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Sieben Tore und „sehr viel Spaß“: Ex-Neckarsulmerin Nina Engel ist bei Heim-WM angekommen

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Der vorzeitige Hauptrunden-Einzug der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft ist auch mit Nina Engel verbunden, die gegen Uruguay zu den Protagonistinnen des Abends gehört.

Am Sieg der deutschen Mannschaft gegen Uruguay und der mit ihm verbundenen, vorzeitigen Hauptrunden-Einzug hatte Nina Engel (rechts) mit sieben Treffern einen großen Anteil.
Am Sieg der deutschen Mannschaft gegen Uruguay und der mit ihm verbundenen, vorzeitigen Hauptrunden-Einzug hatte Nina Engel (rechts) mit sieben Treffern einen großen Anteil.  Foto: Marijan Murat (dpa)

Der Freitagabend war ein Abend ganz nach dem Geschmack von Nina Engel. Der souveräne 38:12-Erfolg gegen Uruguay, der damit verbundene vorzeitige Hauptrunden-Einzug und sieben erzielte Tore aus beinahe allen Lagen, waren genau das, was die Rückraum-Akteurin der HSG Bensheim/Auerbach zu diesem frühen Zeitpunkt im Turnier gebraucht hatte. Engel ist am Freitagabend angekommen bei dieser Heim-Weltmeisterschaft.

„Gute Teamleistung, bin zufrieden, konnte meinen Teil dazu beitragen“, sagte die Linkshänderin nach dem zweiten Gruppenspiel, bei dem sie auf über 40 Spielminuten gekommen war, nachdem es im Auftaktspiel gegen Island „nur“ 22 (mit zwei Toren) gewesen waren. „Bis jetzt habe ich sehr viel Spaß bei dieser WM und hoffe, das geht so weiter.“ Auch nach zwei Spielzeiten im Ländle bei der Sport-Union Neckarsulm und anderthalb im südhessischen Bensheim hat sich die aus Driftsethe zwischen Bremen und Bremerhaven stammende 22-Jährige das norddeutsch-nüchterne bewahrt. Auf wie neben dem Handball-Feld.


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Nina Engel, Aimée von Pereira, Alina Grijseels (verdeckt), Alexia Hauf und Jolina Huhnstock (von links) feierten den Hauptrunden-Einzug mit den Fans per La Ola.
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Deutschland feiert Handball-Party mit kleinen Anlaufschwierigkeiten


Norddeutsche Gelassenheit als Erfolgsrezept

Nina Engel hat die norddeutsche Gelassenheit zu eine ihrer Stärken gemacht. Aufgrund ihrer Größe ist sie eher eine Eins-gegen-eins-Spielerin mit einem Faible für Abschlüssen aus der Nahdistanz. Bei der Europameisterschaft im vergangenen Winter war sie auf diese Weise 23-mal erfolgreich und damit bereits zweitbeste Torschützin der deutschen Mannschaft. Die damals 21-Jährige war so etwas wie der Shootingstar im Gaugisch-Team – mit mehr Spielzeit als die erfahreneren Olympia-Teilnehmerinnen Julia Maidhof und Viola Leuchter.

Diesem Status ist sie inzwischen längst entwachsen. Zu viele Einsätze und Tore für die DHB-Auswahl und die „Flames“, die mit ihrer Mannschaftskollegin beim Auftaktspiel live in der Stuttgarter Porsche-Arena mitfieberten, hat sie seitdem angehäuft. Ihr aktueller Tore-Durchschnitt allein in der Bundesliga steht bei herausragenden 10,0 pro Partie.



„Ich bin aber trotzdem aufgeregter als beim ersten Turnier, weil meine Rolle nun etwas klarer ist und ich bei der EM einfach ins kalte Wasser geworfen worden bin. Jetzt bin ich etwas reifer und erfahrener und fühle schon etwas mehr Druck und Verantwortung“, sagt Engel. Und selbstverständlich sei das Heim-Turnier noch einmal eine etwas größere Sache als das Kontinentalturnier im vergangenen Jahr.

