Bundesliga-Heimspiele in der Ballei sorgen bei der Sport-Union Neckarsulm für rote Zahlen
Obwohl der Zuschauerschnitt in der Ballei im Vergleich zur Vorsaison gestiegen ist, sind rote Zahlen bei Heimspielen der Sport-Union-Handballerinnen die Regel. Der Handlungsspielraum für den Verein ist begrenzt.

Dass der Neckarsulmer Zuschauerrekord am Mittwochabend nicht in Gefahr geraten würde, wusste Sascha Göttler bereits eine ganze Weile im Voraus. 768 Fans sahen am Mittwochabend in der Ballei das 27:29 der Sport-Union Neckarsulm gegen die HSG Blomberg-Lippe.
Die aufgrund der Blomberger Europapokal-Verpflichtungen nötig gewordene Spielvorverlegung auf einen Mittwochabend und die damit ebenfalls einhergehende geringe Zahl an mitreisenden Gästefans waren das eine. Das trotz des sportlichen Aufschwungs der HSG grundsätzlich eher geringe Interesse an den Lipperländern das andere. „Und man muss natürlich auch sagen, dass wir sportlich zuletzt keine Werbung für uns gemacht haben“, gibt Göttler mit Blick auf zwei vorangegangene Heimniederlagen mit dürftigen Leistungen im Jahr 2026 zu.
Angesichts all dieser Rahmenbedingungen waren 768 Fans ein zufriedenstellender Wert. Sport-Union-Geschäftsführer Hannes Diller dürfte er hingegen einmal mehr Kopfzerbrechen bereitet haben.
Sport-Union verdient bei durchschnittlichen Heimspielen kein Geld
Denn es gehörte zu den bemerkenswertesten Fakten, die beim Neckarsulmer Netzwerktreffen in der vergangenen Woche zutage gefördert worden waren, dass jedes durchschnittliche Bundesliga-Heimspiel für die Sport-Union Neckarsulm ein Verlustgeschäft ist. „Wir verdienen am Heimspielen kein Geld“, bestätigt Vorstandsmitglied Bernd Dollmann. Um etwa 20 Prozent überstiegen die Ausgaben die Einnahmen, beziffert Hannes Diller die Lücke zwischen Soll und Haben, die er entsprechend weitsichtig bereits eingeplant habe.
„Die Hallenstandards sind unser größter Kostenfresser“, sagt der Neckarsulmer Geschäftsführer und verweist auf die seit dieser Saison von der Handball Bundesliga Frauen (HBF) vorgeschriebene LED-Bande, die erforderliche Zusatztribüne, um die notwendige Sitzplatzzahl in der Ballei zur Verfügung stellen zu können, und nicht zuletzt die neuen Auszeit-Buzzer, die der Verein anschaffen musste.

Personalkosten belasten den Verein an Spieltagen besonders
Zu diesen Einmal-Anschaffungen, die sich mit jedem Heimspiel „abschreiben“ lassen, kommen die Posten, die immer wieder aufs Neue anfallen. Dazu zählen zuvorderst Personalkosten für das achtköpfige Team, das sich um den Auf- und Abbau der Tribüne kümmert, dafür extra aus Mannheim anreist und rund zehn Stunden im Einsatz ist.
Des weiteren kosten die vier Personen, die Kameras und Technik rund um die Livestream-Übertragungen verantworten, ebenso Geld sowie zwei Security-Teams, zwei Mitarbeiter des Roten Kreuz und Hallensprecher Felix Christmann. Schiedsrichter und Zeitnehmer beziehungsweise Sekretäre belasten den Verein ebenfalls finanziell. Hinzu kommen Kosten für die Hallennutzung und die Unterhaltung des VIP-Bereichs.
Sport-Union Neckarsulm erhält nicht für alle Eintrittskarten Geld
Alldem gegenüber stünden die Einnahmen aus dem Ticketing und Catering, sagt Diller. Der 27-Jährige gibt allerdings zu bedenken, dass sich aus der bloßen Zuschauerzahl keine Einnahmentendenz ableiten lasse, denn für einige Sponsoren- und VIP-Tickets sowie Frei- und Aktionskarten oder subventionierte Eintrittskarten fließt kein oder kaum Geld an den Verein.
Noch defizitärer als Liga- sind im Übrigen Heimspiele im DHB-Pokal, bei denen der gastgebende Verein zunächst zehn Prozent der Ticketeinnahmen (netto) an die HBF abführen muss und den übrigen Nettoerlös nach Abzug weiterer Kosten (Hallenmiete, Schiedsrichter, Fahrtkosten des Gastvereins (Kilometerpauschale: 1,10 Euro) etc.) grundsätzlich mit den Gästen paritätisch teilen muss.
