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Schwache Chancenverwertung macht der Sport-Union zu schaffen: „Es ist ja nicht so, dass ich irgendwelche Blinden von der Straße geholt habe, aber...“

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Während man bei der Sport-Union Neckarsulm am Mittwochabend trotz der Niederlage erleichtert durchatmet, hakt die HSG Blomberg-Lippe einen unschönen „Arbeitssieg“ schnell ab. Die Stimmen zum Spiel.

Ihr Trikot hat Paulina Uscinowicz (am Ball) am Mittwochabend nicht getauscht, auch wenn es ihre Gegenspielerinnen offenbar gerne gehabt hätten. Zwei Tore aus sieben Würfen der Polin standen aber stellvertretend für das größte Manko der Sport-Union.
Ihr Trikot hat Paulina Uscinowicz (am Ball) am Mittwochabend nicht getauscht, auch wenn es ihre Gegenspielerinnen offenbar gerne gehabt hätten. Zwei Tore aus sieben Würfen der Polin standen aber stellvertretend für das größte Manko der Sport-Union.  Foto: Ralf Seidel

Zwei Spiele, zwei Top-Gegner, zwei Niederlagen, aber dennoch ein Unterschied wie Tag und Nacht: Vier Tage nach der deutlichen 23:33-Niederlage gegen den Thüringer HC hat die Sport-Union Neckarsulm am Mittwochabend in der Bundesliga gegen die HSG Blomberg-Lippe erfolgreich Wiedergutmachung betrieben und angesichts der 27:29-Niederlage zwar keine Punkte, wohl aber die Gewissheit für die anstehenden Aufgaben mitgenommen, auch gegen Spitzenteams mithalten zu können.

Darüber waren sich Neckarsulms Trainer Thomas Zeitz und seine Torhüterin Lena Ivancok, die bei insgesamt 13 Paraden besonders nach der Pause zu glänzen wusste, nach der Partie einig. HSG-Trainer Steffen Birkner hatte hingegen eine schwache Vorstellung seiner Mannschaft gesehen und war daher ebenso froh über einen unangenehmen Arbeitssieg wie seine Torhüterin Nicole Roth (13 Paraden), die in der Spielzeit 2018/2019 einst das Neckarsulmer Tor gehütet hatte. Die Stimmen zum Spiel.


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Sport-Union Neckarsulm verpasst Überraschung gegen HSG Blomberg-Lippe


Thomas Zeitz

...über die Leistungssteigerung seiner Mannschaft im Vergleich zum Spiel gegen den Thüringer HC: „Nach den Wochen, die wir hinter uns haben, speziell mit dem Spiel gegen den THC vergangenes Wochenende, das wir uns alle anders vorgestellt hatten, war für uns heute das oberste Gebot, eine Reaktion zu zeigen. Und ich bin sehr, sehr stolz auf meine Mannschaft, wie sie das gemacht und was sie heute 60 Minuten alles reingeworfen hat. Wir haben kein perfektes Handball-Spiel, sondern noch ein paar einfache Fehler zu viel gemacht, aber wir haben gegen eine der zwei besten Mannschaften in Deutschland dagegengehalten und nicht aufgegeben. Natürlich kann Blomberg anders spielen, vielleicht haben wir sie aber zumindest in Teilen auch nicht spielen lassen.“

...über die Entwicklung der HSG Blomberg-Lippe zu einem Spitzenteam: „Ich habe riesengroßen Respekt vor dem, was Steffen (Birkner, Trainer der HSG Blomberg-Lippe, Anm. d. Red.) dort für eine überragende Arbeit macht. Diese Mannschaft, wie sie sich präsentiert und immer Gas gibt, ist einfach ein super schwerer Gegner. Das kann man respektieren und davor ziehe ich den Hut und gratuliere ihm ganz herzlich zu dieser super tollen Arbeit. “


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Blomberger Erfolgswelle ist zu hoch für die Sport-Union Neckarsulm


...über die Lehren aus der Schlussphase: „Beim 25:25 musst du halt ein Tor nicht kassieren und auf der anderen Seite eines machen, dann geht vielleicht noch mehr. Aber am Ende sind wir noch nicht so weit; wir können uns noch nicht mit Blomberg vergleichen. Wir werden aber versuchen, die Leistung von heute zu konservieren, denn dann werden wir auch in den nächsten Wochen wieder Erfolgserlebnisse haben.“

...darüber, wie er seine Mannschaft nach der Zehn-Tore-Niederlage gegen den Thüringer HC in nur zwei Trainingstagen wieder aufgebaut hat: „Wir haben am Montag das erste Training zugunsten von einer Art Sit-in ausfallen lassen, bei dem wir dann mal über ein paar Dinge gesprochen und die wir ins rechte Licht gerückt haben − einfach, damit die ein oder andere nicht zu viel Druck verspürt, aber auf der anderen Seite auch die Balance zwischen Druck und dem Übernehmen von Verantwortung und für ihr eigenes Tun findet. Wir wollten der Situation mal etwas anders als nur mit Handball-Training entgegenwirken und ich habe dann schon beim zweiten Training am Montag und auch am Dienstag gesehen, dass es wirkt. Daher war ich heute super entspannt und wusste, die Wahrscheinlichkeit, dass es noch einmal so wird wie am Samstag gegen den THC, wird relativ gering sein. Für uns war es wichtig, dass jeder weiß, dass das hier ‚nur‘ Handball ist und die Sonne morgen wieder aufgeht, aber trotzdem jeder für seine eigene Leistung eine gewisse Verantwortung trägt. Das habe ich heute gesehen und das war mir wichtig.“

