Zahlen belegen den Aufwärtstrend der Sport-Union Neckarsulm
Sport-Union Neckarsulm blickt nach dem Jahreswechsel auf die drittbeste Hinrunden-Bilanz ihrer Bundesliga-Historie zurück. Doch nicht alle Akteurinnen profitieren vom Aufschwung der zurückliegenden Monate.

Viel besser hätte ihr spielfreies Wochenende für die Neckarsulmer Bundesliga-Handballerinnen kaum laufen können. Denn statt dabei zuschauen zu müssen, wie die Konkurrenz der Sport-Union, die ursprünglich am 3. Januar gegen die HB Ludwigsburg hätte spielen sollen, in der Tabelle enteilt, wuchs das Polster auf das untere Mittelfeld sogar noch an. Der 25:23-Erfolg des BSV Sachsen Zwickau über Frisch Auf Göppingen machte es möglich.
Am 30. Dezember hatte Frisch Auf die TuS Metzingen noch mit 33:28 bezwungen, die Neckarsulmerinnen aber ihrerseits drei Tage zuvor mit 29:30 in Tübingen bei den „TusSies“ verloren. Angesichts des überzeugenden 35:22-Erfolgs einen Tag vor Silvester gegen Sachsen Zwickau kam der große Gewinner des Bundesliga-Dreierpacks zwischen Weihnachten und dem Drei-Königs-Tag dann aber doch aus Neckarsulm.
Dreikampf im Tabellenmittelfeld der Handball-Bundesliga
Gemeinsam mit dem VfL Oldenburg und der TuS Metzingen befindet sich die Sport-Union damit nun zu Beginn der Rückrunde in einem Dreikampf um Rang fünf. Angesichts von jeweils 10:10 Punkten trennen das Trio nur Nuancen beim Torverhältnis; erste Verfolger sind die Frisch-Auf-Frauen (7:13 Punkte) und Sachsen Zwickau (6:12).
„Wir hätten noch zwei Punkte mehr haben sollen: Metzingen oder Oldenburg, eines der beiden Spielen hätte man noch ziehen können“, sagt Neckarsulms Trainer Thomas Zeitz. „Wichtig ist aber, dass wir in der Tabelle dabei sind; alle sind da eng beieinander. Wir müssen nun die guten Dinge konservieren, zum Beispiel unsere Fehleranzahl gering halten“, lautet das Credo für die am Samstag in Bensheim beginnende Rückrunde, in die die Lehren aus der Hinrunde einfließen sollen.
Grundlegende Erkenntnisse der Hinrunde
Die Abstiegssorgen waren spätestens nach dem Rückzug der HB Ludwigsburg kurz vor Saisonbeginn ohnehin nur noch minimal. Doch die Sport-Union Neckarsulm hat seitdem bewiesen, dass sie nach drei Spielzeiten des Zitterns doch noch eine sorgenfreie Saison spielen kann. Die bereits in der Vergangenheit sichtbare, positive Entwicklung spiegelt sich zudem nun auch in Zahlen und in der Tabelle wider, was wiederum der Stimmung im und um das Team zugute kommt.
Auch wenn sich die Konstanz deutlich verbessert hat, liegt in ihr weiterhin das größte Steigerungspotenzial für die Mannschaft. Denn für eine sehr gute Hinrunde hätten die Neckarsulmerinnen mindestens eines der beiden von Thomas Zeitz angesprochenen Duelle mit den direkten Konkurrenten aus Metzingen und Oldenburg gewinnen müssen. Andererseits: Der Auswärtserfolg beim Thüringer HC war ein Glanzlicht.
Blick auf das Neckarsulmer Punktekonto belegt den Aufwärtstrend
„Ich weiß nicht, wann man hier in Neckarsulm zuletzt zehn Punkte nach zehn Spielen hatte“, sagte Thomas Zeitz breit grinsend zum Jahresabschluss. Der Blick ins Archiv verrät: im Dezember 2021. Damals stand die Sport-Union mit 11:9 Zählern ebenfalls auf Tabellenplatz sechs. Besser war sie in ihrer Bundesliga-Historie nur im Jahr zuvor als sie angesichts von 15:5 Punkten herausragende Dritte war.
Viermal (2016/2017, 2017/2018, 2019/2020 und 2024/2025) standen nach zehn Spieltagen jeweils 6:14 Zähler zu Buche. In den allermeisten Fällen war die Bilanz nach zehn Spielen in der Vergangenheit auch gleichbedeutend mit dem Jahresabschluss in der Bundesliga.
Drei Gewinnerinnen der Hinrunde
Die größte Gewinnerin ist fraglos Linksaußen Antje Döll. Im Sommer war die inzwischen 37-Jährige Nationalspielerin nach der Insolvenz der HB Ludwigsburg noch arbeits- und vertragslos, nun, im Winter, ist sie Dauer-Spielerin, in Neckarsulm Co-Spielführerin, Fan-Liebling und darüber hinaus Vizeweltmeisterin sowie WM-All-Star. Viel besser hätte das Halbjahr für Döll kaum laufen können.