Preiserhöhungen bei Tages- und Dauerkarten sind ein schmaler Grat
Wie also das finanzielle Ungleichgewicht zumindest ausbalancieren? „Wir müssen die Fixkosten im Rahmen halten“, nennt Hannes Diller den wichtigsten Punkt und im selben Atemzug die 20 bis 30 ehrenamtlichen Helfer, auf die der Verein an Heimspieltagen nicht verzichten könne: „Ohne die geht es nicht“, sagt der Geschäftsführer.
Die einfachste Maßnahme ist hingegen zugleich die riskanteste: Die Erhöhung der Eintrittspreise. Um zwei Euro verteuerte sich zu Saisonbeginn eine Tageskarte für die Ballei; Dauerkarten der teuersten Kategorie kosten seit Juli 70 Euro mehr. Einen schmalen Grat sieht Diller hier; Frauen-Handball soll schließlich bezahl- und erlebbar bleiben. Mit der Preiserhöhung vor der Saison habe man sich an den Ligakonkurrenten im Südwesten orientiert, wie Marvin Schiedt, der auf der Geschäftsstelle das Ticketing verantwortete, seinerzeit erklärt hatte.
Vereine setzen auf unterschiedliche Dauerkarten-Modelle
Eine direkte Vergleichbarkeit der Dauerkarten-Preise in der Handball Bundesliga Frauen (HBF) ist nur bedingt möglich, denn die Vereine setzen bei ihrem Angebot auf unterschiedliche Umfänge.
So sind etwa bei Borussia Dortmund oder dem SV Union Halle-Neustadt ausschließlich die elf Hauptrunden-Heimspiele inkludiert, während sie bei der Sport-Union Neckarsulm (exklusive eines möglichen Relegationsspiels), der HSG Bensheim/Auerbach, der TuS Metzingen und Frisch Auf Göppingen zusätzlich auch alle Partien der anschließenden Meisterrunde oder der Playoffs umfassen.
Bei der HB Ludwigsburg war vor der Insolvenz sogar ein Komplettpaket aus allen Liga-, Pokal- und Champions-League-Spielen geplant, während der VfL Oldenburg seinen Dauerkarten-Inhabern (alle Liga- und Pokalspiele) ein Vorkaufsrecht für den Europapokal gewährt. Ein Komplettpaket aus allen Bundesliga- und European-League-Heimspielen bietet der Thüringer HC an.
Mit einem Vorkaufsrecht arbeiten auch die HSG Blomberg-Lippe und der Buxtehuder SV. Die HSG-Dauerkarte enthält alle elf Hauptrunden-Heimspiele und ein Erstzugriffsrecht für die Playoff-/Meisterrunden-Spiele sowie mögliche DHB-Pokal-Partien an der Ulmenallee. In Buxtehude setzt man auf eine digitale Dauerkarte für elf Hauptrunden-Spiele sowie die erste Playoff-Partie. Das Vorkaufsrecht für Dauerkarten-Inhaber gilt hier nur für mögliche Pokal-Begegnungen. Ähnlich wie beim Buxtehuder SV bietet auch die Saisonkarte des BSV Sachsen Zwickau eine Kombination aus elf Hauptrunden- und einem Playoff-Spiel. Ein Vorkaufsrecht für den Pokalwettbewerb gibt es hier allerdings nicht.
Zuschauerschnitt in der Ballei hat leicht zugenommen
Folgen hatte der Preisanstieg bisher nicht: Im ligaweiten Zuschauer-Ranking liegt die Sport-Union mit insgesamt 8767 Besuchern und zum Teil auch in Ermangelung von Event-Spielen in größeren Hallen derzeit auf Rang neun. Der aktuelle Durchschnittswert von 1095 Zuschauen pro Spiel bedeutet einen Zuwachs von 89 Fans pro Partie im Vergleich zur gesamten Vorsaison, als im Schnitt 1006 Anhänger kamen.
Die jüngste Mittwochspartie gegen die HSG Blomberg-Lippe drückte den Zuschauerschnitt dabei ebenso, wie es die Begegnung mit dem VfL Oldenburg (Mittwoch, 18. Februar, 19.30 Uhr) ein weiteres Mal tun dürfte. Immerhin: Am besten besucht war die Ballei in dieser Spielzeit zum Jahresabschluss am 30. Dezember gegen den BSV Sachsen Zwickau – und die 1318 Zuschauer, die vor rund einem Monat den 35:22-Erfolg der Sport-Union sahen, waren gleichbedeutend mit einem Allzeit-Rekord.
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