...über das, was seiner Mannschaft gefehlt hat: „Am Ende kannst du dich sogar fast ärgern, dass du zwei, drei Bälle zu viel verworfen hast, aber ich bin vor allem unheimlich glücklich, dass wir wieder auf unseren Weg zurückgefunden haben. Letztlich fehlt uns einfach ein bisschen die Abgezocktheit, aber ich habe den Mädels gesagt, dass die Leistung heute die richtige Reaktion zur richtigen Zeit war, die aber auch unser Standard werden muss.“

...über das leidige Thema der schwachen Chancenverwertung: „Also Chancen, gerade freie, hatten wir genug. Und man muss ja immer sehen: Wenn wir gerade in der zweiten Hälfte von den Chancen, die wir uns herausspielen, vielleicht nur zwei oder drei mehr reinmachen, dann machen die im Umkehrschluss auch eines weniger. Wir müssen den Gegner in solchen Phasen einfach bestrafen; das ist unser großes Manko, bei dem wir auch im Kopf noch viel Arbeit vor uns haben. Es ist ja nicht so, dass ich hier irgendwelche Blinden von der Straße geholt habe, die den Ball nicht aufs Tor werfen können, aber man sieht, dass bei der ein oder anderen dann die Angst zu groß ist. Und das müssen wir herausarbeiten. Aber der erste Weg, um es herauszuarbeiten, ist, die Würfe weiterhin zu nehmen.“

...auf die Frage, ob er als Tabellensechster noch auf den fünften Platz schielt, nachdem der VfL Oldenburg (der dort mit zwei Punkten mehr und zwei absolvierten Spielen weniger steht) überraschend beim Buxtehuder SV verloren hat: „Für uns heißt es Schritt für Schritt weiterschauen und erst einmal da zu bleiben, wo wir jetzt sind. Wenn wir in der Rückrunde die Spiele in Göppingen und zu Hause gegen Metzingen und Oldenburg gewinnen sollten, was schwere Spiele werden, dann halten wir uns da. Sollte Oldenburg dann noch seine zwei verbleibenden Spiele verlieren, dann können wir uns noch einmal darüber unterhalten, ob wir es schaffen oder nicht. Falls wir aber in Göppingen verlieren, reden wir ohnehin eher über den siebten als über den fünften Platz. Aber individuell ist der VfL Oldenburg keine überragend bessere Mannschaft als wir es sind. Allerdings sind sie uns zwei Schritte voraus weil sie seit fünf, sechs Jahren ihre Mannschaft und das System zusammenhalten.“


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Lena Ivancok

...über die Mannschaftsleistung der Sport-Union: „Ich muss sagen, dass ich stolz auf meine Mannschaft bin. Nach dem Spiel vergangene Woche haben wir gezeigt, dass wir es doch können.“

...über die entscheidenden Schlussminuten nach dem 25:25-Ausgleich (54. Minute): „‚Nici‘ (Nicole Roth, Torhüterin der HSG Blomberg-Lippe, Anm. d. Red.) war stark hinten drin, aber wir haben dann auch einige Würfe genommen, die für eine Torfrau einfach zu halten sind. Aber Blomberg ist eine starke Mannschaft, gegen die wir es gut gemacht haben. Wir haben uns gut gehalten und genug Tore geschossen; am Ende hat es an Kleinigkeiten gelegen.“


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Steffen Birkner

...über die Leistung seiner Mannschaft: „Ich glaube, man hat gesehen, dass wir heute nicht hundertprozentig bei unserer Leistungsfähigkeit waren − natürlich weil Neckarsulm auch gut verteidigt und eine gute Torhüterin hat. Aber bei uns haben einfach ein paar Dinge gefehlt: Wir haben die Passsicherheit ein bisschen vermissen lassen, zu viele Technische Fehler gemacht und verwerfen auch zu viele freie Bälle.“...über das Spiel, das in der Schlussphase noch einmal spannend wurde: „Wir wussten, dass das hier schwer wird. Ich muss hier nicht mit zehn Toren Unterschied gewinnen, das wäre auch despektierlich Thomas (Zeitz, Trainer der Sport-Union Neckarsulm, Anm. d. Red.) und seiner Mannschaft gegenüber, aber ich habe schon den Anspruch, eine bessere Leistung von meiner Mannschaft zu sehen. Das haben wir heute nicht geschafft, deswegen bin ich froh, dass wir die zwei Punkte geholt haben. Man könnte das unter ‚Arbeitssieg‘ verbuchen.“

 

Nicole Roth

...über den überraschend knappen Spielausgang: „Wir haben es am Ende ein bisschen unnötig spannend gemacht, aber Neckarsulm hat auch super gut gekämpft. Wir wussten, dass es hier nicht einfach ist, aber dafür, dass es so schwer geworden ist, muss man Neckarsulm einen großen Respekt aussprechen.“


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