Viel Verantwortung auf und neben dem Feld

Doch auch bei ihrem zweiten großen Turnier gehört die gebürtige Hildesheimerin noch zur Fraktion der ‚Jungen‘, was in einer Mannschaft mit den altbekannten Verpflichtungen einhergeht. Für die Ballsäcke ist sie beispielweise gemeinsam mit Nieke Kühne verantwortlich. „Und ich trage die öfter als sie“, will Engel lachend festgehalten wissen. „Und es sind auch noch alle 20 Bälle da, wir nehmen unsere Aufgabe sehr ernst!“

Es ist genau diese gesunde Mischung aus Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit, die die deutsche Mannschaft bei dieser Weltmeisterschaft bislang auszeichnet. „Wir sind sehr, sehr dankbar, wie die ‚Alten‘ uns aufgenommen haben; das macht es uns natürlich umso leichter in so ein Team zu kommen, was an sich ja schon etwas Besonderes ist.“

Gute Erinnerungen an zwei Jahre bei der Sport-Union Neckarsulm

Doch nicht nur aufgrund der gewissenhaften Ausübung des Ball-Amtes gibt es von den erfahrenen Teamkollegen und dem Bundestrainer viel Lob für die jungen Spielerinnen um Engel, Kühne oder auch Turnier-Neuling Aimée von Pereira. „Es zeichnet die Jungen aus, dass sie nie zufrieden sind“, lobt Markus Gaugisch explizit den Willen und die Wissbegierde Engels.



Davon konnte in ihrer zweiten Saison in Neckarsulm auch schon Trainer Thomas Zeitz stets berichten, der Engel in ihrer damals erst zweiten Erstliga-Saison von Anfang an als Fixpunkt seiner Mannschaft ansah. „Ich habe in Neckarsulm eine Menge gelernt. Dass ich dort so viel Verantwortung tragen konnte und durfte, hat mich sehr weit nach vorne gebracht. Und das Jahr mit Thomas als Trainer hat mir auch geholfen, weil er nicht nur auf handballerische, sondern auch auf menschliche Fähigkeiten Wert gelegt hat. Das hat mir, zusammen mit der individuellen Arbeit, auch mental sehr, sehr viel gebracht“, blickt Engel auf ihre Zeit im Unterland zurück.

Familie und Freunde sorgen für die nötige Bodenhaftung

Wichtig ist Nina Engel, die neben ihrer Handball-Karriere ein Fernstudium der Wirtschaftswissenschaften absolviert, auch die Unterstützung von Familie und Freunden. Beides erde einen, um die Bodenhaftung bei all dem handballerischen Rummel nicht zu verlieren. „Meine Eltern sind bei jedem WM-Spiel dabei und machen quasi die ganze Reise mit. Die haben vom ersten Spiel bis zum Finale schon Karten gekauft als der Vorverkauf begonnen hat“, erzählt Engel.

Während Mama und Papa ganz regulär Tickets kauften, kamen andere auf noch direkterem Wege an die begehrten Eintrittskarten: „Ich kenne natürlich auch hier im Süden inzwischen viele Leute, so dass ich für jedes Spiel relativ viele Karten besorgen musste“, erzählt Engel und lacht.


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Aus Driftsethe zur WM: „Krass, dass man es hierhin geschafft hat“

Der Süden ist für die junge Frau aus dem Norden zu einer zweiten Heimat geworden. In der ersten sei sie nur noch selten, „drei- oder viermal im Jahr. Mal mehr, mal weniger“. Vergessen ist die (handballerische) Jugendzeit in Driftsethe, Bremerhaven und Bremen allerdings nicht.

„Man fokussiert sich bei einer solchen WM schon auf das Hier und Jetzt, aber es gibt immer mal Momente, vor allem wenn die Stimmung in der Halle so toll ist, in denen man denkt, ‚Okay, krass, dass man es hierhin geschafft hat‘, sagt Engel. „Und wenn bei Social Media mal ein Post vom Heimatverein kommt, dann freut mich das natürlich sehr. Dann denkt man schon mal daran, wie das war vor einigen Jahren.“

Das Viertelfinale als Minimalziel, eine Medaille als großer Traum

In den nächsten Tagen und Wochen geht Nina Engels Blick jedoch nur in die entgegengesetzte Richtung: nach vorne: „Wir schauen weiterhin von Spiel zu Spiel, aber es ist klar, dass jeder von uns gerne eine Medaille gewinnen möchte. Wir wollen auf jeden Fall ins Viertelfinale. Und dann schauen wir dort, was geht.“ Mit einer im WM-Turnier angekommenen Nina Engel sind die Erfolgschancen der deutschen Mannschaft auf Edelmetall jedenfalls nicht gesunken.

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