Dank weniger Leistungsschwankungen zählt auch Torhüterin Lena Ivancok, die bereits in den vergangenen Jahren stets auf einem guten Niveau agiert hatte, zu den Gewinnerinnen. Ihre starken Leistungen haben Zeitz’ Team in mehreren Spielen die Punkte gesichert. Hinzu kommt eine ordentliche Weltmeisterschaft mit der Nationalmannschaft Österreichs.
Als Gewinnerin darf sich außerdem Kim Hinkelmann fühlen. Nach ihren langwierigen Patellasehnen-Problemen in der vergangenen Saison hat die Kreisläuferin, die kürzlich ihren Verbleib in Neckarsulm bis 2027 besiegelt hat, zwar weiterhin Verbesserungspotenzial, ist jedoch sofort wieder ein zentraler Bestandteil im und eine verlässliche Arbeiterin für das Team geworden. Auch deswegen schätzt Thomas Zeitz die Arbeit mit der 24-Jährigen sehr.
Vier Nicht-Gewinnerinnen der Hinrunde
In Ermangelung klarer Verlierer haben sich dennoch einige Spielerinnen zumindest keinen Vorteil aus der guten Hinserie erarbeiten können. Dazu zählt naturgemäß Alessia Riner, die aufgrund ihres in der Saisonvorbereitung erlittenen Kreuzbandrisses die WM verpasst hat und noch auf ihr Saisondebüt wartet. Die Schweizer Linksaußen arbeitet jedoch seit Monaten eifrig an ihrem Comeback und dürfte wohl auch wieder für die Sport-Union auflaufen − trotz ihres im Sommer auslaufenden Vertrags.
Auch Lilli Holste dürfte sich in ihrer zweiten Saison mehr (Spielzeit) versprochen haben. Auf dem Papier ist die 24-Jährige die einzige rechte Rückraum-Spielerin und zudem einzige Linkshänderin für die Rückraum-Positionen im Kader. Angesichts dessen sind acht Tore und fünf Vorlagen aus zehn Spielen eigentlich zu wenig. Dementsprechend dürfte Holste in der Rückrunde um mehr Spielanteile und eine gewichtigere Rolle im Team bemüht sein.
Besser sind die Zahlen bei Angunn Gudmestad (26/11), doch es erhärtete sich gerade zum Jahresende die Erkenntnis, dass noch weit mehr Potenzial in der wurfgewaltigen und physisch starken Norwegerin steckt. Dafür muss die 24-Jährige aber im Trainingsbetrieb zulegen, worauf ihr Trainer in der Vergangenheit mehrfach hinwies. Thomas Zeitz selbst muss hingegen einen Weg finden, wie er Gudmestad besser in sein Spielsystem einbinden kann. Anderenfalls drohen beide, ihr eigenes Potenzial und jenes für die Neckarsulmer Mannschaft zu verschenken.
Erwartungsgemäß nur sehr wenig Spielzeit hat in der Hinserie Lynn Holtman erhalten. Die Niederländerin hatte sich im Sommer bewusst gegen eine erneute Leihe entschieden, kam aber bisher trotz zehn Kadernominierungen zu sehr wenig Spielzeit. Das hohe Trainingspensum in Neckarsulm dürfte der 21-Jährigen war helfen, doch vor allem benötigt die ehemalige U-Nationalspielerin Wettkampfpraxis. Deshalb soll Holtman in der Rückserie auch immer wieder im Neckarsulmer Regionalliga-Team aushelfen. „Bei Gegnern, gegen die es Sinn ergibt, werden wir es versuchen − sofern es in ihren und den Terminkalender der Bundesliga-Mannschaft passt“, bestätigt Neckarsulms Handball-Koordinator Gernot Drossel.
HBF vermeldet positive Entwicklung der Zuschauerzahlen
Um von einem „WM-Effekt“ zu sprechen, ist es noch zu früh, doch die Handball Bundesliga Frauen (HBF) kann beim Blick auf die Zuschauerzahlen in den Hallen ein positives Zwischenfazit ziehen: Die 54 bisher ausgetragenen Erstliga-Partien seien von 81.007 Zuschauer besucht worden, was einem Durchschnitt von 1500 pro Partie entspricht. Dies seien wiederum rund fünf Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison, wie die HBF mitteilt.
Gründe für diese Entwicklung sind die Zuschauermagneten VfL Oldenburg (2409 Zuschauer pro Spiel) und Frisch Auf Göppingen (2200) sowie der allgemeine Trend zu Umzügen anlässlich von Event-Spielen in größere Hallen. Doch auch die Sport-Union Neckarsulm ist Teil der positiven Entwicklung: Nicht zuletzt aufgrund des in dieser Spielzeit wieder genutzten mobilen Unterrangs auf der Audi-Tribüne liegt der Zuschauerschnitt in der Ballei derzeit bei 1136, was ligaweit Platz neun bedeutet. Nach dem Ende der Saison 2024/2025 hatten im Durchschnitt 1006 Zuschauer pro Partie (Ligaweit Rang acht) die Neckarsulmer Heimspiele besucht.
Kommentare öffnen




Stimme.de
Kommentare