsten zwei Sekunden vor Schluss noch zum Ausgleich getroffen hatte – obwohl die Gastgeberinnen zwei Minuten vor dem Ende noch mit 26:23 in Führung gelegen und einen Vier-Tore-Vorsprung in der Hand gehabt hatten.
Sport-Union wartet seit fast vier Jahren auf einen Sieg gegen VfL Oldenburg
Dabei hatte Thomas Zeitz in seiner finalen Auszeit 45 Sekunden vor Schluss, als die Sport-Union in Ballbesitz war und noch mit einem Tor führte, eine klare Ansage gemacht: „Wir brauchen noch einen Ball aufs Tor, keinen Fehlpass oder irgendeine Scheiße!“ Munia Smits war dann die tragische Figur des Abends, der 20 Sekunden vor Schluss genau dieser zu vermeidende Fehlpass in die Hände von Paulina Golla unterlief, so dass das Remis überhaupt erst möglich wurde. Seit Mai 2022 wartet die Sport-Union damit auf einen Erfolg gegen die Niedersachsen.
Doch die später untröstliche Smits allein für den Punktverlust verantwortlich zu machen, wäre zu kurz gegriffen gewesen. Das betonte auch Zeitz: „Wir waren nicht die schlechtere Mannschaft, aber die sind ein bisschen abgezockter als wir es sind; wir sind noch ein bisschen grün hinter den Ohren.“ In den Schlussminuten hatten seine Spielerinnen gleich eine ganze Reihe falscher Entscheidungen getroffen, die zusammengenommen in der großen Enttäuschung mündeten.
Fehlerkette und vergebene freie Chancen machen Remis erst möglich
Kamila Kordovská etwa hatte 90 Sekunden vor Schluss beim Stand von 26:24 mit einem halbherzigen Aufsetzer abgeschlossen, den VfL-Torhüterin Madita Kohorst mühelos parierte. Anschließend kam die Tschechin defensiv nicht ins Duell mit Golla, die dann den Anschlusstreffer zum 25:26 erzielte. Antje Döll wiederum wollte in der allerletzten Aktion des Spiels ein Stürmerfoul von Joanna Granicka provozieren, hatte damit bei den beiden Unparteiischen Jan Lier und Manuel Lier allerdings keinen Erfolg. Während die Vizeweltmeisterin also bedröppelt am Boden lag, nutzte Pam Korsten die freie linke Neckarsulmer Seite zum Ausgleich. Auch das hätte im Erfolgsfall eine clevere Aktion sein können, sah so allerdings mehr als unglücklich aus.
„Ich hadere vor allem mit den ganz vielen freien Chancen, die wir in der ersten Halbzeit vergeben haben“, sagte Thomas Zeitz. Die Trefferquote im Allgemeinen habe gestimmt, aber dass sein Team nicht mit einem Vier- oder Fünf-Tore-Vorsprung in die Kabine gegangen war, wurmte den 52-Jährigen.
Spätes Remis überschattet positive Aspekte der vergangenen Wochen
Die positiven Aspekte des Neckarsulmer Abends rückten durch den späten Gegentreffer fast gänzlich in den Hintergrund. Dazu zählt ganz allgemein, dass die Januar-Talsohle nach den Februar-Spielen gegen die HSG Blomberg-Lippe (27:29), Frisch Auf Göppingen (41:32) und nun den VfL Oldenburg durchschritten scheint. Dass sich das Sieben-gegen-Sechs als probates Mittel erwies, dass „ich vielleicht noch zwei, drei Angriffe länger hätte machen sollen“, wie Zeitz selbstkritisch bekannte. Und dass einzelne Spielerinnen wie Lena Ivancok (16 Paraden) und Meret Ossenkopp (sieben Tore) aus ihrem zwischenzeitliche Leistungsloch wieder herausgefunden zu haben scheinen.
15 Pluspunkte sind außerdem nur einer weniger als in der gesamten vergangenen Spielzeit. Bei noch drei ausstehenden Hauptrunden-Spielen wird wohl das Heimspiel gegen die TuS Metzingen am 21. März entscheiden, ob die „TusSies“ oder die Sport-Union als Tabellensechster in die Playoffs einziehen. Eine Ausgangslage, mit der im Neckarsulmer Lager alle bestens leben könnten – wären da nicht diese kostspieligen Aussetzer, mit denen sich die Sport-Union in dieser Saison bereits zweimal gegen den VfL Oldenburg, gegen Union Halle-Neustadt sowie gegen die TuS Metzingen um Punkte gebracht hat.
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